Kate Mortons erstes Buch und das merkt man auch. Leider sehr langatmig und längst nicht so raffiniert aufgebaut, wie ihre späteren Bücher.
Kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs kommt Grace Bradley als Dienstbotin nach Riverton Manor. Selbst noch nicht erwachsen, bewundert sie die Hartford-Mädchen Hannah und Emmeline, die mit ihrer unbeschwerten Fröhlichkeit für Leben auf dem Anwesen sorgen. Doch die Begegnung mit dem jungen Dichter Lord Robert Hunter wird Hannah und Emmeline für immer verändern. Als einzige Vertraute versucht Grace die beiden Schwestern vor Unheil zu bewahren - vergeblich ...Mehr als 75 Jahre bewahrt Grace das Geheimnis, bis sie endlich die Wahrheit über jene Tage preisgibt.Dieses Buch war das erste von Kate Morton. Ich bin jedoch wahnsinnig froh, dass ich es nicht als erstes von ihr gelesen habe, da ich es doch im Vergleich mit ihren späteren Büchern eher schwach und vor allem nicht immer komplett logisch finde.Ich hatte schon direkt zu Beginn leichte Mühe in das Buch zu finden. Zwar sind die einzelnen Zeitstränge wirklich virtuos aufgebaut, sodass ich mich problemlos in jeden davon einleben konnte, aber es fühlte sich gleichzeitig auch alles so wahnsinnig zäh an.Nach gut 140 Seiten haben wir beispielsweise nicht einmal alle für die spätere Handlung wichtigen Personen kennen gelernt und selbst die Schwestern kennen wir zu dem Zeitpunkt kaum.Im Grunde wiederholt Grace immer und immer wieder nur, dass sie eine große Schuld mit sich herum trägt und vor ihrem Tod endlich die ganze Geschichte erzählen will, bevor sie dann in Kindheitserinnerungen abdriftet, die teilweise sogar noch weit vor ihrer Zeit in Riverton liegen.Das hat sich einfach viel zu sehr gezogen, auch wenn die Details natürlich sehr zum Weltenaufbau beigetragen haben und wunderbar ausgearbeitet waren, aber die Geschichte kam dadurch eben kaum voran.Der Schreibstil ließ glücklicherweise schon gut erkennen, was sie in ihren neueren Büchern so perfektioniert hat, sodass ich seitenweise immer wieder komplett gefangen von einzelnen Episoden aus Grace' Leben war, aber es ist eben auch viel zu ausschweifend erzählt, sodass ich mich häufig fragen musste, ob es diese Anekdote aus ihrem Leben jetzt auch noch gebraucht hätte.Ganz besonders habe ich aber die überraschenden Wendungen vermisst, die ich in ihren neueren Büchern so schätze. Auch fand ich die Einschätzung von Grace was ihre Verbindung bzw. Vertrautheit zu den Schwestern (besonders zu Hannah) anging, komplett unglaubwürdig.Es wurden uns kaum Interaktionen zwischen ihnen gezeigt, meist war Grace einfach nur im Hintergrund und hat das artige Dienstmädchen gegeben. Die paar Gespräche, die wir miterleben, haben mich einfach nicht von einer ernsthaften und gegenseitigen Vertrautheit überzeugen können.Das konnte ich genauso wenig nachempfinden wie ihre angebliche Liebe zu Alfred. Grace hat immer viel erzählt wie es angeblich war, aber es wurde uns eben so gut wie nie auch gezeigt, sodass ich es hätte nachempfinden können.Fazit: Ich bin wirklich froh, dass ich Kate Morton erstes Buch nicht zuerst von ihr gelesen habe. Zwar sind schon viele ihrer großartigen Ansätze erkennbar, aber die Geschichte war unnötig weitschweifend erzählt mit zu wenigen Überraschungen. Das größte Problem war aber, dass zu viel von Grace behauptet wurde, ich das aber so gar nicht nachvollziehen konnte. Vielleicht wäre ich aber auch nicht so enttäuscht gewesen, wenn ich nicht schon ihre späteren und deutlich runderen Bücher kennen würde.