atmosphärisches Setting, sommerliche Kulisse, zerbrochene Beziehungen
Sonne, Meer, eine malerische Bucht und kleine Strandhütten an der englischen Küste - eigentlich klingt das doch nach der perfekten Sommerlektüre. "Die Bucht, die im Mondlicht versank" von Lucy Clarke zeigt allerdings schnell, dass sich hinter der idyllischen Kulisse weit mehr verbirgt als ein leichter Roman für warme Sommertage.Aber worum geht es denn überhaupt?! Als Jacob sich von seiner Mutter Sarah verabschiedet, um zu einer Party zu gehen, ist alles wie immer. Am nächsten Morgen ist nichts mehr, wie es war - Jacob ist verschwunden. Verzweifelt sucht Sarah nach Spuren und stößt dabei auf viele Fragen: Wo war ihr Mann, als Jacob verschwand? Warum ist ihre Freundin Isla so überstürzt abgereist? Und was verschweigt der Fischer, der vor sieben Jahren einen toten Jungen aus dem Meer barg? Stück für Stück setzt sich ein Bild der Ereignisse zusammen, das Sarah dazu zwingt, sich einer Wahrheit zu stellen, vor der sie so viele Jahre lang die Augen verschlossen hat.Der Schreibstil lädt eigentlich zum Weiterlesen ein, trotzdem fiel es mir anfangs überraschend schwer, in die Geschichte hineinzufinden. So richtig erklären kann ich mir diesen holprigen Einstieg allerdings nicht.Erzählt wird die Handlung aus den Perspektiven der Hauptprotagonisten Isla und Sarah. Dabei wechselt die Autorin regelmäßig zwischen der Gegenwart und verschiedenen Ereignissen der Vergangenheit. Dank der klaren Kapitelüberschriften verliert man dabei aber nie die Orientierung. Die Zeitsprünge sorgen zudem dafür, dass sich die Wahrheit nur Stück für Stück zusammensetzt. Kaum wird ein Geheimnis gelüftet, taucht schon das nächste auf, sodass der Leser bis zum Schluss rätselt, was denn nun wirklich geschehen ist. Im Mittelpunkt steht die langjährige Freundschaft von Isla und Sarah, die allerdings längst tiefe Risse bekommen hat. Streit, Misstrauen und lang gehütete Geheimnisse haben ihre Spuren hinterlassen. Nach und nach zeigt sich, dass jeder etwas zu verbergen hat und die Wahrheit längst nicht immer ausgesprochen wird. Letztlich erzählt Lucy Clarke eine Geschichte über Verlust, Trauer, Schuld und die Zerbrechlichkeit einer Freundschaft, die einst unerschütterlich schien. Von der sommerlichen Kulisse sollte man sich demnach nicht täuschen lassen.Tatsächlich hätten auch ein paar Seiten weniger der Story ganz gutgetan, ohne dass dabei etwas verloren gegangen wäre. Vor allem im ersten Drittel und in Teilen der Mitte plätschert die Handlung oftmals vor sich hin und hätte für meinen Geschmack ruhig etwas straffer erzählt werden dürfen. Die Autorin hält die Spannung zwar auf einem recht konstanten Niveau, nimmt dafür aber immer wieder Tempo aus der Geschichte.Gut gefallen hat mir hingegen das atmosphärische Setting. Die raue englische Küste, das Meer und die kleinen Strandhütten schaffen eine Kulisse, die an sich sehr gut zur Stimmung des Romans passt. Mit den Charakteren hingegen wurde ich leider überhaupt nicht warm. Gerade Sarah machte es mir schwer, mit ihr mitzufühlen. Ihre dominante Art stand mir häufig im Weg, und auch zu Isla sowie den übrigen Figuren entstand keine nennenswerte Verbindung.Insgesamt hat mir "Die Bucht, die im Mondlicht versank" allerdings trotz einiger Schwächen recht gut gefallen. Wer in diesem Sommer somit Lust auf ein Buch hat, das zwar nach Sonne und Meer aussieht, unter seiner Oberfläche jedoch düstere Geheimnisse und zerbrochene Beziehungen verbirgt, sollte sich diese Geschichte definitiv einmal näher ansehen.