Cover & Klappentext
Wegen des hohen Weißanteils mag das Cover vielleicht nicht sofort ins Auge fallen, dennoch erregt es Aufmerksamkeit. Auf den ersten Blick mutet es schlicht an, auf den zweiten besticht es durch die gut gewählten Details, die perfekt zur Story passen. Und da Ruyan, der Heiler aus dem Norden, eine tragende Rolle einnimmt, ist auch die Farbgebung stimmig.
Zugegeben, der Klappentext gibt nicht allzu viel her, daher wusste ich nicht, was mich erwartet, aber ein Gemeinschaftsprojekt dieser herausragenden Autoren kann nur neugierig machen.
Meinung
Vier neue Rekruten, einer unterschiedlicher als der andere, sind bereit, dem Orden der Ikaria beizutreten. Teilweise weil ihnen keine andere Möglichkeit bleibt und teilweise weil es die Pflicht verlangt. Denn alle drei Jahre sorgen die Nachtkrallen drei Tage lang für Tod und Verderben.
Bisher konnte sie niemand aufhalten, ganz gleich wie mutig oder stark die Krieger waren. Vielleicht bedarf es vier junger angehender Ikaria, um die Welt zu retten.
Es hätte mich zwar nicht wundern dürfen, aber die Story ist vielschichtiger als ursprünglich angenommen. Womöglich hatte ich deswegen anfangs einige Schwierigkeiten, in das Geschehen zu finden, in dessen Fokus Ruyan, der Heiler aus dem Norden, Vessaia, eine gestürzte Prinzessin aus Sonora, Fayola, eine Kriegerin der Tawaki, und Arthur, ein Adelsspross aus Varitrea, stehen. Sie sind grandios gestaltet worden. Keiner der vier bringt großartiges Heldenpotential mit. Jeder besitzt Schwächen, aber auch diverse Stärken. Doch zusammen wirken sie beinahe unschlagbar.
Der Schreibstil ist ein Traum. Er setzt auf fantastische Formulierungen und bringt die kleinen Feinheiten mit, die von Können spricht. Es gab keinerlei Stolpersteine. Allerdings ist er, passend zum Inhalt, auch anspruchsvoll. Bei dieser Story muss man dranbleiben, sonst verliert man den Anschluss. Doch das ist kein Problem, denn die Handlung nimmt einen recht schnell gefangen. Der Wechsel der Tempi sorgt für Abwechslung und die Plot-Twists für Überraschungen.
Wenn der Fokus auf vier Charakteren liegt, besteht das Risiko, dass der ein oder andere untergeht, oder nicht ausreichend Tiefe generiert werden kann. Dies ist hier nicht der Fall. Ganz gleich, wie laut oder leise die Hauptprotagonisten auch wirken, sie verlieren nichts an Präsenz. Das hat mich stark beeindruckt.
Allerdings brauchte ich ausgerechnet bei Ruyan eine Weile, um mit ihm warm zu werden, dabei liegt auf ihm im Vergleich zu den anderen der Schwerpunkt. Zumindest wird er wohl noch eine Schlüsselrolle einnehmen. Er versteckt sich hinter einer locker-leichten Art, obwohl er, wie fast alle, mehr als ein Trauma zu bewältigen hat. Er ist aber auch derjenige, der für entspanntere Szenen sorgt und mir das ein oder andere Schmunzeln abringen konnte.
Während Fayola mein geheimer Liebling ist, da sie sich durchzusetzen weiß und nichts darauf gibt, was andere von ihr halten, weckt Arthur eher Mitleid. Vessaia wiederum muss erst lernen, anderen zu vertrauen.
Zu Beginn mag die Spannung noch im Vordergrund stehen, nachdem man die Grundlagen verinnerlicht hat. Aber danach wurden weitere Emotionen deutlich. Auch die zarten, was ich kaum für möglich gehalten hätte, schließlich heißt es nicht umsonst: drei Jahre Leben, drei Tage Tod.
Der erste Teil überzeugt auf ganzer Linie und sorgt dafür, dass ich es kaum erwarten kann, wie es weitergeht.
Fazit
Der Auftakt der Ikaria-Chroniken von zwei Ausnahme-Autoren entführt den Leser in eine außergewöhnliche Welt, die genug Parallelen zur Realität aufweist, dass eine wichtige Botschaft mitschwingt. Damit sorgt sie für den berühmt-berüchtigten Nachhall, den man immer hofft zu finden, aber nur selten erlebt.
Die atmosphärische und vielschichtige Story glänzt durch überzeugende und gut gezeichnete Charaktere, die man trotz oder wegen ihrer Unterschiedlichkeit schnell ins Herz schließt. Ich persönlich kann es kaum erwarten, wie es weitergeht.
Wer bei Fantasy und magischen Kreaturen unmöglich widerstehen kann, ist hier absolut richtig.
Ich vergebe seltene fünf von fünf Sternen und eine absolute Leseempfehlung. Die Geschichte hat das Potential für ein Highlight.