Das Buch war für mich ein unerwartetes Highlight, vor allem weil Harley Laroux genau das liefert, was mir bei vielen Dark Romance Geschichten fehlt: ausgearbeitete Figuren und eine Handlung, die auch unabhängig vom Spice funktioniert.Gerade Rae und Leon haben dabei viel ausgemacht. Beide sind durch ihre Vergangenheit geprägt, ohne vollständig darauf reduziert zu werden. Bei Rae hat mir gefallen, dass nicht automatisch sie den gebrochenen Part übernehmen muss, obwohl sie durchaus auf Leon angewiesen ist. Ihre impulsive Art bringt sie regelmäßig in Situationen, die vermeidbar gewesen wären, bleibt dabei aber stimmig zu ihrem sonstigen Verhalten. Leon wiederum ist Rae gegenüber stark besitzergreifend, ohne dass diese Eigenschaft seine gesamte Persönlichkeit bestimmt. Dazu kommt, dass er trotz seiner Natur nicht als übermächtiges Wesen dargestellt wird. Sowohl seine Magie als auch seine körperliche Stärke haben erkennbare Grenzen.Auch die fantastische Seite der Geschichte funktioniert für mich deutlich besser als eine bloße Kulisse für die Romance. Die Wälder, der Nebel und die durchgehend herbstliche Halloween Atmosphäre haben Abelaum sehr greifbar gemacht. Gleichzeitig spielen die okkulte Sekte, ihr Versuch, einen Gott wiederzubeleben, und die mystischen Wesen eine tatsächliche Rolle für die Handlung. Das Worldbuilding und das Magiesystem bleiben leicht verständlich, ohne dadurch bedeutungslos zu werden. Selbst die Beschreibungen der Dämonenanatomie und der Hölle waren trotz ihrer fantastischen Elemente so nachvollziehbar, dass sie meine Vorstellung unterstützt haben, statt sie zu überfordern.Die zahlreichen und detaillierten Spiceszenen passen klar ins Dark Romance Genre und sind stark kinky geprägt. Trotzdem verdrängen sie den restlichen Roman nicht. Würde man sie entfernen, bliebe noch immer eine eigenständige Geschichte übrig. Genau diese Balance fehlt mir bei anderen Büchern aus dem Genre häufig.Positiv aufgefallen ist mir außerdem, wie selbstverständlich sexuelle und geschlechtliche Vielfalt eingebunden wird. Ähnlich natürlich funktioniert der Umgang mit Zustimmung. Consent wird immer wieder aufgegriffen und direkt in Gespräche und Situationen integriert, ohne wie ein nachträglich eingefügter Hinweis zu wirken.Der einzige deutliche Schwachpunkt war für mich die Übersetzung. Einerseits fällt positiv auf, dass sie sprachlich abwechslungsreich ist. Andererseits gibt es einzelne Stellen, die im Deutschen schlicht keinen Sinn ergeben und dadurch den Eindruck einer nicht vollständig gelungenen Übersetzung hinterlassen. Spätestens bei Formulierungen, nach denen offenbar Kofferräume von Autos geparkt werden, war ich jedenfalls kurz aus der Geschichte heraus.Gerade für Dark Romance Leserinnen und Leser, denen Figuren, Fantasyhandlung und Worldbuilding neben dem Spice wichtig sind, bietet das Buch damit deutlich mehr als nur eine Kulisse für erotische Szenen.