"Wagner" entfaltet eine konzentrierte, zugleich historisch fundierte Darstellung von Richard Wagners künstlerischem Weg: von den frühen Opern über die ästhetische Programmatik des Musikdramas bis zur kulturgeschichtlichen Bedeutung des Bayreuther Gedankens. Nohls Stil verbindet biographische Erzählung, werknahe Analyse und wertende Deutung; er schreibt aus dem Horizont des 19. Jahrhunderts, in dem Wagner als umstrittener Erneuerer von Oper, Mythos und musikalischer Form erschien. Ludwig Nohl (1831-1885), Musikhistoriker, Kritiker und Herausgeber, war durch seine Studien zu Beethoven, Mozart und zur deutschen Tonkunst besonders befähigt, Wagner in eine größere Traditionslinie einzuordnen. Seine Nähe zu den ästhetischen Debatten seiner Zeit, sein Interesse an Quellen und seine Überzeugung von der geschichtlichen Mission der Musik prägen die Darstellung: Wagner erscheint nicht nur als Komponist, sondern als Symptom und Motor einer neuen Kunstauffassung. Empfehlenswert ist dieses Buch für Leserinnen und Leser, die Wagner nicht bloß als Namen des Repertoires, sondern als geistiges Ereignis verstehen möchten. Es bietet einen zeitnahen, engagierten Zugang, der heutige Forschung ergänzt, weil er die Faszination und Reibung der Wagner-Rezeption unmittelbar spürbar macht.