Im Mittelpunkt der Geschichte steht ein Grundstück an einem märkischen See. Im Verlauf eines Jahrhunderts lernen wir die verschiedenen Eigentümer und Bewohner kennen und erleben die Veränderung des Grundstücks: Häuser werden gebaut, Gärten angelegt und verändert, Bäume gepflanzt und gefällt. Stege, Schuppen und Bootshäuser werden errichtet, versetzt und wieder abgerissen; Grundstücke werden geteilt und später wieder zusammengelegt.Es ist deutsche Geschichte von der Weimarer Republik bis heute. Da ist die Geschichte des jüdischen Tuchfabrikanten und seiner Familie, die das Haus am See aufgrund des NS-Regimes weit unter Wert an den Nachbarn verkaufen muss, um Geld für die Flucht zu haben. Wir erfahren, welches Leid die Frau des Architekten ertragen musste, als die Rote Armee in die Region einmarschierte, und wie eine unachtsame Handlung ihres Mannes, des Architekten, ihn Jahrzehnte später dazu zwingt, die DDR zu verlassen. Insgesamt bindet die Geschichte 15 Lebensläufe ein, die alle mit dem Grundstück am See verbunden und ineinander verworren sind.Jenny Erpenbeck beschreibt die Protagonisten sowie deren Gedanken, Hoffnungen und Sorgen auf ihre ganz eigene, beeindruckende Art. Auch wenn jeder Lebenslauf relativ kurz angerissen wird - das Taschenbuch hat nur 185 Seiten -, ergibt sich ein großes Gesamtbild deutscher Geschichte. Es ist ein Buch, für das man sich etwas Zeit nehmen muss, da der Schreibstil komplex ist. In einigen Passagen war mir nicht ganz klar, wem nun welcher Teil des Grundstücks gehört und wie die Personen zueinander stehen. Für mich, die ruhige Bücher mit geschichtlichem Hintergrund mag, ist es ein großartiges Buch (übrigens genauso wie "Kairos").