Flavius Josephus' "Jüdische Altertümer" entfaltet in zwanzig Büchern eine umfassende Geschichte des jüdischen Volkes von der Schöpfung bis zum Ausbruch des Aufstands gegen Rom. In gelehrter, griechisch-römischer Prosa verbindet Josephus biblische Überlieferung, historiographische Ordnung und apologetische Argumentation. Das Werk steht im Kontext antiker Universalgeschichtsschreibung und vermittelt jüdische Traditionen einem hellenistisch-römischen Publikum, wobei Gesetz, Kult, Königtum und politische Katastrophen als Teile einer göttlich geordneten Geschichte erscheinen. Der Autor, Flavius Josephus, war Priester aristokratischer Herkunft, Augenzeuge des Jüdischen Krieges und später Klient der flavischen Kaiser in Rom. Seine doppelte Zugehörigkeit-verwurzelt im Judentum, schreibend für die gebildete Welt des Imperiums-prägt Ziel und Ton des Buches. Die "Altertümer" sind daher nicht bloß Chronik, sondern auch Verteidigung: Josephus erklärt die Würde, das Alter und die Vernünftigkeit jüdischer Gesetze gegenüber Vorurteilen seiner Zeit. Dieses Werk empfiehlt sich Lesern, die die Schnittstelle von Bibelauslegung, antiker Geschichtsschreibung und politischer Selbstdeutung verstehen wollen. Es bietet keinen neutralen Bericht im modernen Sinn, wohl aber eine unverzichtbare Quelle für Judentum, Frühchristentum und römische Herrschaft. Wer Josephus aufmerksam liest, gewinnt Einblick in eine Kultur, die ihre Vergangenheit als Argument für Identität, Beständigkeit und geistige Autorität erzählt.