Inhaltsangabe:Witwe Ruth Jefferson arbeitet seit über 20 Jahren im Mercy-West Haven Hospitals als Hebamme und Säuglingsschwester. Sie hat eine fundierte Ausbildung absolviert und hat bislang ohne Fehl und Tadel ihre Dienste verrichtet. Ihr Sohn Edison steht kurz vor seinem Abschluss und bewirbt sich an Colleges.Turk und Brit Bauer sind gerade Eltern des kleinen Davis geworden. Ruth möchte sich um den kleinen Jungen kümmern, aber das Ehepaar Bauer möchte nicht, dass sie den Kleinen anfasst. Es wird Ruth untersagt, das Kind anzufassen, weil sie dunkelhäutig ist!Doch kurze Zeit später ist sie mit Davis allein, weil ihre Kolleginnen zu Notfällen geeilt sind. Ruth sollte nur ein paar Minuten mit Davis allein sein und ihn nach der Beschneidung überwachen, als plötzlich seine Atmung aussetzt. Sie ringt mit sich, ob sie sich der Anordnung widersetzen sollte.Als sie schließlich das Notfall-Team ruft, kommt jede Hilfe zu spät. Davis ist verstorben und Turk Bauer erhebt schwere Vorwürfe gegen Ruth. Sie soll ihn vorsätzlich sterben gelassen haben. Er erstattet Anzeige und stellt damit das Leben der Familie Jefferson grundlegend auf den Kopf.Mein Fazit:Jodi Picoult scheut kein kritisches Thema in ihrer schriftstellerischen Laufbahn und hat sich mit dem Thema Rassismus auseinandergesetzt. Beim Schreiben entsteht der Eindruck, als würde sie dunkelhäutig sein. Nein, sie ist privilegiert als Hellhäutige aufgewachsen und musste die Empathie aufbringen, sich in Ruth reinzuversetzen.Ruth ist nicht nur eine Dunkelhäutige! Sie blendet die Tatsache aus, dass sie trotz der "helleren Farbe" täglich rassistischen Anfeindungen ausgesetzt ist. Ob im Supermarkt, im Freundeskreis oder auf der Arbeit. Sie hat sich lange Zeit etwas eingeredet und gedacht, sie würde zur "normalen weißen Schicht gehören". Nun muss sie im wahrsten Sinne des Wortes Farbe bekennen. Ein kleiner Junge ist gestorben und sie muss sich vor Gericht dafür verantworten. Sie erkennt, dass das Krankenhaus sie einfach fallen ließ, gar als Bauernopfer betrachtet. Ruth war das kleinere Übel! Ihr Alltag verändert sich dramatisch, da sie nicht mehr als Hebamme arbeiten darf. Ihr sozialer Abstieg macht der gesamten Familie zu schaffen - auch Edison!Das Ehepaar Bauer ist ein durch und durch rassistisches Paar. Turk lernte seine Frau bei ihrem Vater kennen, als er durch die Lande zog und seine krude Ideologie verbreitete. Die Weißen sind schon bald in der Minderheit und "die Schwarzen" würden ein Systemwechsel planen oder so etwas in der Art. Mir wurde schlecht, als Turk beschrieb, das sein Hass auf Homosexuelle so weit ging, das er sogar seinen Vater verprügelte. Während seine Frau um den verlorenen Sohn trauerte, kämpfte er für vermeintliche Gerechtigkeit! Ich fürchte, dass die Ideologie allgemein sehr weit verbreitet ist, wahrscheinlich mehr, als offensichtlich ist! Die rechten Parteien erhalten immer mehr Zulauf und sind dabei, die Welt in den Abgrund zu stürzen (der Klimawandel macht dann den Rest *Sarkasmusoff*).Jodi Picoult ist mit dem Thema sehr sensibel umgegangen und hat bei allen Figuren eine nachvollziehbare Veränderung angestoßen. Die Geschichte wird von Ruth, Turk oder der Anwältin Kennedy aus ihrer jeweiligen Perspektive erzählt. Damit bekommt die Geschichte noch mehr Tiefe, als sie ohnehin schon hat. Es gibt kleine überraschende Wendungen und ein packendes Gerichtsverfahren - ebenfalls mit kleinen Überraschungen, wie es bei Justiz-Dramen üblich ist.Mich hat das Buch lange nicht losgelassen und auch jetzt, während des Verfassens des Artikels, blättere ich noch mal im Buch und lese die eine oder andere Stelle. Für mich ist es ein weiteres Highlight in diesem Jahr und ich freue mich auf ihre nächste Geschichte! Begeisterte fünf Sterne und eine klare Lese-Empfehlung von mir!