Die Reihe startet mit einer einfachen, aber wirkungsvollen Ausgangssituation: Chika Narasaki möchte in Ruhe lesen und übernimmt widerwillig die Aufsicht über Natsuki Terashima, einen Mitschüler mit einem Ruf als Raufbold.
Aus dieser stillen Koexistenz entwickelt sich nach und nach eine Verbindung, die beide Charaktere nachhaltig verändert. Was zunächst unscheinbar beginnt, wird zu einer der feinfühligsten Boys-Love-Reihen, die ich kenne.
Blue Sky Complex gehört für mich längst zu den etablierten und verlässlichen Titeln, die ich immer wieder Band für Band genieße!
In Band 10 hatte ich allerdings zum ersten Mal das Gefühl, dass die Handlung etwas vor sich hinplätschert. Der Band wirkt stellenweise wie ein Filler: Der Fokus liegt weder klar auf dem Hauptpaar noch auf den Nebenfiguren, sondern bleibt irgendwo dazwischen. Das ist aber auch ok, nach zehn Bänden ist so ein Zwischenkapitel durchaus nachvollziehbar, vor allem, wenn man andere lange Reihen betrachtet, bei denen jeder zweite Band zum Lückenfüller wird.
Dennoch punktet die Reihe für mich mit ihren großen Stärken: Charaktertiefe, Emotionalität, Realismus und ein unaufgeregter Slow-Burn, der die Figuren glaubwürdig wachsen lässt. Blue Sky Complex verzichtet auf große Dramen. Stattdessen zeigt die Reihe, wie Beziehungen durch alltägliche Momente, kleinen Veränderungen und gegenseitige Rücksicht entstehen.
Vom anfänglichen Schweigen in der Bibliothek über das Zusammenleben, das Teilen kleiner Routinen bis hin zu den Vorbereitungen auf den nächsten Lebensabschnitt, all das geschieht mit einer spürbaren Authentizität, die den Manga so besonders macht.
Band 10 ist vielleicht nicht der stärkste Teil, aber er fügt sich in den Gesamtfluss der Geschichte ein. Er zeigt, dass nicht jede Beziehung immer voller Höhepunkte sein muss, um authentisch zu wirken.
Blue Sky Complex bleibt auch mit Band 10 eine tiefgründige und liebevoll erzählte Reihe, die mit Realismus, emotionaler Wärme und nachvollziehbarer Entwicklung überzeugt. Für Leser*innen, die ruhige, zwischenmenschlich ehrliche Geschichten bevorzugen, bleibt sie weiterhin eine klare Empfehlung.