Thematisch spannend, aber durch viele Figuren, ungleiche Gewichtung und Beziehungsdramen zunehmend überladen.
Der dritte Band der Jahrhundert-Trilogie begleitet die nächste Generation der bereits bekannten Familien durch die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts. Ihre Lebenswege führen sie unter anderem nach Ost- und Westberlin, in die USA und in die Sowjetunion. Der Bau der Berliner Mauer, die amerikanische Bürgerrechtsbewegung, die Kubakrise, der Vietnamkrieg, die Watergate-Affäre und der Kalte Krieg bilden den historischen Hintergrund des Romans.Thematisch hatte "Kinder der Freiheit" für mich zunächst viel zu bieten. Die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts war von zahlreichen politischen und gesellschaftlichen Umbrüchen geprägt. Besonders der Mauerbau, die Kubakrise, der Kampf von Martin Luther King und der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung, der Vietnamkrieg sowie die Watergate-Affäre sind Ereignisse, über die ich gerne mehr gelesen habe.Allerdings empfand ich die Gewichtung der einzelnen Themen als unausgewogen. Manche Ereignisse werden ausführlich behandelt, während andere überraschend schnell abgehandelt werden. Vor allem der Vietnamkrieg kam für meinen Geschmack deutlich zu kurz. Bei einem Roman dieses Umfangs hätte ich mir an einigen Stellen eine stärkere Konzentration auf weniger Themen gewünscht.Gleichzeitig wurde das ohnehin große Figurenensemble erneut erweitert. Inzwischen begleitet man mehrere Generationen zahlreicher Familien, wodurch die Beziehungen und Verwandtschaftsverhältnisse für mich immer undurchsichtiger wurden. Die Vielzahl der Figuren führte außerdem dazu, dass einzelne Lebensgeschichten nicht mehr dieselbe Tiefe erreichten wie im ersten Band.Wenig überzeugen konnten mich auch einige private Handlungsstränge. Die Sexszenen wirkten für mich nicht immer passend zu den jeweiligen Situationen. Zudem fand ich es auf Dauer anstrengend, wie viele Beziehungen an Trennungen, Untreue oder neuen Affären zerbrachen. Auch dass erneut auffällig viele Figuren sehr wohlhabend oder gesellschaftlich einflussreich sind, ließ die dargestellte Welt stellenweise weniger vielfältig erscheinen.Trotz dieser Kritik bleibt Ken Folletts Schreibstil flüssig und zugänglich. Der Roman vermittelt einen umfangreichen Überblick über wichtige politische Ereignisse und bietet durchaus einige spannende Abschnitte. Als Abschluss der Trilogie war mir die Handlung jedoch zu überladen und zu wenig ausgewogen."Kinder der Freiheit" behandelt faszinierende historische Themen, verliert sich aber zunehmend in der großen Zahl an Figuren, Beziehungen und Ereignissen. Für mich ist es der schwächste Teil der Trilogie.Für Leserinnen und Leser, die umfangreiche historische Romane, generationenübergreifende Familiensagas und die politischen Umbrüche der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts mögen.Knappe 3 von 5 Sternen