Luis Bauer, geboren 2005 in Fürth, ist einer der bekanntesten jungen Bestatter Deutschlands. Er arbeitet als Thanatopraktiker im familieneigenen Bestattungsunternehmen (Bestattungen Burger), das bereits von seinem Ur-Ur-Urgroßvater gegründet wurde. Seit einigen Jahren erklärt er seinen Beruf auf TikTok, Instagram und YouTube und erreicht damit rund zwei Millionen Follower. Mit Bestatters Diary" legt er - gemeinsam mit Co-Autorin Katharina Worsch - sein zweites Buch vor. Es ist eine Mischung aus Memoir, Berufsreportage und Plädoyer für einen offeneren Umgang mit dem Tod.
Inhalt und Ansatz
Bauer erzählt aus der Ich-Perspektive von seiner Kindheit zwischen Särgen und Leichenwagen, von der Entscheidung, den Familienberuf zu ergreifen, und von seinem Alltag als Bestatter und Thanatopraktiker. Er schildert, wie er Verstorbene versorgt, rekonstruieren und für die Aufbahrung vorbereitet, wie Abholungen ablaufen und welche Herausforderungen -von Unfallopfern bis zu ungewöhnlichen Wünschen der Angehörigen - zum Job gehören. Dabei mischt er persönliche Erinnerungen, Einblicke in die praktische Arbeit und Gedanken zu Trauer, Abschied und gesellschaftlichem Tabu.
Das Buch will dem Tod die Schwere nehmen, ohne ihn zu bagatellisieren. Bauer betont, dass die Versorgung der Toten für ihn Beruf und Berufung ist und dass er der Gesellschaft helfen möchte, anders mit Sterben und Abschied umzugehen. Humor und Leichtigkeit kommen immer wieder vor, ohne respektlos zu werden.
Stärken
Das Buch überzeugt durch seine Authentizität und den unaufgeregten, zugänglichen Ton. Bauer schreibt ehrlich und nahbar: Man spürt die Selbstverständlichkeit, mit der er seit frühester Kindheit mit dem Tod umgeht, und zugleich den Respekt vor den Verstorbenen und ihren Angehörigen. Viele Leserinnen und Leser loben die informativen Passagen zu Einbalsamierung, Rekonstruktion und dem Werkzeugkoffer des Abschiednehmens". Die Mischung aus persönlichen Anekdoten, Berufsalltag und gesellschaftlichen Überlegungen macht das Buch kurzweilig und anregend.
Besonders wertvoll ist der Blickwinkel eines sehr jungen Bestatters, der Social Media nutzt, um ein Tabuthema zu entmystifizieren. Wer Bauers Videos kennt, findet hier eine vertiefte, zusammenhängende Erzählung; wer ihn nicht kennt, erhält einen leicht zugänglichen Einstieg in die Welt hinter den Kulissen eines Bestattungsinstituts.
Kritikpunkte
Einige Leserinnen und Leser, die sich besonders detaillierte technische oder alltagspraktische Einblicke erhofft hatten, finden das Buch teilweise zu allgemein. Es geht häufiger um Trauer, Abschied und den Social-Media-Werdegang als um ganz konkrete Fallbeschreibungen. Wer Bauers Online-Inhalte schon kennt, empfindet manches als Wiederholung. Der Umfang (rund 224 Seiten) ist überschaubar - das Buch liest sich schnell, bietet aber keine enzyklopädische
Tiefe.
Für wen eignet sich das Buch?
Bestatters Diary" richtet sich an alle, die das Thema Tod und Bestattung interessiert, Berührungsängste abbauen möchten oder einfach neugierig auf einen ungewöhnlichen Beruf sind. Es eignet sich sowohl für jüngere Leser (die Bauers Social-Media-Präsenz kennen) als auch für Ältere, die einen modernen, offenen Blick auf das Thema suchen. Wer eher wissenschaftliche oder sehr detaillierte Fachliteratur erwartet, wird möglicherweise enttäuscht; wer einen persönlichen, menschlich erzählten Einblick sucht, kommt auf seine Kosten.
Fazit
Luis Bauer und Katharina Worsch gelingt ein ehrliches, zugängliches und respektvolles Buch über einen Beruf, der uns alle irgendwann betrifft. Mit Leichtigkeit und Ernsthaftigkeit zugleich nimmt Bauer dem Tod etwas von seiner Unnahbarkeit und zeigt, dass professionelle Fürsorge für Verstorbene und Angehörige eine wichtige, oft unterschätzte gesellschaftliche Aufgabe ist. Ein gelungener Beitrag zur Enttabuisierung -informativ, berührend und kurzweilig.
Sehr empfehlenswert für alle, die hinter die Kulissen des Bestattungswesens blicken und den Tod etwas weniger als Tabu betrachten möchten.
Text: Pressebüro WIWI-Express