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Sermones / Satiren als Taschenbuch
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Sermones / Satiren

von Horaz
Zweispachige Ausgabe: Lateinisch / Deutsch. 'Reclam Universal-Bibliothek'. Sprachen: Deutsch Lateinisch.
Taschenbuch
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Sermones / Satiren als Taschenbuch

Produktdetails

Titel: Sermones / Satiren
Autor/en: Horaz

ISBN: 3150004314
EAN: 9783150004319
Zweispachige Ausgabe: Lateinisch / Deutsch.
'Reclam Universal-Bibliothek'.
Sprachen: Deutsch Lateinisch.
Reclam Philipp Jun.

1. Januar 1972 - kartoniert - 231 Seiten

Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung vom 04.10.2001

Grünkost aus einfacher Schüssel
Metrischer Klimawechsel: Horaz in neuer Übersetzung

In der Metaphorik unserer Marketender könnte man sie als das "Flaggschiff" der Sammlung Tusculum bezeichnen, die einbändige Horaz-Werkausgabe, 1993 in der elften Auflage erschienen. Da war es siebzig Jahre her, daß sich Ernst Heimeran erstmals mit seinen zweisprachigen Klassikern an jene gewandt hatte, "denen die antiken Sprachen nicht fremd, aber nicht mehr vertraut sind". Horaz' Oden und Epoden gehörten zu den ersten Titeln der neuen Reihe; zehn Jahre später folgten, übersetzt von Wilhelm Schöne, die Satiren und Episteln. Mitte der achtziger Jahre noch einmal auf den neuesten Stand der Textkritik gebracht, fand sich "Horaz - Sämtliche Werke" im Bildungsbürger-Buchregal nun schon der dritten Generation.

Wenn der Verlag Artemis & Winkler nun entschieden hat, das Flaggschiff außer Dienst zu stellen, so muß es dem Nachfolger gefallen, am Vorgänger gemessen zu werden. Der Nachfolger kommt, um in der Metapher zu bleiben, als Katamaran daher: Der einbändige Horaz wird durch einen zweibändigen abgelöst. Der erste Band, die Satiren und Briefe (einschließlich des "Buches von der Dichtkunst"), übersetzt von Gerd Herrmann, ist schon erschienen; die Oden und Epoden werden laut Verlagsinformation "in den nächsten Jahren folgen". Vor dem Rezensenten liegen nun also der ganze alte und der halbe neue Horaz.

Da die Tusculum-Bände stets auch ein sinnliches Vergnügen bereiten, sei mit den optischen und haptischen Details begonnen. Der halbe neue Horaz ist 38 Millimeter stark und übertrifft damit den ganzen alten um ein Fünftel. Warum, das merkt man, sobald man die beiden aufschlägt: Das zarte Dünndruckpapier ist einem robusten Stoff gewichen, von dem, positiv ausgedrückt, etwas Dauerhafteres als Erz ausgeht. So umfaßt der (dünnere) alte auch 728 Seiten, der (dickere) neue halbe nur deren 405. Der Preis pro Band ist auf wenige Groschen derselbe, woraus sich ergibt, daß man in Zukunft für den Tusculum-Horaz zweieinhalbmal soviel Regalplatz und doppelt soviel Geld brauchen wird wie bisher.

Damit ist, so könnte man mit Horaz sagen (Briefe II,1 über den römischen Literaturmarkt: "Gestit enim nummum in loculos dimittere, post hoc securus"), die neue Flottenpolitik schon ein wenig erläutert. Die Textgestalt ist nämlich, was das Lateinische angeht, unverändert diejenige des "alten" Horaz. Die Übersetzung hingegen ist vollständig neu. Hatte sich Wilhelm Schöne seinerzeit entschieden, die hexametrischen Satiren und Episteln in "künstlerisch gehobener Prosa" wiederzugeben und dabei "durch Wortwahl, Wortstellung und eine fast durchgehende Rhythmisierung den Ton zu treffen, der den horazischen Plaudereien mit ihrer gepflegten Unterhaltungssprache gemäß ist", so hat sich Herrmann jetzt für eine metrische Verdeutschung entschieden. Dies ist überraschend, zeigen doch die neueren Tusculum-Titel eher eine gegenteilige Tendenz; im 1996 erschienenen Properz-Tibull-Band übersetzt Georg Luck selbst die elegischen Disticha durchgängig in deutsche Prosa. Es ist dies letzten Endes eine Geschmacksfrage; allerdings hat eine metrische Übersetzung, ob sie es will oder nicht, stets mehr mit der deutschen als mit der römischen Klassik zu tun, und der Horaz in Hexametern klingt nun deutlich marmorner, als es der bisherige Schönesche, von Hans Färber überarbeitete Prosa-Horaz tat. Man vergleiche etwa die briefliche Entschuldigung des kränkelnden Dichters an Maecenas, Rom bis zum Ende der Sommerhitze meiden zu wollen (I,7): "Quinque dies tibi pollicitus me rure futurum / sextilem totum mendax desideror ..." In Herrmanns Hexametern: "Trotz des Versprechens, fünf Tage nur auf dem Lande zu bleiben, / Blieb ich den ganzen August, so daß ich als treulos vermißt ward." In Schönes Prosa: ",Fünf Tage nur', so hatt' ich dir versprochen, wollte ich auf dem Lande bleiben; nun ist der August ganz herum, und wortbrüchig lass' ich noch auf mich warten."

