Teacher Man als Taschenbuch
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Teacher Man

A Memoir. Sprache: Englisch.
Taschenbuch
Dritter Teil von Frank McCourts Memoiren, in denen er von seiner manchmal schweren, aber überwiegend amüsanten Zeit als Englischlehrer an New Yorker Schulen berichtet.
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Teacher Man als Taschenbuch

Produktdetails

Titel: Teacher Man
Autor/en: Frank McCourt

ISBN: 0007173997
EAN: 9780007173990
A Memoir.
Sprache: Englisch.
HarperCollins Publishers

4. September 2006 - kartoniert - 288 Seiten

Beschreibung

Paperback edition of the biography continuing on from "Angela's Ashes" and "'Tis". It was tremendously successful in hardback, selling over 100,000 copies in the UK and Ireland.

Pressestimmen

'McCourt has a compulsion to tell us the story of his life, but he does it so well - modulating beautifully from ventriloquistically exact repro teen-speak to rhapsodic meditations on his midlife crisis - that one couldn't possibly want him to stop. I wish I could have been in one of his classes.' Sunday Times 'This memoir about teaching is unlike any other I have read: relatively mundane events and incidents shine against that backdrop of that pathetic, abused child.' Francis Gilbert, Sunday Telegraph 'In this third memoir, McCourt recounts his years as a high-school teacher in New York, where he would stop at nothing to reach his surly charges. Nine times out of 10, his approach was successful and it is exhilarating to see these generations of tough-talking teenagers blossom.' Observer

Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung vom 07.12.2006

Zu Gast bei Lehrer Lämpel
Die mochten ihn alle leiden: Frank McCourts Erinnerungen

Als der junge Frank McCourt im Jahre 1958 erstmals in seiner neuen Eigenschaft als Englischlehrer ein New Yorker Klassenzimmer voller lärmender Teenager betritt, fliegt ihm ein Sandwich vor die Füße. Er ermahnt den Verursacher: "Hör auf, mit Sandwiches um dich zu schmeißen." Sogleich wird er von den Schülern belehrt, es habe keinen Sinn, etwas zu verbieten, was schon geschehen sei. Nun greift er zu einer Überraschungstaktik: Er wickelt das von der italienischen Mamma des Schülers liebevoll belegte Brot aus der Verpackung und verspeist es mit Genuß. Unter den verblüfften Schülern kehrt Ruhe ein.

Aber just in diesem Moment blickt der auf dem Gang patrouillierende Rektor durch das in amerikanischen Schulzimmertüren wohl obligatorische Türfenster. Er bittet den jungen Kollegen auf ein Wort nach draußen. Es gehe nicht an, daß eine Lehrkraft im Unterricht ihr Mittagessen verspeise. Die Schüler empfinden McCourts Behandlung durch den Rektor als unfair. Der Sandwichwerfer tröstet ihn: Er werde seiner Mutter berichten, wie gut dem Lehrer das Pausenbrot geschmeckt habe. Er solle aber nicht erwähnen, daß er es weggeschmissen habe, rät der Pädagoge. Keinesfalls, meint der Schüler, schließlich gehe seine Mutter nach sizilianischer Art "immer gleich auf die Palme".

Mit dieser Episode von seinem ersten Schultag als Lehrer illustriert McCourt in seinem neuen Buch "Tag und Nacht und auch im Sommer" (im Original "Teacher Man") eine seiner Erkenntnisse aus dreißig Jahren Schuldienst: Lehrer und Schüler entwickeln Solidarität gegen Bedrohungen von außen, ob sie nun von Schulleitern oder von Eltern ausgehen. Seine zweite Einsicht lautet: Lehren heißt lernen, und zwar learning by doing. Auf die meisten Situationen im Klassenzimmer haben ihn seine Pädagogikprofessoren nicht vorbereitet. Auch die Ratschläge erfahrener Kollegen helfen selten. Bloß nicht zuviel Persönliches erzählen, raten die "alten Hasen".

Lehrer McCourt hingegen macht ausgiebige Berichte aus seiner Kindheit und Jugend in Irland zu seinem Markenzeichen. Als er doch einmal versucht, diesbezügliche Schülerfragen mit einem Scherz abzublocken, geht das gründlich schief: Ob er in Irland auch mit Mädchen ausgegangen sei, will ein Schüler wissen. "Wir sind mit Schafen ausgegangen. Was denkt ihr denn?" lautet die Antwort. Am nächsten Tag verweist der Schulleiter auf dreizehn Beschwerden von Eltern, der neue Lehrer propagiere Sodomie.

Frank McCourt, 1930 als Sohn irischer Eltern in Brooklyn geboren, seit seinem vierten Lebensjahr in Irland aufgewachsen, schließlich als Neunzehnjähriger nach New York zurückgekehrt, hat mit seinem ersten Erinnerungsbuch "Die Asche meiner Mutter" einen Welterfolg erzielt. Darin schreibt er: "Natürlich hatte ich eine unglückliche Kindheit; eine glückliche Kindheit lohnt sich ja kaum." Wenn er jetzt wieder auf seine Kinderzeit mit ihrer ungesunden Mischung aus Armut und irischem Katholizismus zu sprechen kommt, hat man den Eindruck, daß ein erfolgreiches Label bedient wird: McCourt, das ist doch der mit der unglücklichen Kindheit. Doch gewinnt er im Klassenzimmer auch diese Erkenntnis: "Auch für Elendsgeschichten gibt es irgendwo eine Grenze." Also geht es im weiteren Verlauf dann weniger um die Kindheit als um die Erfahrungen als Pädagoge. Deutlich wird, daß das erste Buch eine lange orale Vorbereitungsphase hatte: die Geburt der Literatur aus dem Geist der Schulstunde. Nebenbei erfährt man aber auch von früheren Veröffentlichungen in amerikanischen und irischen Zeitschriften, was das Bild vom spätberufenen Rentner-Schriftsteller korrigiert.

