Ein spannender Krimi, ein liebevolle Beschreibung von Land u. Leuten, sowie eine unverkrampfte Auseinandersetzung mit dem Asperger-Syndrom
Es ist schon erstaunlich, was eine gut erzählte Geschichte vermag. Wer sich mit dem Asperger-Syndrom (einer Variante des Autismus) bislang nicht oder eher am Rande befasst hat, bekommt hier, so ganz nebenbei, eine äußerst eindrückliche und häufig sehr emotionale Beschreibung dieser neuronalen Entwicklungsstörung.Schon der Titel dieses Buches, eine zarte Melange zwischen Namen und Gefühl, weist auf dieses besondere Phänomen hin. Wobei diese Gefühle des sich "Nicht-verstanden-" bzw. "Nicht-passend-fühlens", des außerhalb der Gemeinschaft Stehens, natürlich an jedem anderen Ort der Welt stattfinden oder beschrieben werden könnte. Doch in der reizvollen Umgebung der südöstlichen Algarve kombiniert mit dem leidenschaftlichen Element seiner Bewohner bekommt diese "Andersartigkeit" noch eine ganz andere Gewichtung. Und die emotionalen Schilderungen drohen in dieser Atmosphäre auch nicht ins Kitschige abzudriften.Ein EU-Austauschprogramm (Europol) soll dafür sorgen, dass man auf Ebene der Kriminalistik voneinander lernt. Hierzu werden "die Besten" eines Landes für ein Jahr auf Reisen geschickt. Und so landet denn Kriminalkommissar Lost aus Hamburg in der beschaulichen Umgebung von Fuseta, wo er stante pede nicht nur wegen seiner unpassende Kleidung und seines "fremdes" Verhaltens für einige Verwirrung sorgt, sondern gleichsam zum Auftakt einem Kollegen ins Bein schießt, was zunächst für gewisse Ressentiments sorgt. Da er aber gleichzeitig über ein für die Verbrechensaufklärung förderliches fotografisches Gedächtnis verfügt, glätten sich die Wogen nach und nach. Es geht um das Lebenselixier Wasser, um damit verknüpfte Machenschaften und - natürlich um Mord. Und so ganz nebenbei werden die zarten Bande zwischenmenschlicher Begegnungen geknüpft, die im Licht autistischer Verhaltensweisen eine ganz besondere Note bekommen. Es sind jene intensiven emotionalen Momente, die diesem Roman eine besondere Tiefe geben und ihn dadurch außergewöhnlich machen. Und so bleibt es nicht aus, dass sich hin und wieder ein paar Wassertropfen auf den Weg machen. Es würde den Rahmen sprengen, um wirklich deutlich zu machen, mit welcher Intensität sich hier Menschen begegnen. Hier nur ein kleiner Hinweis aus einem längeren Monolog: "'Genau das meine ich', sagte Lost, ¿dieses T r o t z d e m. Das zeichnet die Menschen hier aus, finde ich. Sie sind traurig, ja, aber sie verlieren nie den Mut. Sie sind melancholisch und machen daraus eine eigene Musikrichtung [Fado] ..." Man bekommt hier also ein Dreierpack: Erstens, einen gut erzählten spannenden Krimi, zweitens eine als liebevoll zu bezeichnende Beschreibung von Landschaft und Leuten (versetzt mit historischen, kulturellen und landeskundlichen Informationen) und drittens, eine wohltuend unverkrampfte Auseinandersetzung mit dem Asperger-Syndrom. So etwas muss man einfach gelesen haben.(27.3.2020)