Der Mädchenmaler

Empfohlen ab 14 Jahre. Originalausgabe.
Taschenbuch
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Hochspannung für Thriller-Fans: Jettes zweiter Fall!

An die Freundin ihres neuen Mitbewohners, Ilka, kommen Jette und Merle nicht wirklich heran. Dann verschwindet sie plötzlich spurlos. Die Polizei tappt im Dunkeln.
Jette beginnt auf eigene Faust zu e … weiterlesen
Taschenbuch

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Produktdetails

Titel: Der Mädchenmaler
Autor/en: Monika Feth

ISBN: 3570301931
EAN: 9783570301937
Empfohlen ab 14 Jahre.
Originalausgabe.
cbt

1. September 2005 - kartoniert - 384 Seiten

Beschreibung

Hochspannung für Thriller-Fans: Jettes zweiter Fall!

An die Freundin ihres neuen Mitbewohners, Ilka, kommen Jette und Merle nicht wirklich heran. Dann verschwindet sie plötzlich spurlos. Die Polizei tappt im Dunkeln.
Jette beginnt auf eigene Faust zu ermitteln - und kommt bald einem dunklen Kapitel in Ilkas Vergangenheit auf der Spur ...

Es ist Winter geworden und immer noch trauern Jette und Merle um ihre ermordete Freundin Caro. Vor kurzem ist Mike in ihre WG gezogen. Die beiden Mädchen haben einen Jungen als neuen Mitbewohner ausgesucht, denn für Caro gibt es ohnehin keinen Ersatz. Durch Mike lernt Jette die gleichaltrige Ilka kennen, in die Mike verliebt ist. Doch an Ilka, die bei ihrer Tante lebt, seit die Eltern bei einem Verkehrsunfall verunglückt sind, kommt er nicht wirklich heran.

Dann verschwindet Ilka plötzlich spurlos. Jette äußert der Polizei gegenüber den Verdacht, sie könne entführt worden sein - doch Kommissar Melzig glaubt ihr nicht, hält ihre Reaktion auf Ilkas Verschwinden für überspannt.

Jette beginnt, auf eigene Faust zu ermitteln, und kommt bald einem dunklen Punkt in Ilkas Vergangenheit auf die Spur: Vergeblich hatte Ilka versucht, sich aus der Umklammerung ihres älteren Bruders Ruben, eines erfolgreichen Szenemalers und einer der umschwärmtesten Typen der Stadt, zu lösen. Sie hatte den Kontakt zu ihm abgebrochen, er jedoch hat in letzter Zeit mehrfach versucht, die Beziehung zu seiner Schwester wieder aufzunehmen. Hält er den Schlüssel zu Ilkas Verschwinden in der Hand?

Jette begibt sich bei ihren Ermittlungen in größte Gefahr und nur einer kann sie retten: Melzig ...

Portrait

Monika Feth wurde 1951 in Hagen geboren, arbeitete nach ihrem literaturwissenschaftlichen Studium zunächst als Journalistin und begann dann, Bücher zu verfassen. Heute lebt sie in der Nähe von Köln, wo sie vielfach ausgezeichnete Bücher für Leser aller Altersgruppen schreibt. Der sensationelle Erfolg der »Erdbeerpflücker«-Thriller machte sie weit über die Grenzen des Jugendbuchs hinaus bekannt. Ihre Bücher wurden in mehr als 24 Sprachen übersetzt.



