Auch im zweiten Band steht eine Protagonistin mit chronischer Erkrankung im Mittelpunkt, Toni hat Endometriose. Ich mochte sehr wie dieser Aspekt eingebunden und dargestellt wurde, allerdings stoße ich da auch gleich an etwas, was ich an der Erzählung nicht so gut fand. Denn für mich war das Buch ein wenig überladen mit Themen (ich empfehle auch die Conten Note zu beachten), sodass jedes einzelne eher Szenenweise auftauchte, manches eher im Vorbeigehen behandelt wurde und sich in den ersten zwei Dritteln alles ein wenig stückhaft anfühlte. Diese Szenen haben mich einzeln aber sehr berührt, sie sind authentisch und mit emotionalem Feingefühl geschrieben. Dazu gibt es immer wieder eingestreute Überlegungen zu den gesellschaftlichen Kontexten.
Im Grunde ist die Erzählung hier vielleicht zu lebensnah - da haben Menschen eben viele Probleme und Themen auf einmal und ihre Freunde genauso - und am Ende kommt es trotzdem alles in einem persönlichen Entwicklungsschritt zusammen. Hinter der ganzen Erzählung steht ein wohlwollender Blick auf Menschen, ein differenziertes Ausloten von Grenzen und eine mutmachende Darstellung von Freund- und Partnerschaft.
Ich mochte unsere beiden Hauptpersonen, einzeln und zusammen. Die Dynamik hat mich amüsiert und berührt. Die Autorin hat hier eine schöne Spielart von grumpy x sunshine geschaffen, die wertvollen Tiefgang hat.
Der Flair von Kiel kommt im Buch so schön durch, ich habe es genossen! Strand im Winter, Regen und Wind, mal was bodenständiges halt. Ein bisschen Heimat für Nordlichter.
Auch, wenn es heißt, dass die Bände unabhängig lesbar sind, würde ich das nicht empfehlen. Dazu wird doch das Vorwissen aus dem ersten Band zum grundsätzlichen Setting vorausgesetzt und Junas weitere Geschichte relativ detailliert eingebunden.
Ich tat mich manchmal mit dem Satzbau im Schreibstil etwas schwer, ich musste beim Lesen aufpassen, dass ich auch wirklich lese und nicht "falsch vorhersage". Aber ich habe mich mit der Zeit dran gewöhnt.