Ein Buch, das es dem Leser nicht einfach macht; geht oft an die Schmerzgrenze ¿ und darüber hinaus ...
31 TB-Auflagen dieses Buches (Stand: 2026) sprechen eigentlich eine eindeutige Sprache. Irgendwas an diesem Buch wir die Leser in den Bann gezogen haben, sodass es sich seit Erscheinen der Originalausgabe, 2001, ein solche Nachfrage ergeben hat; es wird nicht nur daran liegen, dass dieses Buch gelegentlich als Schullektüre besprochen wird. Wie auch immer, mich hat bislang kein Buch von Juli Zeh so sehr herausgefordert wie dieses. Die Gründe sind vielfältig und für jeden sicher individuell verschieden, zumal die zunehmende zeitliche Distanz zum seinerzeit noch präsenteren "Balkan-Krieg" und den mitverhandelten "EU-Osterweiterungen" für viele Leser nicht mehr so präsent sein dürften. Nichtsdestoweniger ist die Thematik dieses Buches und deren Umsetzung dazu angetan, mindesten ein Frösteln bei Leser:innen zu verursachen - und das nicht nur einmal. Der zwischenmenschliche Umgang der Rauschgiftmissbrauch und einige andere Dinge mehr, verlange oft eine gewisse Ekelresistenz. Es fällt nicht immer leicht, diesen Eskapaden zu folgen. Andererseits ist das erzählerische Niveau der Autorin bereits in diesem Frühwerk erkennbar. Es wäre sicher vermessen, an dieser Stelle auch nur eine einigermaßen stimmige Inhaltswiedergabe formulieren zu wollen. Ohnehin gibt es hier genügend andere Quellen. Insofern will ich mich auf die eigenen Leseerfahrungen beschränken. Dieses Buch geht nicht spurlos an einem vorbei, auch wenn diese Spuren meist die Abgründe des Menschseins durchstreifen. Daher ist es auch kein loses Geplapper, das den Leser zu beeindrucken sucht. Gang im Gegenteil. Die Erzählung dringt in die Hirnwindungen ein, schlägt dort Kapriolen, vollführt Volten, die die eigene Vorstellungskraft herausfordern (man will nicht immer folgen ...), gleichzeitig aber die Gedanken zum Glühen bringen (wie kann das irgendwie zu einem guten, zumindest plausiblen Ende gebracht werden?). Mit zunehmender Lektüre, und der damit einhergehenden Gewöhnung erschließen sich die komplexen Zusammenhänge, auch wenn man zum Schluss das Buch mit einer gewissen Erleichterung zur Seite legt. Viel mehr hätte man nicht vertragen können ...(23.8.2026)