Leseprobe

Lautlos und ohne Licht glitt der graue Mercedes heran und blieb stehen. Es war kurz nach acht. Feiner Nebel zog seine Schleier um die Laternen. Die geparkten Wagen waren vereist. Reif lag auf den D'ern und auf den 'ten der B'e, kaum zu erkennen, eher zu erahnen.
Die Fenster der H'er sahen aus wie gelbe Augen. Der Blick dieser Augen war k'hl und unbeteiligt.
Ein Hund bellte. Eine Radiostimme drang aus einem trotz der K'e halb offen stehenden Garagentor. Eine T'r knallte zu. Entfernt war das Signal eines Notarztwagens, der Polizei oder der Feuerwehr zu h'ren. Der Rauch aus den Schornsteinen wurde zu Boden gedr'ckt. Es w'rde ein schwerer, verhangener Tag werden.
Der graue Mercedes wurde von niemandem bemerkt. Keinem fiel auf, dass ein Mann darin sa' der aufmerksam eines der H'er beobachtete. Er sa'da, dunkel und still hinter den get'nten Scheiben, reglos, wie aus Stein. Und weil ihn niemand bemerkte, war es, als w' er 'berhaupt nicht da.
*
Ilka f'hlte sich frisch und ausgeruht. Die Zwillinge hatten trotz ihrer heftigen Erk'ung durchgeschlafen und sie nicht, wie in den N'ten davor, abwechselnd durch Hustenattacken wach gehalten. Nach einem fl'chtigen Blick aus dem Fenster hatte sie sich f'r den dicken Rollkragenpulli entschieden. Er war das letzte Geschenk ihrer Mutter, und sie genoss jeden einzelnen Tag, an dem sie ihn trug. Manchmal meinte sie, noch einen Hauch von dem Parf'm in ihm wahrzunehmen, das ihre Mutter immer benutzt hatte. Doch dann sagte sie sich, dass das unm'glich war. Vielleicht hatte Tante Marei ja Recht, wenn sie behauptete, sie habe eine bl'hende Phantasie.
Der Pullover war rostrot und passte wunderbar zu Ilkas dunkelroten Haaren. Herbstm'hen hatte die Mutter sie immer genannt. Ilka hatte das Wort sch'n gefunden. Und sich selbst. Wenigstens dann und wann. Inzwischen war alles anders geworden. Das Herbstm'hen war Erinnerung. Erinnerungen aber lie'Ilka l'st nicht mehr zu.
Bevor sie das Licht ausmachte, sah sie sich pr'fe
nd um. Alles in Ordnung. Das Tagebuch war versteckt. Es lag nichts herum, was niemand finden durfte.
Ilka lief die Treppe hinunter. Tante Marei sa'vor den Fr'hst'cksresten und las Zeitung. Die Zwillinge waren in die Schule gegangen. Zwei Tage Schonzeit mussten bei einer Erk'ung ausreichen, da war Tante Marei eisern. Solange man den Kopf nicht unterm Arm trug, hatte man seine Pflicht zu erf'llen. Basta.
'Ich bin dann weg.'
Ilka schl'pfte in die Lammfelljacke. Sie hatte sie in einem Secondhandladen g'nstig erstanden und liebte sie hei'und innig.
'Willst du denn nicht fr'hst'cken?'
Manchmal hatte Tante Mareis Stimme diesen klagenden Unterton. Als w' alles, was man tat oder nicht tat, gegen sie gerichtet. Dabei war sie eigentlich eine starke, zupackende Frau. Wehleidigkeit passte gar nicht zu ihr.
'Bin sp'dran. Ich nehm mir was mit.'
Ilka inspizierte die Obstschale, entschied sich f'r zwei Bananen, verstaute sie in ihrem Rucksack und gab Tante Marei einen Kuss auf die Wange.
'Kind! Du bist so d'nn geworden!'
Tante Marei hatte Ilka den Arm um die H'ften gelegt und sah besorgt zu ihr auf. In ihrem Blick steckten viele Fragen.
'Heute Abend hau ich rein', sagte Ilka. 'Ehrenwort.'
Tante Marei sah ihr mit einem kleinen L'eln nach. Es gab Ilka einen Stich. Fast war es, als s' ihre Mutter da am Tisch.
Bl'hende Phantasie, dachte sie und wickelte sich den Schal um den Hals. Es stimmt schon. Ich sollte besser mit beiden Beinen auf dem Boden bleiben und nicht 'berall Gespenster sehen.
Sie ging durch den unaufger'ten Flur und sp'rte wieder, wie sehr sie dieses Haus liebte. Es war weder besonders sch'n noch irgendwie au'rgew'hnlich, nicht modern und nicht so alt, dass es voller Geschichten gesteckt h'e ' es war ein Haus wie viele in der Siedlung. Aber sie war darin willkommen. Das machte es zu etwas Einzigartigem. Es war ihr Zuhause, immer bereit, sie aufzunehmen und zu besch'tzen. War es nicht das, was ein Haus tun sol
lte? War es nicht das, wonach sie sich gesehnt hatte? Ruhe, Schutz und Geborgenheit. All das bekam sie durch das Haus. Hier f'hlte sie sich in Sicherheit. Zum ersten Mal seit langem.
Ilka schloss die Haust'r, sp'rte die K'e auf dem Gesicht
und sog tief die Luft ein. Das Bellen eines Hundes von irgendwoher klang wie ein Versprechen. Das Leben war sch'n. Fast war sie bereit, daran zu glauben.
Die Scheiben waren beschlagen. Das war gut so. Es hielt neugierige Blicke ab. Vorsichtig wischte Ruben mit den Fingern 'ber die Windschutzscheibe. Und da sah er sie. Atemlos beugte er sich vor.