McCourts halbherzige Versuche, in die pädagogischen Erinnerungen Elemente der Fortschreibung seiner außerschulischen Biographie einzuflechten, tun dem Buch nicht gut. Zu unvermittelt und unverbunden werden sie zwischen die Schulszenen gepreßt. "Mit dreißig heiratete ich Alberta Small", heißt es da, aber Alberta Small ist zuvor kein einziges Mal erwähnt worden. Auch später gewinnt die Frau, mit der McCourt immerhin neunzehn Jahre verheiratet bleibt, nicht annähernd ein so klares Profil wie etwa Serena, die Wortführerin einer Klasse mit neunundzwanzig quirligen schwarzen Mädchen und zwei bedauernswerten puertoricanischen Jungen, oder Bob Stein, der Rabbinersohn, den es in die Landwirtschaft zieht.

Sein Leben außerhalb der Schule stellt der Autor, stets in munterem Tonfall, als eine Serie von Mißerfolgen dar. Und selbst bezüglich seiner Lehrertätigkeit kommt er immer wieder auf Selbstzweifel und Gefühle des Ungenügens zu sprechen, die er auf Schuldkomplexe aufgrund der katholischen Erziehung zurückführt. Ein wenig erfüllen diese Passagen aber wohl auch die rhetorische Funktion von Bescheidenheitstopoi: McCourt macht sich selbst gern klein, um sich dann in ein um so besseres Licht setzen zu können, indem er behaglich sein Lob durch Schüler und an seiner letzten Lehrerstation, der angesehenen Stuyvesant High School in Manhattan, endlich auch durch Vorgesetzte zitiert.

Wie sehr ihm, bei allen Schwierigkeiten, die Arbeit mit den Teenagern ans Herz gewachsen ist, wird klar, als er an einem College in Brooklyn Abendkurse für Berufstätige abhält. "Niemand mußte austreten. Niemand meldete sich, um einen anderen zu beschuldigen, er habe ihm ein Sandwich oder ein Buch oder seinen Platz weggenommen. Niemand versuchte, mich vom Thema abzubringen, indem er mich nach Irland im allgemeinen oder meiner unglücklichen Kindheit im besonderen fragte." Das ist nichts für diesen Lehrer.

Im pointierten anekdotischen und episodischen Erzählen, in den prägnanten und feinfühligen Schülerporträts liegen die Stärken dieses Buches. Um Analyse und Einordnung in größere Zusammenhänge bemüht es sich erst gar nicht. So beklagt der Autor die schlechte Bezahlung und mangelnde gesellschaftliche Anerkennung amerikanischer High-School-Lehrer, während für Universitätsprofessoren vergleichsweise paradiesische Zustände herrschten. Die Frage, warum das so ist, ob gar das eine mit dem anderen etwas zu tun hat, wirft er nicht auf. Gerade unter diesem Aspekt wäre aber aus deutscher Sicht ein Blick auf das amerikanische Bildungssystem interessant. Denn auch bei uns ist ja zu beobachten, daß die Gesellschaft immer mehr Probleme bei den Lehrern ablädt, deren Ansehen stetig abnimmt, während man zugleich auf dem Hochschulsektor krampfhaft versucht, das amerikanische Modell nachzuäffen.

Auch dieses dritte Buch von Frank McCourt hat hierzulande sogleich wieder den Sprung auf die Bestsellerliste geschafft, wo es, trotz seiner narrativen Konzeption, in der Sachbuch-Rubrik geführt wird. Das liegt wohl am Untertitel "Erinnerungen", im Original "A Memoir". Über die Reinheit dieser Gattungsbezeichnung wachen in Amerika selbsternannte Faktenkontrolleure, die jüngst dem Autor James Frey zusetzten, der einen als Roman von mehreren Verlagen abgelehnten Text als Erinnerungsbuch erfolgreich auf den Markt brachte. Der Skandal war groß: Wo "A Memoir" draufstehe, so hieß es, dürfe nichts als die reine Wahrheit enthalten sein. Natürlich, wie bei den Memoiren von Politikern und Filmstars! Doch McCourt hat hier gewiß nichts zu befürchten. Es ist kaum anzunehmen, daß jemand die Aufgabe auf sich nimmt, seine rund zwölftausend Schüler (soweit sie noch leben) zu befragen, ob sich auch alles wirklich so abgespielt hat wie vom Autor geschildert.

Auf der Bestsellerliste findet sich McCourts Buch in der Nachbarschaft eines anderen Lehrerbuchs: "Lob der Disziplin" von Bernhard Bueb. Ob dem langjährigen Internatsleiter "Tag und Nacht und auch im Sommer" gefallen könnte? Mit McCourts kritischer Haltung gegenüber Schulleitern kann er sich sicher nur schwer anfreunden. Und daß ein Lehrer gefälschte Entschuldigungsschreiben zum Anlaß nimmt, seine Schüler kreative Entschuldigungen für historische und mythologische Personen schreiben zu lassen, anstatt disziplinarische Maßnahmen zu ergreifen, liegt wohl auch nicht gerade auf der Linie von "Deutschlands strengstem Lehrer". Doch den von ihm geforderten "pädagogischen Eros" wird auch Bueb seinem unkonventionellen irisch-amerikanischen Kollegen nicht gänzlich absprechen können.

HARDY REICH

Frank McCourt: "Tag und Nacht und auch im Sommer". Erinnerungen. Aus dem Englischen übersetzt von Rudolf Hermstein. Luchterhand Literaturverlag, München 2006. 331 S., geb.

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