Ich bin für die Bewertung des Buches wirklich hin- und hergerissen. In erster Linie muss ich nämlich sagen, dass es mir einfach deutlich zu langatmig und repetitiv war. Über weite Strecken habe ich mich ehrlicherweise etwas hindurchgequält, wollte es aber auch gerne lesen. Die Autorin schreibt im Kern jedoch über wirklich gute Sachen, die eine Psychotherapeutin genau so auch gesagt hätte.
Der politische Einblick bleibt hier eher kurz, aber das liegt vielleicht an ihrem früheren Werk, das ich nicht gelesen habe, welches aber durchaus tiefgründiger klingt. Für meinen Geschmack hätte es noch konkreter gesellschaftskritisch sein dürfen und auch generell wären mir mehr spezifische Beispiele lieb gewesen. An manchen Stellen wird die Autorin auch persönlich, was den Lesefluss für mich positiv beeinflusst.
Die grundlegenden Aussagen dazu, dass wir nur ein Leben und einen Körper haben, der mehr verdient hat als die Abwertung aufgrund gesellschaftlicher Normen, sind treffend. Und ich finde es auch gut, wie Given es hier geschafft hat, spirituelle Gedanken fundiert und ohne Anspruch an Perfektion zu vermitteln. Ich kann mit Spiritualität nämlich nichts anfangen, aber die Fokussierung auf uns und unseren Körper wirkt sich eben ganz konkret auf unser Leben und auch auf die Beziehungen zu anderen aus. Respektlosigkeit und Abwertung können wir besser von uns weisen, wenn wir uns selbst respektieren und körperliche Reaktionen ernst nehmen. Den Impuls, unsere dauerhaft laufenden Gedanken bewusst wahrzunehmen und sich so von ihnen abgrenzen zu können, fand ich wirklich hilfreich. Und auch die schlicht sehr wahre Aussage, dass nur wir selbst unser Leben leben und in die Hand nehmen können, hätte eine Therapeutin nicht anders formuliert.
Für meine Bewertung muss ich also einbeziehen, dass ich im Zuge vieler Jahre Psychotherapie mit eigentlich allen Dingen im Buch schon konfrontiert gewesen bin. Somit war es nicht wirklich etwas Neues, aber ich kann so auch einschätzen, dass es wirklich valide Ratschläge sind, die nicht in eine komische Selbstoptimierungs-Ego-Schwurbel-Schiene abdriften. Das rechne ich dem Buch wirklich positiv an, denn es gibt ganz viele andere Selbsthilfebücher auf dem Markt, die meiner Meinung nach eher Schaden anrichten.
Dem gegenüber steht aber dennoch, dass mir die klare Struktur im Buch fehlte und ich den Eindruck hatte, dass die Autorin wieder und wieder die gleichen fünf Grundgedanken ausformuliert. Auch die oft blumige Ausdrucksweise mit vielen sprachlichen Bildern trifft einfach nicht meinen Geschmack. Während ich die Gestaltung des Buches mit ihren knalligen Farben und rotzigen Zeichnungen wirklich gut fand, hätte ich es wohl locker auf ein Drittel des Umfangs gekürzt.
Ich halte es abschließend für eines der besseren Selbsthilfewerke und Menschen, die keinen Zugang zu Psychotherapie haben und/oder sich nicht in einer akuten Krise befinden, kann es bestimmt nachhaltig helfen. Für mich war es leider eine wirklich zähe Lektüre, die ich nur wegen der guten Basis wohlwollend bewerte.