Sie war wundersch'n. Selbst auf diese Entfernung konnte man das erkennen. Ihr Gesicht schimmerte hell im Licht der Laterne, das Haar hatte sie (achtlos, das wusste er) unter eine Wollm'tze gestopft. Er mochte es lieber, wenn sie es auf die Schultern fallen lie' Sie hatte pr'tiges Haar, das es nicht vertrug, geb'igt zu werden.
Ruben verstand nicht, warum sie ein solches Leben gew't hatte. Ein kleines, nichts sagendes Spie'rhaus, umgeben von anderen Spie'rh'ern. Wie wertlose Glasperlen an einer Schnur zogen sie sich an der Stra' entlang, eingebettet in schmale Vorg'en, in denen zurechtgestutzte Str'her vom k'hlen Licht chromfarbener Solarlampen beleuchtet wurden.
Was hatte sie verloren in einer Nachbarschaft mit gerafften T'llgardinen vor den Fenstern? Mit pedantisch aufgereihten M'lltonnen, eine schwarz, eine gelb und eine blau? Wo nichts und niemand aus der Reihe tanzte, nicht mal die gefleckte Katze da, die vor einer der T'ren h'flich, aber vergeblich um Einlass bat, statt sich woanders ein verst'nisvolleres Zuhause zu suchen?
Sein Handy klingelte. Er sah auf das Display. Die Architektin. Das hatte Zeit. Er wollte jetzt nicht gest'rt werden. Von niemandem. Er schaltete das Handy aus. Alles, jedes Ger'ch war eine St'rung, wenn er in dieser Stimmung war, an gestern dachte, an heute und an morgen.
Ilka holte ihr Rad aus der Garage. Klein und verloren s
ah sie aus im ersten grauen Licht, das 'ber die D'er kroch und sich in den kahlen 'ten der B'e verfing. Als sie an ihm vorbeiradelte, wandte er den Kopf ab. Sein Herz klopfte zum Zerspringen.
Er schloss die Augen. Allm'ich beruhigte er sich wieder. Er w'rde ihr nicht nachfahren. Das tat er nie. Er hatte es sich abgew'hnt, seinen Gef'hlen nachzugeben. K'hl und beherrscht musste er bleiben, dann w'rde alles gut werden.
Eine Weile starrte er weiter das Haus an, in dem sie wohnte. Nummer siebzehn. Ilkas Lieblingszahl. Doch das war nat'rlich Zufall gewesen. Obwohl sie es vermutlich f'r eine F'gung des Schicksals gehalten hatte. Sie vertraute gern auf das Schicksal, die Sterne oder h'here M'te.
Hinter dem K'chenfenster bewegte sich ein Schatten. Ruben presste die Z'e zusammen. Seine H'e verkrampften sich um das Lenkrad. Nein. Er durfte sich nicht gehen lassen. Es war wichtig, dass er einen klaren Kopf behielt. Seine Gef'hle hatten ihm schon so oft einen Streich gespielt. Das durfte nicht noch einmal passieren.
Ilka. Er w'rde nur an sie denken. An nichts anderes.
Ein L'eln huschte 'ber sein hageres Gesicht. Er schob die Brille zur'ck, die er zum Autofahren brauchte. Ilka. Er liebte ihren Namen. Und er war froh, dass wenigstens er ihm geblieben war. Alles andere hatte sie ihm genommen, damals, als sie 'ber Nacht verschwunden war und sich in diesem spie'gen Albtraum verschanzt hatte.
Was f'r ein Leben f'hrte sie hier? Falsch war es und verlogen. Ein Leben, das nicht z'te, weil es nicht ihr wirkliches Leben war. Sie konnte unm'glich gl'cklich sein. Das spielte sie den anderen doch nur vor.
Merkte jemand, dass sie eine Betr'gerin war? Sp'rte man es, wenn man vor ihr stand und ihr in die Augen blickte? Oder glaubten ihr die Menschen, die sie kannten?
Alle hatten Ilka stets geglaubt. Immer. Auch er selbst. Nur zum Schluss, da waren die Zweifel 'berm'tig geworden. Aber er hatte zu sp'reagiert und nichts mehr 'ern k'nnen.
Er nahm den S
chwamm aus dem Ablagefach in der T'r und wischte damit 'ber die Windschutzscheibe. Dann startete er den Motor. Langsam fuhr er los. Bis zur n'sten Ecke ohne Licht. Er w'rde seinen Fehler korrigieren. Und darauf achten, keinen zweiten zu machen.
*
Ich stopfte die B'cher in den Rucksack und sah mich noch einmal in der K'che um. Alle Ger' ausgeschaltet, Fenster zu, warum also war ich nicht l'st drau'n?
Irgendwie war ich in diesem Winter wie gel't. Es kam mir vor, als w'n all meine Bewegungen verlangsamt. Nicht eben wie in Zeitlupe, aber auch nicht weit davon entfernt. Alles strengte mich an. Ich musste aufpassen, dass ich beim Gehen die F'' hob und nicht schlurfte.
Ich hatte verschlafen. Nach dem Aufstehen war mir spei'bel gewesen. Und schwindlig. Ich hatte mich beim Duschen an der Wand abgest'tzt, um nicht hinzufallen.
Wahrscheinlich hatte ich niedrigen Blutdruck. Vielleicht kamen meine Beschwerden aber auch nur daher, dass ich ungl'cklich war. Ich hatte eine Liebe gefunden und verloren und f'hlte mich so abgrundtief allein wie niemals zuvor.
