Eine interessante Prämisse wird leider für eine weitgehend spannungsfreie, halb in der Vergangenheit ablaufende Geschichte verschenkt.
"Der Tausch" war einer jener Romane, die zur Hälfte in der Vergangenheit spielen - mir gefällt diese Erzählweise überhaupt nicht, und so wurde ich auch hier nicht von Spannung gebannt, obgleich es durchaus einige interessante Stellen gab.Zunächst skizzierte die Autorin die Ausgangssituation, indem sie den Leser an einigen gezielten Schikanen von Claires Mann Rory teilhaben ließ, auf welche die Planung ihrer Flucht folgte. Diesen Einstieg fand ich gelungen, einzig an einer Stelle stolperte ich: Claire wollte kompromittierende Daten über das Geschäft, insbesondere illegale Tätigkeiten ihres Mannes sichern, wofür sie seine Computerfestplatte kopierte - auf einen USB-Stick. Theoretisch wäre das möglich, allerdings hätte man entweder erwähnen sollen, dieser verfüge über enorme Speicherkapazitäten oder es handele sich lediglich um kleine Textdateien.Nachdem Rory in letzter Minute das Reiseziel seiner Frau geändert hatte, fiel deren langwierig ausgearbeiteter Fluchtplan in sich zusammen. Voller Verzweiflung traf sie am Flughafen auf Eva, welche vorgab, ebenfalls verschwinden zu wollen, weil man sie fälschlicherweise verdächtigte, am Tod ihres Mannes schuld zu sein. Sie tauschten die Flugtickets; der Flug, in dem Claire sitzen hätte sollen, stürzte ab.Bei der Ankunft in Evas Haus erkannte sie, noch überwältigt von der Meldung über das Unglück, rasch die Lüge, die ihr die Fremde aufgetischt hatte, anschließend las man abwechselnd, wie sie die Identität ihrer mysteriösen Helferin annahm und sich mit Nebenjobs durchschlug, sowie über Evas sechs Monate vor dem Absturz.Leider ging aus diesen Kapiteln rasch der Grund für ihre Flucht, nämlich ihre Verstrickung in die Drogenszene, hervor. Dass sie es irgendwie vollbracht hatte, nicht in das abgestürzte Flugzeug zu steigen, vermutete Clair ebenfalls nahezu augenblicklich, und ihr ach so bedrohlicher Mann Rory kam ihrem Unterschlupf bis zum Schluss kein einziges Mal gefährlich nah. Dadurch fehlte es massiv an Spannung.Dafür wurde die Geschichte schlüssig aufgelöst, wobei Verbindungen hervortraten, die dem Leser vorher nicht recht ersichtlich waren. Claire erzählte in einem Fernsehinterview von ihrer Tortur und erfuhr dafür Zuspruch, Evas Untertauchen schützte sie mit Stillschweigen - Ende gut, alles gut.Fazit: "Der Tausch" las sich ob der fehlenden Spannung eher wie ein klassischer Roman denn ein Thriller. Das Potenzial der Idee eines Tickettauschs am Flughafen, vor allem jedoch der eingangs erwähnte Einfluss von Claires Ehemann Rory wurden nicht hinreichend ausgeschöpft, um eine tatsächlich fesselnde, im Gedächtnis bleibende Handlung zu stricken. Knappe vier Sterne.