In "Abenteurer des Schienenstranges" gestaltet Jack London die Erfahrung des amerikanischen Landstreichertums als erzählerische Schule der Moderne: Güterzüge, Bahnhöfe, Suppenküchen und Gefängnisse werden zu Schauplätzen einer radikal mobilen Existenz. Der Stil verbindet autobiographische Reportage, pikareske Episode und naturalistische Sozialbeobachtung. London schildert nicht romantische Freiheit allein, sondern auch Hunger, Gewalt, List und die unsichtbaren Regeln einer Gegenwelt am Rand der industriellen Gesellschaft. Jack London, 1876 in San Francisco geboren, kannte Armut, Gelegenheitsarbeit und soziale Unsicherheit aus eigener Anschauung. Vor seinem literarischen Ruhm als Autor von "Der Ruf der Wildnis" und "Wolfsblut" arbeitete er unter anderem als Matrose, Fabrikarbeiter und Goldsucher. Seine Wanderjahre auf den Schienen sowie seine sozialistische Sensibilität gaben diesem Buch seine besondere Autorität: Es ist weniger bloße Abenteuerprosa als eine aus Erfahrung gewonnene Kritik ökonomischer Ausgrenzung. Empfohlen sei dieses Buch allen Lesern, die London jenseits der Tier- und Wildnisromane entdecken möchten. Es bietet ein scharfes Dokument amerikanischer Sozialgeschichte und zugleich eine spannungsreiche Erzählung über Anpassung, Würde und Überleben. Wer Literatur als Erkenntnisform gesellschaftlicher Wirklichkeit schätzt, findet hier einen eindrucksvollen, klugen und bis heute verstörend aktuellen Text.