Bildgewaltiger Roman über den Bau des Gotthardtunnels aus Sicht der Arbeiter + Bewohner der betroffenen Dörfer. Eindrücklich + interessant.
23. Mai 1882: "In der Nacht hatten auf den Bergen Freudenfeuer gebrannt. Bergleuchten nannte man das. Ganz Europa, so verkündeten die Zeitungen, feierte die Einweihung des längsten Eisenbahntunnels der Welt." (S. 5)Der Roman beginnt zehn Jahre zuvor, als die Menschen noch mühsam mit Fuhrwerken über den Gotthardpass alles von Norden nach Süden und umgekehrt transportieren mussten. Damit soll es nun bald ein Ende haben, denn die Gotthardbahngesellschaft will einen 15 km langen Tunnel durch das Bergmassiv sprengen und bohren. Hunderte von Männern sollen gleichzeitig an diesem Großprojekt arbeiten, rund um die Uhr im Schichtsystem.Auf fast 500 Seiten wird der Bau dieses Tunnels geschildert und dies hauptsächlich mit Blick auf Göschenen im Kanton Uri, dem nördlichen Ausgangspunkt des Bahntunnels. Der italienische Mineur Piero und die Fuhrhaltertochter Helene treffen dort aufeinander und stehen stellvertretend für die vielen Menschen, die vom Tunnelbau betroffen sind. Konflikte zwischen den Einheimischen und den Arbeitskräften aus dem Ausland sind unausweichlich, ebenso wie Liebesbeziehungen.Es ist nicht nur interessant - und teilweise erschreckend - zu lesen, unter welchen Bedingungen der Tunnel gebaut wurde, sondern welche Veränderungen damit auch in den Ortschaften einhergegangen sind. Die Autorin hat auf reale Ereignisse beim Tunnelbau zurückgegriffen, die im Nachwort noch einmal beschrieben werden und setzt damit auch den offiziell 199 Todesopfern ein literarisches Denkmal, an die bei der feierlichen Eröffnung 1882 kaum gedacht wurde.Ein informativer und unterhaltsamer Roman, den ich sehr gerne gelesen habe und der mir erstmals vor Augen geführt hat, unter welchen Opfern zu jener Zeit derartige Bauvorhaben durchgeführt wurden.