Nein. Nein! Ich wollte nicht daran denken.
Ich durfte es auch nicht. Wochenlang war ich krank gewesen und hatte mich nur m'hsam, Schritt f'r Schritt, wieder erholt. Ich durfte nicht zur'ckfallen, nicht wieder zu diesem willenlosen Etwas werden, das nur dank der ma'osen Geduld und Zuwendung von Familie und Freunden 'berlebt hatte.
Meine Mutter und Merle waren f'r mich da gewesen. Sie hatten mich abgeschirmt und besch'tzt. Auch meine Gro'utter hatte mir sehr geholfen. Sie hatte mir B'cher und CDs mitgebracht, mir vorgelesen und mit mir zusammen Musik geh'rt. Und manchmal hatte sie einfach nur bei mir gesessen und mit mir geschwiegen.
Tilo, der Freund meiner Mutter, war mir vertrauter geworden in dieser Zeit.
'Weil du dich irgendwie ver'ert hast', hatte ich zu ihm gesagt.
Er hatte den Kopf gesch'ttelt und mich angel'elt mit diesem ganz speziellen Tilo-L'eln, die Augen ein bisschen
zusammengekniffen, die Lippen beinah sp'ttisch verzogen. Das typische Psychologenl'eln, wie meine Mutter es nannte.
'Nein', hatte er gesagt. 'Du bist diejenige, die sich ver'ert hat.'
Wahrscheinlich waren wir alle anders geworden. Durch die schrecklichen Erfahrungen, die wir gemacht hatten, jeder f'r sich.
Meine Freundin Caro war ermordet worden und ich hatte mich in ihren M'rder verliebt. Merle mit ihrer Hartn'igkeit hatte mir das Leben gerettet.
Es hatte in s'lichen Zeitungen gestanden. Jeder hatte sich das Maul dar'ber zerrissen. Es war nicht mehr Caros, Merles und meine Geschichte gewesen. Pl'tzlich hatte sie jedem geh'rt. Sogar auf der Stra' hatten die Leute dar'ber gesprochen. Sie taten es immer noch.
Aufh'ren! Nicht weiterdenken.
Manche Tage 'berlebte ich nur dadurch, dass ich jede Erinnerung an damals verdr'te. Dadurch, dass ich meinen Kopf leer machte und keinen Gedanken zulie' der mich beunruhigen konnte.
Ich sollte nicht alles so schwer nehmen. Es gab einfach diese Tage, an denen alles schief ging, an denen schon der Morgen falsch begann. Das hier war so ein Tag.
Drau'n schlug mir die K'e ins Gesicht. Ich beschloss, den Wagen zu nehmen. Obwohl er aussah wie aus der Gefriertruhe gezogen. Das bedeutete mindestens f'nf Minuten Kratzen und war nicht gerade dazu angetan, mein Wohlbefinden zu steigern.
Die Pulsw'er, die meine Gro'utter mir zu Weihnachten geschenkt hatte, waren schon nass, und die Windschutzscheibe war immer noch zur H'te vereist. Ich merkte, dass ich kaum Kraft in den Fingern hatte, und w' am liebsten umgekehrt.
Weichei, sagte die l'ige, vorwurfsvolle Stimme in mir, die sich immer dann meldete, wenn mir nach Jammern zumute war. Hast du dich nicht lang genug im Bett verkrochen?
Wochenlang, ja. Ganz allm'ich erst steckte ich die Nase wieder in die Luft.
Vielleicht war meine Schw'e aber auch gar kein Zeichen f'r einen R'ckfall. Vielleicht br'tete ich blo'eine Erk'ung aus und war deshalb
so wacklig auf den Beinen. Oder das Fr'hst'ck fehlte mir. Ich bin nicht der Typ, der auf n'chternen Magen eine Tasse Kaffee runtersch'ttet, aus dem Haus st'rmt und fit ist f'r den Alltag mit seinen T'cken. Ich brauche mein finnisches Kn'ebrot, meinen K' und meinen Tee, um den Menschen und mir gewachsen zu sein. Vor allem mir.
Im Auto war es genauso kalt wie drau'n, jedenfalls kam es mir so vor. Wei'str'mte der Atem aus meinem Mund. Das Lenkrad f'hlte sich an, als w' es aus Eis.
'Bitte! Spring an!', flehte ich und versuchte, den Motor zu starten. Beim f'nften Mal gelang es mir. Ich schnallte mich an und fuhr los.
Ich machte das Radio an und drehte die Heizung auf die h'chste Stufe. Meine Schultern waren so verkrampft, dass ich kaum schalten konnte. Ein stechender Schmerz kroch mir in den Nacken und von da aus in den Kopf.
Es d'erte. Die kahlen B'e standen schwarz vor dem unmerklich hell werdenden Himmel. Ihre 'te und Zweige waren wie Scherenschnitte, die man gegen das Licht h'.
Sch'n. Wundersch'n.
Wie schnell war man tot, wenn man mit hundert gegen einen Baum prallte? Sp'rte man noch Schmerzen oder war es sofort aus? W'rde es auch f'r mich eine Lichtgestalt geben, die mich abholte?
Caro.
Ich durfte nicht so denken. Ich musste mich ablenken. Ich hatte schon viel zu viel Zeit mit dem Tod verbracht.
Caro. Wo war sie jetzt? Ging es ihr gut?
Beim Kreisel kehrte ich um. Meine Kraft reichte nicht aus f'r einen langen Vormittag in der Schule. Ich brauchte Ruhe. Und Schlaf. Damit ich aufh'ren konnte mit diesen Gedanken, die mich seit damals qu'en.
Damals. Als alles aufgeh'rt hatte.


