Unterhaltsam, kurzweilig und originell, aber leider etwas zu anekdotenhaft und der Humor hat nicht immer meinen Geschmack getroffen.
Inhalt:Eines Tages steht ein sprechendes Känguru bei dem Ich-Erzählers vor der Tür. Das Känguru zieht bei ihm ein und bringt Abwechslung, Schwung und Freude in sein Leben. Es ist der Beginn einer wunderbaren und außergewöhnlichen Freundschaft zwischen den beiden. Das Känguru fällt dem Ich-Erzähler aber auch des Öfteren ordentlich auf die Nerven. Es ist nämlich ziemlich frech und beratungsresistent. Außerdem eckt es manchmal mit seinen Ansichten zu gesellschaftlichen und politischen Themen an von denen es andere vehement zu überzeugen versucht... "Was?" ruft das Känguru. "Natürlich sind wir ein Paar, Mann! Wie Dick und Doof oder wie wie wie Stan & Olli oder oder oder..." (S. 216)Meine Meinung:Die Grundidee ist originell und außergewöhnlich und wenn man sich darauf einlässt bekommt man eine erheiternde und kurzweilige Geschichte zu lesen.Es gibt keine Handlungshöhepunkte auf die die Geschehnisse zusteuern und daher auch keinen klaren roten Faden der sich durch die Geschichte zieht. Es handelt eher um eine Aneinanderreihung von lustigen und skurrilen Begebenheiten, die der Ich-Erzähler zusammen mit dem Känguru erlebt. In jedem der kurzen Kapitel (jeweils max. 5 Seiten) wird ein lustiger Auszug aus einer Unterhaltung oder ein denkwürdiges Erlebnis erzählt. Diese anekdotenhafte Erzählweise sorgt für eine hohe Dichte an lustigen Momenten. Außerdem wird dadurch verhindert, dass das Buch Längen hat. Der Nachteil dieser Erzählweise ist allerdings, dass man manchmal das Gefühl hat, dass die Geschichte ein wenig "dahinplätschert". Außerdem lernt man das Känguru und den Ich-Erzähler nur relativ oberflächlich kennen, weil der Schwerpunkt auf spritzigen Dialogen und lustigen Wortgefechten liegt.Das Känguru gibt einige wirklich lustige Bemerkungen von sich und stellt auch lustige Dinge an. Die Diskussionen zwischen dem Känguru und dem Ich-Erzähler sind stellenweise ziemlich erheiternd und haben mich für die Geschichte eingenommen. Hier ein paar Beispiele:"Das Tolle am Internet ist, dass endlich jeder der ganzen Welt seine Meinung mitteilen kann. Das Furchtbare ist, dass auch jeder es tut." (S. 103)"Pah", sagt das Känguru. "Und mein Papa hat immer gesagt: Es ist besser, ein schlechter Gewinner zu sein, als ein guter Verlierer." (S. 27)"Reden, Hören oder Sehen. Auf was würdest du verzichten?" - "Das ist einfach", sage ich. "Aufs Hören. [...] Dann müsste ich dein Geschwätz nicht mehr ertragen." - "Ach ja?" sagt das Känguru. "Und ich würde liebend gerne aufs Sehen verzichten, um deine Hackfresse nicht mehr ertragen zu müssen." - "Ich finde, du solltest lieber aufs Reden verzichten", sage ich. "Dann müsste ich nicht aufs Hören verzichten." (S. 24)Warum vergebe ich trotzdem bloß 3 Bewertungssterne? Das liegt daran, dass mir die Geschichte in einigen Punkten etwas zu skurril, befremdlich und vulgär ist. Hier hat der Humor nicht meinen Geschmack getroffen. Dazu folgende Beispiele:Das Känguru pöbelt einen sich vollkommen friedlich verhaltenden Fußballfan an, weil dieser anlässlich eines Spiels der deutschen Fußballnationalmannschaft in Deutschlandfarben gekleidet ist. Das Känguru sagt, dass ein solcher Patriotismus ein Zeichen von Idiotie sei, es von da aus nicht weit bis zum Nationalismus sei und dadurch Rassismus entstehe. Als der Fußballfan deswegen verständlicherweise beleidigt ist und verbal Kontra gibt schlägt das Känguru ihn einfach k.o. und das fand ich wirklich abstoßend und verachtenswert. Leider ist es auch nicht der einzige Fall in dem das Känguru gewalttätig wird. Es schlägt auch noch einen Mann bloß deshalb bewusstlos, weil dieser für die GEZ-Gebühr zuständig ist. Zudem gibt es einem Vorfall im Park. Das Känguru tritt einen Hund, der ihm zu laut bellt, sodass dieser in hohem Bogen über die Weise fliegt. Das alles fand ich nicht lustig.Auch sonst verhält sich das Känguru schrecklich unhöflich und respektlos gegenüber Mitmenschen, die ihm überhaupt nichts getan haben. So fängt das Känguru z.B. absichtlich einen Streit mit einem McDonald's-Mitarbeiter an indem es von diesem einen Whopper fordert, obwohl es genau weiß, dass es den nur bei Burger King gibt. Obwohl der Mitarbeiter höflich erklärt, dass das nicht geht und dem Känguru eine Alternative anbietet setzt es dem Mitarbeiter weiter zu und genießt das sichtlich.Außerdem hat es mir gar nicht gefallen, dass das Känguru sich abfällig über die Demokratie äußert und sagt, dass es die deutsche Justiz nicht anerkennt. Hinzu kommt noch, dass das Känguru ein Anhänger von Verschwörungstheorien ist. Hier noch einige weitere Beispiele für Humor, der nicht meinen Geschmack getroffen hat, weil er mirzu plump bzw. vulgär war:"Der Titel ist ja total wichtig. Damit steht und fällt der Erfolg eines jeden Buches. Es muss was sein, wo die Leute sofort denken: Interessiert mich! Will ich! Kauf ich!" Das Känguru nickt. [...] "Wie wär's mit ¿H*TLER, T*RROR, F*CK*N'?" (S. 199)"Kennt ihr das Bild von Brittney Spears ohne Slip, wo man ihre M*sch* sieht? Dass sollten die lieber hier aufhängen." (S. 202)Die genannten Beispiele haben das Lesevergnügen leider ziemlich geschmälert.Fazit:Es handelt sich um ein erheiterndes Buch, das man in kürzester Zeit ausgelesen hat und das einem mit einem positiven Gefühl zurücklässt. Manche der vorlauten Bemerkungen und frechen Aktionen des Kängurus sind richtig lustig. Es gibt jedoch leider auch so einige Stellen an denen die Geschichte meinen Humor nicht getroffen hat. Humor ist nun mal Geschmackssache! Ich bereue es dennoch insgesamt nicht, dass ich das Buch gelesen habe, aber noch einmal würde ich es nicht lesen.Zum Schluss noch ein interessantes Zitat aus dem Buch, das erklärt wie das Känguru einst zu seinem Namen gekommen ist:"Ich hab gehört, [...] dass James Cook, der 1770 als erster Europäer ein Känguru zu Gesicht bekam, einen Aborigine gefragt haben soll ¿Was ist das für ein Tier?' - auf Englisch natürlich -, und der Aborigine antwortete ¿Känguru', weil er Cook nicht verstand und ¿Känguru' in seiner Sprache nun einmal ¿Ich verstehe such nicht' bedeutet." (S. 255/256)