Unter der metrischen Einheitlichkeit findet sich jene Vielzahl an Stimmungen, Situationen und Stillagen, für die Horaz seit zweitausend Jahren bewundert wird und die Herrmann, namentlich in der Wortwahl, gewandt repliziert. Den heiligen Schauder werden wir erst im zweiten Band bei der Lektüre der Oden und des Säkulargesangs wieder empfinden; in seinen Satiren und Episteln begegnet man Horaz als Causeur in zutiefst ernster Sache - so ernst, daß er sich gelegentlich über seine eigene Ernsthaftigkeit mokieren mag. Er lädt, mit dem zur Lebenshilfe degenerierten Stoizismus und seiner eigenen Neigung zur Frugalität gleichermaßen kokettierend, zum Essen unter Freunden: "Nimmst du nicht Anstoß, nur Grünkost zu speisen aus einfacher Schüssel, / Dann, Torquatus, erwarte ich dich bei sinkender Sonne." Er berichtet heiter-selbstironisch von einem Vormittag auf dem Forum in Begleitung eines Schöngeistes, der um jeden Preis über Horaz Zugang zu dem feinsinnigen Maecenas-Kreis erlangen will (wobei durchscheinen soll, daß die üblicherweise erfolgreiche Ellbogenmanier des römischen Klientenwesens am Musenhofe gänzlich unangebracht ist) - und liefert an anderer Stelle mit einem Empfehlungsbrief, der an den notorisch unzugänglichen späteren Kaiser Tiberius gerichtet ist, ein magistrales Schulbeispiel ebendieser Klientenpolitik. Der herumeilenden Elite des Imperiums gibt er sentenzenreich zu bedenken: "Wer übers Meer fährt, wechselt das Klima, doch nimmer sein Wesen ..."

Für kulturhistorische Interessen ist in den über hundert Seiten Erläuterungen gesorgt, die ebenfalls neu sind, aber den Vergleich mit der Vorgängerausgabe nicht zu scheuen brauchen (wenn auch leider die Etappenkarte der berühmten Brundisium-Reise weggefallen ist). Kulturpessimisten werden zur Kenntnis nehmen müssen, daß die griechischen Originalzitate und -begriffe, wie sie sich in den alten Erläuterungen fanden, sämtlich verschwunden sind, was sich heutzutage ja nicht mehr durch typographischen Mehraufwand wegerklären läßt.

Verschwunden ist rätselhafterweise auch der Namensindex, der nicht nur für die entlegeneren Faune und Nymphen, sondern gerade für die tagespolitische Verortung der Satiren und Briefe sehr nützlich war - ist doch Horaz, der sich so gerne als "Landmaus" gibt, mit Brutus, Cassius und Augustus in engeren Kontakt gekommen, als ihm selber lieb war. Gehalten hat sich hingegen das nützliche Verzeichnis der geflügelten Worte, deren Fundstellen der Band vereinigt, wenn auch in reduzierter Gestalt (warum fehlt zum Beispiel nun "Est modus in rebus"?). Die "Einführung", die hinten steht, hat in ihrer Knappheit den Charakter eines Literaturlexikon-Eintrags und zehrt auf weite Strecken von den Urteilen des Manfred Fuhrmann, denen man in Text und Fußnoten in teilweise längeren und sogar doppelten Zitaten unablässig begegnet; gleichwohl bietet sie einen sehr hilfreichen interpretativen Zugang zu einigen ausgewählten Texten. Daß man diese in Tusculum-Ausstattung auch weiterhin wird genießen können und daß der Verlag sichtlich entschlossen ist, das hohe Niveau der Reihe zu halten, ist eine erfreuliche Tatsache; wer die Satiren und Briefe des Horaz allerdings lieber in Prosa liest, sollte sich jetzt beeilen, noch ein Exemplar der Vorgängerausgabe aufzutreiben.

JAN RÜDIGER

Horaz: "Satiren/Sermones - Briefe/Epistulae". Lateinisch-deutsch. Übersetzt von Gerd Herrmann. Herausgegeben von Gerhard Fink. Artemis & Winkler Verlag, Düsseldorf 2000. 405 S., geb.

© Alle Rechte vorbehalten. Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt.

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