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Brief an den Vater

'Reclam Universal-Bibliothek'. Mit Phot.
Taschenbuch
Kafkas berühmter Brief an seinen Vater, der im Nachlass gefunden wurde und seinen Adressaten nie erreichte, ist Literatur und Dokument zugleich, ein rhetorisch durchdachter Text und autobiographischer Kommentar zu bedeutenden Werken des Autors.
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Brief an den Vater als Taschenbuch

Produktdetails

Titel: Brief an den Vater
Autor/en: Franz Kafka

ISBN: 315009674X
EAN: 9783150096741
'Reclam Universal-Bibliothek'.
Mit Phot.
Kommentiert von Michael Müller
Herausgegeben von Michael Müller
Reclam Philipp Jun.

1. Februar 1995 - kartoniert - 128 Seiten

Beschreibung

Kafkas berühmter Brief an seinen Vater, der im Nachlass gefunden wurde und seinen Adressaten nie erreichte, ist Literatur und Dokument zugleich, ein rhetorisch durchdachter Text und autobiographischer Kommentar zu bedeutenden Werken des Autors.

Portrait

Franz Kafka, 3. 7. 1883 Prag - 3. 6. 1924 Kierling bei Klosterneuburg.
Der aus einer jüdischen Kaufmannsfamilie stammende K. studierte nach dem Abitur 1901 Jura an der Deutschen Universität Prag (Staatsprüfung 1903, Promotion 1906). Danach arbeitete er als Versicherungsjurist zunächst bei den Assicurazioni Generali, dann seit 1908 bei der Arbeiter-Unfall-Versicherungs-Anstalt in Prag, wo er bis zum Obersekretär aufstieg. 1922 wurde er wegen seiner fortschreitenden, 1917 zuerst offen ausgebrochenen Krankheit (Tuberkulose) pensioniert. Von September 1923 bis März 1924 lebte er in Berlin bei Dora Diamant, der letzten seiner komplizierten Frauenbeziehungen mit Verlobungen und Entlobungen (Felice Bauer, Julie Wohryzek, Milena Jesenská). Seit der Aufnahme seiner (ungeliebten) Berufstätigkeit schrieb K., meist nachts. Seine erste große Erzählung Das Urteil entstand in der Nacht vom 22. zum 23. September 1912. Sie bedeutete den Durchbruch zu einem eigenen Erzählstil, für den sprachliche Präzision und realistische Detailschilderung ebenso charakteristisch sind wie das Ineinander ießen von Traum und Wirklichkeit. Dabei entspricht die für K.s Erzählungen typische unmerkliche Verschiebung vom Realen ins Phantastische (und Groteske) dem Eindringen des Unbewussten (einschließlich des unbewussten Schuldgefühls). Hinter der Ober äche liegt eine andere, vielfältigen Deutungen unterworfene Realität. Mit dieser neurotischen 'Familiengeschichte' gestaltete K. zum ersten Mal eines seiner zentralen Themen, das der bürgerlichen Familie mit ihren Widersprüchen und Zwängen, das in verschiedenen Variationen sein Werk durchzieht (Die Verwandlung, Ein Landarzt, Brief an den Vater, Das Schloß, Der Verschollene u. a.). Die Grunderfahrung der Fremdheit in einer als labyrinthisch bzw. 'kafkaesk' verstandenen Welt ndet ihren Ausdruck im gesellschaftlichen Bereich u. a. in den Institutionen der Justiz, der Bürokratie und der modernen Technik (In der Strafkolonie, Der Prozeß, Das Schloß u. a.). Dieser Welt der Entfremdung und der Zwänge stellt K. in seinen Tiergestalten und Tiergeschichten eine (ebenso vieldeutige) naturhafte Gegenwelt entgegen. Damit verbindet sich das Thema der Kunst in der Gesellschaft (Ein Hungerkünstler). K.s drei Romane (Der Prozeß, Das Schloß, Der Verschollene bzw. Amerika) blieben unvollendet; K. hielt sie in seinem hohen Kunstanspruch für missglückt. Sie wurden - wie zahlreiche andere zu Lebzeiten ungedruckte Texte - von M. Brod aus dem Nachlass veröffentlicht, den er eigentlich hätte vernichten sollen. Als gleichnishafter Ausdruck der Fremdheit des Menschen in der modernen Welt, als Zusammenfassung der Tendenzen des Jahrhunderts fand K.s Werk v. a. nach dem Zweiten Weltkrieg weltweite Resonanz - und vielfältige Deutungen.


In: Reclams Lexikon der deutschsprachigen Autoren. Von Volker Meid. 2., aktual. und erw. Aufl. Stuttgart: Reclam, 2006. (.) - © 2001, 2006 Philipp Reclam jun. GmbH & Co., Stuttgart.

Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung vom 18.04.2004

Das Drama des begabten Vaters
Die Welt kennt Hermann Kafka nur, wie sein Sohn Franz ihn sah. Nun ist ein Dokument aufgetaucht, das ihn viel freundlicher zeigt

Am schlimmsten war diese eine Nacht. Und wer einmal von ihr gelesen hat, wird sie lange nicht vergessen. Die eine Nacht, in der der kleine Franz Kafka immer und immer wieder um ein Glas Wasser gerufen hatte. Wahrscheinlich nicht aus Durst, wie wohl fast alle Kinder, die wieder einmal keine Lust auf Schlafen haben und mit billigen Tricks den Moment des Einschlafens hinauszögern wollen und damit den Eltern auf die Nerven gehen. Nein, aus Übermut, schreibt Franz Kafka selbst. "Um mich zu unterhalten." - "Um zu ärgern." Das machte er so lange, bis der Vater kam. Hermann Kafka. Er nahm den Sohn aus dem Bett, trug ihn auf die Pawlatsche und ließ ihn im Nachthemd draußen stehen. Weiter nichts. Es ist die Schlüsselszene einer Kindheit. Kafkas Kindheit. Und eine der Schlüsselszenen seines späteren Schreibens. In seinem "Brief an den Vater", den er über dreißig Jahre später, im November 1919 verfaßte, heißt es: "Das für mich Selbstverständliche des sinnlosen Ums-Wasser-bittens und das außerordentlich Schreckliche des Hinausgetragen-werdens, konnte ich meiner Natur nach niemals in die richtige Verbindung bringen. Noch nach Jahren litt ich unter der quälenden Vorstellung, daß der riesige Mann, mein Vater, die letzte Instanz, fast ohne Grund kommen und mich in der Nacht aus dem Bett auf die Pawlatsche tragen konnte und daß ich also ein solches Nichts für ihn war."

Der Brief, der nie abgeschickt werden sollte, ist die große Abrechnung mit einem Tyrannen. Hermann Kafka trägt hier die monströsen Züge eines Sonnenkönigs, der seine Untertanen jederzeit nach Herzenslust zerdrücken könnte, wenn er nur wollte. Der das Wertvollste, was seine Untergebenen besitzen, verlacht, ihre Meinungen für nichtig hält, ihre Liebe wofür auch immer durch Ironie, Spott und Verachtung zertrümmert. Er war alles, was zählte. Für seinen Sohn das Maß aller Dinge. Sein Richter. Sein Lebenszerstörer. Sein Unglück.

Jetzt ist ein bislang unbekannter, längerer Bericht über diesen Mann aufgetaucht, den die Welt nur als Monster kennt. Zwar haben schon früher einige Zeitgenossen, wie Kafkas Lebensfreund Max Brod, darauf hingewiesen, daß dieses Bild, das einzige, das die Welt von Hermann Kafka hatte, nicht ganz der Wirklichkeit entsprach. Daß dieser Mann aus der Provinz, der sich in Prag zusammen mit seiner Frau aus dem Nichts ein gutgehendes Galanteriewarengeschäft aufgebaut hatte, im Leben außerhalb der Familie ein ganz verträglicher Mann gewesen sei. Daß er großzügig zu seinen Kindern sein konnte, Franz eine exzellente Ausbildung ermöglichte, ihm eine große Reise zum Schulabschluß schenkte, die Kinder nie schlug, was damals eher unüblich war, und auch nie einen Angestellten, und das war damals wirklich selten. Aber die Lebenserinnerungen von Frantisek X. Basík, der zweieinhalb Jahre lang Lehrjunge im Galanteriewarenladen Hermann Kafkas war, liefern einen Einblick in das Familienleben der Kafkas und die Persönlichkeit des Vaters, wie es ihn bislang nicht gegeben hat. Als Frantisek seine Erinnerungen verfaßte, 1940, war der "Brief an den Vater" noch nicht veröffentlicht, und Frantisek wußte auch nicht, daß aus dem Sohn der Familie der Schriftsteller geworden war. Es ist also ein wirklich unabhängiger Bericht, der nicht vom Ruhm des Kafka-Nachkommen und dem Wissen über dessen späteres Leben getrübt ist. Als die Erinnerungen auf tschechisch erschienen, gab es längere Debatten um die Authentizität des Textes, doch die streitlustige Gemeinde der Kafka-Forscher scheint sich in diesem Fall einmal einig zu sein: Basíks Erinnerungen sind authentisch. In den nächsten Wochen erscheinen sie erstmals im Rahmen einer Neuausgabe des "Briefes an den Vater" bei Wagenbach auch auf deutsch.

Es beginnt mit einem Witz. Hermann Kafka beginnt mit einem Witz. Es ist ein schöner Septembermorgen im Jahr 1892, und das große Geschäft in der Zeltnergasse wird von zwei Damen und einem sehr kleinen Jungen betreten. Eine der Damen ist Frau Munk, Besitzerin eines Vermittlungsbüros für Handelsangestellte. Sie möchte den kleinen Jungen, Frantisek Basík, als Lehrling an Hermann Kafka vermitteln, einen "netten Herrn", wie sie versichert. "Hier bringe ich den Lehrling, Herr Kafka", begrüßt sie ihn. Und dieser spielt, gleich spaßbereit, den Enttäuschten: "Er scheint mir zu klein zu sein, man wird ihn hinter der Theke kaum sehen." Doch die stolze Vermittlerin versichert, er sei ja erst vierzehn und werde also noch wachsen. Und Hermann Kafka lacht. Frau Munk lacht auch, und der allzu kleine Frantisek wird angenommen.

