Jill Kaltenborn entführt ihre Leser in den kleinen Heideort Lopauthal, dessen scheinbare Idylle alles andere als friedlich ist. Im Mittelpunkt steht die Hamburger Archäologin Toni Abel, die bei einer Ausgrabung in der Totenstatt auf menschliche Knochen stößt. Was zunächst wie ein rätselhafter Fund aus der Vergangenheit aussieht, führt Toni schon bald tief in ihre eigene Familiengeschichte.
Die Geschichte hat mich vor allem durch die Verbindung von Vergangenheit und Gegenwart gefesselt. Stück für Stück erfahren wir, was im Spätsommer 1971 passiert ist. Dabei wird schnell klar, dass in Lopauthal vieles unter der Oberfläche verborgen liegt und längst nicht jeder bereit ist, die alten Geheimnisse ans Licht kommen zu lassen.
Toni hat mir als Protagonistin sehr gut gefallen. Sie geht eher analytisch und nüchtern an die Sache heran, was hervorragend zu ihrem Beruf als Archäologin passt. Gleichzeitig wird ihre persönliche Betroffenheit immer größer, je mehr sie über ihren Vater und ihre Familie erfährt. Gerade diese Verbindung zwischen ihrer beruflichen Neugier und der eigenen Familiengeschichte macht ihre Ermittlungen für mich besonders interessant.
Sehr gelungen fand ich auch die Rückblenden ins Jahr 1971. Die damalige Dorfgemeinschaft, alte Vorurteile und die Ankunft einer chilenischen Flüchtlingsfamilie bringen zusätzliche Spannung in die Geschichte. Dabei wird deutlich, wie schnell eine vermeintlich heile Gemeinschaft wegschauen kann, wenn Dinge unangenehm werden. Besonders dieser Teil hat mich zum Nachdenken gebracht.
Auch die Atmosphäre hat mir wieder sehr gut gefallen. Die Lüneburger Heide wirkt zunächst ruhig und idyllisch, bekommt durch die düsteren Ereignisse aber eine zunehmend beklemmende Stimmung. Jill Kaltenborn spielt sehr schön mit diesem Gegensatz zwischen Landschaftsidylle und den Geheimnissen, die darunter verborgen liegen. Auch baut sich die Spannung kontinuierlich auf und immer wieder wird man auf eine falsche Fährte geführt.
Insgesamt hat mir Als die Heide schwieg sehr gut gefallen. Die Mischung aus Familiengeheimnis, historischem Kriminalfall und atmosphärischem Heidekrimi hat mich überzeugt. Vor allem die Frage, was damals wirklich geschehen ist und warum Tonis Vater bis heute darüber schweigt, hat mich immer weiterlesen lassen.