Gertrude Aretz' Elisabeth von England entfaltet das Leben Elisabeths I. als dramatische Staatsbiographie: von der gefährdeten Prinzessin der Tudorzeit über die religiösen Konflikte der Reformation bis zur Festigung einer protestantischen Monarchie und zum Zeitalter Shakespeares. Aretz verbindet erzählerische Anschaulichkeit mit kulturhistorischer Deutung; ihr Stil ist klar, psychologisch interessiert und von der biographischen Geschichtsschreibung der Zwischenkriegszeit geprägt, die Persönlichkeit und Macht eng zusammendenkt. Die Autorin Gertrude Aretz, eine deutsche Biographin mit besonderem Interesse an historischen Frauengestalten und höfischen Machtmilieus, schrieb aus einer Perspektive, die politische Geschichte durch Charakter, Erziehung, Rang und gesellschaftliche Erwartung lesbar macht. Ihre Beschäftigung mit Herrscherinnen und europäischen Dynastien dürfte sie für Elisabeths Ausnahmestellung sensibilisiert haben: eine Frau, die in einer von Männern dominierten Ordnung Souveränität behauptete und Selbstinszenierung als Regierungsinstrument nutzte. Dieses Buch empfiehlt sich Leserinnen und Lesern, die eine gelehrte, zugleich zugängliche Annäherung an Elisabeth I. suchen. Es bietet nicht nur historische Information, sondern ein Verständnis für die Bedingungen politischer Herrschaft, für konfessionelle Spannungen und für die Kunst monarchischer Repräsentation. Wer Biographie als Verbindung von Fakten, Zeitgeist und Deutung schätzt, findet hier eine eindringliche Lektüre.