Mittelmäßige Geschichte, irreführender Klappentext.
"Eruption" war ein von Michael Crichton begonnenes Manuskript, das James Patterson nun posthum vollendet hat. Wie viel der Handlung aus der Feder des Jurrasic-Parc-Autors stammt, ist mir nicht bekannt, auffällig war jedoch, dass die Geschichte in die Gegenwart, konkret den Frühling des Jahres 2025, versetzt wurde und dass Referenzen zu einem Vulkanausbruch im Jahr 2022 vorkamen.Der Schreibstil war schlicht, was in Kombination mit den kurzen Kapiteln zu einem flotten Leseerlebnis führte. MacGregor war sympathisch, jedoch keine Figur, die ich übermäßig lieben gelernt hätte. Was mich enorm störte, war der Klappentext: Worum es sich bei dem von der Army "streng gehüteten" Geheimnis handelte, erfuhr der Leser bereits im Prolog, demnach gab es keinen Grund, es auf dem Buchrücken zu verschweigen. Dies erzeugte lediglich einen falschen Eindruck von Mysteriösität, was zwangsläufig mit Ernüchterung einherging, als die Hintergründe des großen Geheimnisses nach wenigen Seiten vom Militärchef selbst gegenüber dem Protagonisten breitgetreten wurden.Es ging um ein äußerst aggressives Herbizid, ein Unkrautvernichtungsmittel, welches zusätzlich mit radioaktiven Stoffen versetzt war - bei Kontakt mit Lava drohte durch das Gelangen jener Substanz in die Erdatmosphäre das Eingehen jeglicher Pflanzen auf dem Planeten sowie das sukzessive Aussterben der Menschheit. Ungünstigerweise lagerten hunderte mit ihr gefüllte Behälter in einer alten Lavaröhre am Fuße des Vulkans.Trotz des drohenden Weltuntergangsszenarios gelang es dem Autor(enduo?), über große Strecken des Romans eher Langeweile walten zu lassen. Ich wartete geduldig auf irgendeinen Twist, der nie kam. Man verfolgte tatsächlich über mehr als vierhundert Seiten hinweg einige Wissenschaftler bei ihren Bestrebungen, sowohl Militärbasis als auch Stadt vor der bevorstehenden Eruption zu schützen.So schwierig sich dieses Unterfangen gestaltete, war die Option, die Behälter mit dem Herbizid schlicht abzutransportieren, von vornherein als in unter vier Wochen nicht realisierbar ausgeschlossen worden, weil einige der Gefäße über die Jahre Risse davongetragen hatten. Für mich als Laie klang das angesichts der Sprengladungen, Schutzwälle und Tonnen an Wassermassen, die in wenigen Tagen organisierbar gewesen waren, fragwürdig, aber eine realistische Einschätzung kann ich natürlich nicht vornehmen. Vielleicht hätte man dem Leser an der Stelle konkreter erklären können, was an der naheliegendsten Möglichkeit derart lang dauern würde.Das Herbizid wurde mehrmals als "schwarzer Tod" bezeichnet, was mich irritierte, da dieser Ausdruck eigentlich die Pest beschreibt. Ob es sich hierbei um eine unglückliche Übersetzung oder Absicht handelt, kann ich nicht beurteilen.Zumindest muss man dem Roman sein episches Finale zugutehalten. (SPOILER) Ehrlich gesagt hatte ich mit keiner gravierenden Eruption gerechnet, weshalb mich der apokalyptisch anmutende Ausbruch positiv überraschte. Straßen wurden unpassierbar, ganze Dörfer gingen in Lava unter, unzählige Menschen fanden ihren Tod. Schließlich konnte die Welt selbstverständlich gerettet werden, und das Herbizid wurde an einen anderen Ort transportiert, ohne die Öffentlichkeit von seiner Existenz zu unterrichten. (SPOILER ENDE)Fazit: "Eruption" war insgesamt leider eher eine Enttäuschung. Was die Army zu verbergen hatte, wurde auf Seite eins verkündet, gefolgt von einem mehr oder weniger wissenschaftlichen Roman über den Schutz einer Stadt vor einem bevorstehenden Vulkanausbruch. Hätte man den Leser langsam an das Geheimnis in den Tiefen des brodelnden Berges herangeführt - etwa durch die Nachforschungen eines Charakters wie Rachel aus dem Prolog, die beim ersten Austritt des Herbizids einige Jahre zuvor im botanischen Garten der Insel anwesend gewesen war -, wäre zumindest das Miträtseln als Spannungsinstrument geblieben. Ich dachte bei der Kombination von Crichton sowie einem Vulkan zum Beispiel an eine weitere Dinosauriergeschichte.Letztlich entschied ich mich für eine Drei-Sterne-Bewertung, obgleich ich zwischenzeitlich auch knappe vier Sterne in Erwägung gezogen hatte.Noch eine kleine Anmerkung: Auf Seite 120 fehlt bei "Was Sie nicht sagen!MacGregor und runzelte die Stirn" ein "dachte" oder Ähnliches. Zudem wurde "Mr" im ganzen Roman ohne, "Dr." hingegen mit Punkt geschrieben, was ich uneinheitlich fand.