Langatmig und gegen Ende auch noch rassistisch, insgesamt enttäuschender Klamauk über ein Paar, das dem Weihnachtstrubel entfliehen will
Was sollte das den bitteschön?! Da hatte ich eine unterhaltsame, lustige Weihnachtsgeschichte mit Niveau erwartet, aber Bestsellerautor John Grisham hat mich schwer enttäuscht.Anfangs ist die Story noch einigermaßen witzig: Steuerberater Luther berechnet, dass der irrsinnige Weihnachtszirkus, den seine Frau Nora und er im Vorjahr veranstaltet haben, ihn stolze zehn Prozent seines Jahresgehalt gekostet hat: Geschenke für Familie, Freunde und Kolleginnen, Weihnachtskarten, Stollen und Kalender, die an der Haustüre von örtlichen Vereinen "für einen guten Zweck" verkauft werden und nicht zuletzt die überbordende Weihnachtsdekoration im Haus, auf dem Dach und im Vorgarten. Die Lösung? Flucht nach vorne - eine Kreuzfahrt, um in der Karibik dem gesellschaftlichen Druck des Weihnachtswahnsinns zu entgehen.Natürlich klappt das nicht, und ich hätte vermutlich sogar das übertrieben kitschige Ende verziehen - wäre da nicht eine eindeutig rassistische Haltung ins Spiel gekommen. Denn die Tochter des Hauses kehrt plötzlich und unerwartet mit ihrem Verlobten zurück, den sie im Rahmen ihres Auslandsaufenthalts für das Friedenskorps kennengelernt hat. Größte Sorge der Eltern über den künftigen Schwiegersohn: Hat er eine dunkle Hautfarbe? Hat er nicht, also alles gut, zumal er auch noch Arzt ist. Sorry, aber derartige diskriminierende Ansichten möchte ich nicht unreflektiert lesen müssen, auch nicht in Unterhaltungsliteratur.Überdies zieht sich die Geschichte im Mittelteil sehr in die Länge, man hätte sie um gut ein Drittel kürzen können, ohne dass dies der Qualität Abbruch getan hätte.Ich werde es nach einer Pause sicher noch einmal mal mit einem Roman von Grisham versuchen, aber dann lieber mit einem Exemplar aus dem Genre des Justizthrillers, das ihn bekannt gemacht hat.