Die Arbeit ist hart, der Chef ist streng, aber dem Frantisek ist er gleich "irgendwie sympathisch". Die Angestellten stöhnen unter der Last der Arbeit. Aber Klagen über den Chef sind selten. Die Erinnerungen aus Kafkas Brief, "Ich hörte dich im Geschäft schreien, schimpfen und wüten, wie es meiner damaligen Meinung nach in der ganzen Welt nicht wieder vorkam", bestätigen sich durch Basík nicht. Und die Menschen, die Kafka vor seiner Familie als "Tiere", "bezahlte Feinde" oder "Hunde" bezeichnete, spüren von dieser tiefen Verachtung nicht viel. Aber Basík scheint auch in einer Sonderstellung gewesen zu sein. Er wußte sich durch kleine Tricks beim Chef beliebt zu machen, malte ohne Auftrag Schilder für die Schaufenster und wurde schnell in die Schreibstube befördert. Schon nach einem halben Jahr bekam er eine Gehaltserhöhung und wurde somit eher von den anderen Bediensteten verachtet als vom großen Kafka.

Die Sache mit den Schildern bringt für Frantisek Basík noch eine weitere schöne Wendung mit sich: Hermann Kafka und seine Frau Julie, die im Geschäft eine wichtige Rolle spielte, beschließen, daß er ihrem Sohn jeden Nachmittag Nachhilfestunden im Tschechischen geben sollte. Franz Kafka, damals elf Jahre alt, hatte in der Schule Schwierigkeiten mit dem Tschechischen. Der Tscheche Basík sollte helfen. Doch in Wirklichkeit scheint es den Eltern eher um etwas anderes gegangen zu sein: Sie suchten für ihren Sohn einen Kameraden. Einen Freund. Denn wichtiger als der Tschechischunterricht war den Eltern, daß der Frantisek ihrem Franz, der keine Freunde hatte, jeden Tag "den Gesellschafter spiele". Eine Stunde Unterricht mit "einem Haferl guten Kaffee und einem Hörnchen - manchmal auch zwei", dann sollten die beiden eine Stunde spazierengehen. Jeden Tag. Und jeden Tag gab die Mutter ihrem Sohn einen Zehner, damit sie sich unterwegs etwas zum Naschen kaufen sollten. Franz habe immer geteilt, wenn auch "nicht gerade halbe-halbe". Sogar in die Sommerferien nahmen die Kafkas den Lehrling mit. Basík staunt noch vierzig Jahre später: "Wer hätte je gehört, daß der Chef den Lehrbuben mit seinen Kindern in die Sommerferien schickte!" In anderen Läden würden "die Lehrlinge geohrfeigt und für jede Dummheit geschlagen".

Doch das Glück hält nicht ewig. Denn die beiden Jungs unterhalten sich auf einem ihrer Spaziergänge darüber, was sie für "das Schönste" halten. Franz Kafka sagt: "die Freundschaft", Frantisek Basík: "das zufriedene Eheleben", und er erläutert dem staunenden Franz, daß dies auch mit Kinderkriegen zu tun habe, und diese bekämen Vater und Mutter durch gemeinsames Beten. Offenbar hatte Franz Kafka nichts Besseres zu tun, als diese Neuigkeit sofort den Eltern zu berichten, die daraufhin die Tschechischstunden und Spaziergänge der beiden für beendet erklärten. Aufklärungsversuche eines Pubertierenden für ihren kleinen Franz, und seien sie noch so naiv, waren unschicklich und mußten unterbunden werden.

So verliert Basík bald die Lust an der Arbeit, strebt nach anderen Aufgaben, einer neuen Stelle und findet sie auch bald. Vor seinem letzten Gespräch mit Kafkas Vater, seiner Kündigung, fürchtet er sich sehr. Was wird er sagen? Wird er ihm zürnen?

Doch: "Herr Kafka war ein ruhiger, fast sanfter Mensch und gerade heute in besonders guter Stimmung, was man ihm auch ansah. Er lächelte und sagte freundlich: Na, wenn Sie denken, daß es dort für Sie besser sein wird, dann gehen Sie nur am Ersten. Ich halte Sie nicht auf." Und er ging. Und ließ Franz Kafka mit seiner Familie, mit seinem Vater allein. Und die Welt mit dem Bild, das Franz von diesem zeichnete. Bis jetzt.

VOLKER WEIDERMANN

Franz Kafka: Brief an den Vater. Mit einem unbekannten Bericht über Kafkas Vater als Lehrherr. Verlag Klaus Wagenbach. 140 Seiten.

© Alle Rechte vorbehalten. Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt.

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