Der Spieler ist ein psychologisch präzises, sprachlich starkes Werk über Liebe, Geld und Sucht.
Mit Der Spieler legt Fjodor M. Dostojewski einen schmalen, aber inhaltlich dichten Roman vor, der sich kompromisslos mit Spielsucht, Macht, Abhängigkeit und zerstörerischer Liebe auseinandersetzt. Der Text trägt spürbar autobiografische Züge und genau diese Nähe zur eigenen Erfahrung verleiht der Geschichte ihre schonungslose Intensität.Im Zentrum steht ein junger Mann, innerlich zerrissen zwischen seiner obsessiven Liebe zu Polina und der berauschenden Verheißung des Roulettetisches. Das Glücksspiel ist hier weit mehr als bloße Kulisse: Dostojewski beschreibt den Ablauf, die Atmosphäre und vor allem die Sogwirkung des Spiels mit beklemmender Präzision. Man spürt förmlich das fiebrige Hoffen, das nervöse Kalkulieren und den jähen Absturz, bis klar wird, dass der Protagonist längst nicht mehr spielt, sondern selbst gespielt wird.Sprachlich ist der Roman anspruchsvoll und kritisch, stellenweise bewusst provokativ. Die häufig eingestreuten französischen Passagen, leider ohne Übersetzung, können irritieren und ein Gefühl von Distanz erzeugen, beeinträchtigen das grundsätzliche Verständnis jedoch nicht. Auch die Figuren werden zu Beginn recht überfallartig eingeführt, was kurzfristig Orientierung verlangt. Doch Dostojewski gleicht dies aus, indem er Beziehungen und Abhängigkeiten immer wieder aufgreift und vertieft. Mit jeder Seite fügt sich das Beziehungsgeflecht klarer zusammen.Besonders gelungen ist der Tonfall, mit dem Dostojewski Tragik und grotesken Humor verbindet. Die moralische und seelische Dekadenz der Figuren ist erschütternd und zugleich stellenweise bitterkomisch überzeichnet. Ein echtes Highlight ist das Auftreten der Tante: ihr Verhalten, ihr Glück (oder vielmehr Unglück) am Roulette und ihre respektlose Direktheit bringen eine fast absurde Leichtigkeit in die ansonsten düstere Erzählung.Fazit:Der Spieler ist ein psychologisch präzises, sprachlich starkes Werk über Liebe, Geld und Sucht, über Menschen, die glauben zu handeln, und doch längst getrieben sind. Anspruchsvoll, stellenweise sperrig, aber insgesamt sehr eindrucksvoll.