Ein spannendes und mitreißendes Abenteuer mit zwei tollen und sehr liebenswerten Hauptcharakteren.
Inhalt:Dem Zarenreich steht ein Komplott bevor. Nur ein Mann könnte das Schlimmste noch verhindern: Der Offizier Michael Strogoff, der der Elitetruppe des Zaren angehört. Alles hängt davon ab ob es ihm gelingt eine Depesche des Zaren mehr als 5.000 km von Moskau nach Irkutsk zu bringen und sie dem Großfürsten zu übergeben, damit dieser rechtzeitig vor den finsteren Plänen des Verräters Iwan Ogareff gewarnt wird. Auf seiner Reise findet Michael mit Nadja unerwartet eine Verbündete und für die beiden beginnt ein gefährlicher Wettlauf gegen die Zeit..."Er ist ein ganzer Kerl, kaltblütig, intelligent, tapfer und zudem gebürtiger Sibirier. [...] Er vermag Hitze, Kälte, Hunger, Durst, Strapazen jeglicher Art zu ertragen. Wo andere scheitern, arbeitet er mit Erfolg. Er ist der beste von unseren Leuten." (S. 9)Meine Meinung:Jules Vernes Bücher habe ich schon seit langer Zeit ins Herz geschlossen, weil ich"In 80 Tagen um die Welt", "20.000 Meilen unter dem Meer"und"Die Reise zum Mittelpunkt der Erde" sehr gemocht habe. Deshalb wollte ich auch mal einem seiner unbekannteren Bücher eine Chance geben und es hat sich gelohnt:"Der Kurier des Zaren"ist ein richtig mitreißender Abenteuerroman und hat mir sehr gefallen. Das Buch hätte es meiner Meinung nach verdient sehr viel bekannter zu sein.Eine große Stärke der Geschichte ist der sympathische und sehr liebenswerte Protagonist. Michael ist ein richtiger Draufgänger und Abenteuer. Er beherrscht verschiedenste Kampftechniken, kennt sich mit Überlebenstechniken aus, ist ein guter Fährtenleser, spricht mehrere Sprachen und ist bestens mit den verschiedenen Sitten und Gebräuchen der Bevölkerung des riesigen Zarenreichs vertraut. Michaels Mut, seine Tapferkeit und seine Loyalität sind bewundernswert, aber das was einem am meisten für ihn einnimmt ist sein großes Herz. Es zeigt sich, dass dieser nach außen hin gefährlich und unnahbar wirkende Mann überraschend empathisch, gütig und hilfsbereit ist.Auch Nadja habe ich direkt ins Herz geschlossen. Als Michael sich ihr netter Weise als Reisgefährte und Beschützer anbietet ahnt er nicht was für eine große Hilfe ihm diese zerbrechlich wirkende junge Frau sein wird. Nadja hat Charakter, ist mutig, tapfer, besonnen und hat ein Kämpferherz. In Momenten höchster Not erweist sie sich für Michael als wertvolle Verbündete. Anders als in anderen Büchern von Jules Verne hat man mit Nadja einen weiblichen Charakter, der sich nicht bloß passiv verhält, sondern Dinge selbst in die Hand nimmt.Es wird sehr mitreißend beschrieben wie Michael und Nadja gemeinsam schlimme und gefährliche Erlebnisse durchstehen müssen und wie sie das einander näherbringt. Die gegenseitige Zuneigung, Achtung und Bewunderung sind spürbar und es ist richtig schön und rührend wie die beiden sich anfreunden und schließlich immer mehr liebgewinnen. Sie geben ein tolles Team ab. Besonders wie Nadja dem am Boden zerstörten Michael wieder Mut macht und ihn aufbaut, fand ich sehr bewegend. Ohne Nadjas tatkräftige Unterstützung wäre Michaels gefährliche Mission wahrscheinlich gescheitert. Jules Verne hat in mehreren seiner Bücher eine Liebesgeschichte als Nebenhandlungsstrang, aber die zwischen Michael und Nadja ist für mich die vielleicht schönste.Die Gefahren und Strapazen während der Reise werden atmosphärisch und eindrücklich beschrieben. Es gibt viele spannende, actionreiche und dramatische Momente. Michael und Nadja geraten nicht nur einmal in Lebensgefahr. Sie durchqueren zerstörte Städte und sehen mit eigenen Augen, dass die Tataren Plünderung, Diebstahl, Brandschatzung, Mord und Totschlag über das Land gebracht haben. Schließlich geraten Michael und Nadja sogar in Gefangenschaft und vor allem Michael widerfährt etwas Furchtbares, das einem sehr um ihn bangen lässt und das sehr betroffen macht. Die Gefahr geht jedoch nicht nur von grausamen Menschen aus, sondern auch von der Natur. In den verlassenen Gegenden können schwere Unwetter zum Verhängnis werden, es drohen Bärenangriffe und es müssen Moore und reißende Flüsse durchquert werden.Am Ende gibt es einen spannenden Showdown und ein wunderschönes Happy End. Eigentlich ist es schon fast etwas zu viel des Guten wie sich ein entscheidendes Problem von Michael erledigt, aber ich hätte es trotzdem nicht anders gewollt. Man hat Michael sehr liebgewonnen und wünscht ihm und Nadja nur das Beste. Das einzige was ich etwas schade fand ist die Tatsache, dass das Ende nicht ausführlicher war. Ich fand, dass es ein klein wenig überstürzt und ein bisschen zu abrupt wirkte.Zum Schluss noch ein wichtiger Hinweis: Bitte nicht von dem ein bisschen holprig zu lesenden Anfang abschrecken lassen, der einem etwas zu sehr mit historischen Details über das Zarenreich bombardiert! Das geht schnell vorbei und danach entfaltet sich ein tolles Abenteuer, das einem schnell in seinen Bann zieht!Fazit:Dieses Buch kann ich jedem ans Herz legen, der auf der Suche nach einem mitreißenden klassischen Abenteuerroman mit liebenswerten Protagonisten ist. Für mich ist es eines von Jules Vernes besten Büchern, das es verdient hätte sehr viel bekannter zu sein.Zum Schluss noch zwei besonders schöne Zitate aus einer Schlüsselszene des Buches:"Komm", antwortete Nadja, "leg deine Hand in meine Hand. Wir gehen nach Irkutsk." (S. 178)Hätte Michael Strogoff sie doch sehen können, hätte er doch lesen können, was in ihren schönen Augen stand: LIEBE. (S. 180)