?


Ruben hatte sich mit der Architektin verabredet und war auf dem Weg zu ihr. Sie traf keine wichtige Entscheidung, ohne sich vorher mit ihm zu beraten. Es war nicht leicht gewesen, sie zu erziehen. Anfangs hatte sie ganz die erfolgreiche Gesch'sfrau raush'en lassen, die ihre Schritte nicht zur Diskussion stellte. Abe
r er hatte ihr klar gemacht, dass er es war, der sie bezahlte. Irgendwann hatte sie es begriffen. Geld war letztlich immer ein unschlagbares Argument. Was w'rde er nur tun, wenn er keins h'e? Ihn fr'stelte und er stellte die Heizung h'her. Er bes' nicht diesen Wagen, nicht das Haus, in dem er lebte, er h'e das ganze Projekt nicht starten k'nnen. Manchmal war ihm danach, auf die Knie zu fallen und den G'ttern zu danken. F'r sein Talent. Und f'r das Gl'ck, das ihm den Weg nach oben geebnet hatte.
Vor allem aber war er f'r die reichen Pinkel dankbar, die so auf seine Bilder abfuhren, dass sie die neuen schon kauften, bevor die alten richtig getrocknet waren. Ruben Helmbach war Kult. Und die gesamte Szene balgte sich dankbar um die Brocken, die er ihnen hinwarf.
Dass er sich selten zeigte, nahm man ihm nicht 'bel. Im Gegenteil. Es machte ihn erst recht interessant. Ein gewisses Ma'an Menschenscheu war gut f'r die Legende, die sich um ihn zu ranken begann.
Sein Erfolg nahm groteske Formen an. Neulich hatte ihm die Frau eines Fabrikanten sogar Geld f'r seine farbverschmierte Palette geboten. Demn'st w'rden sie ihm noch die ausgedienten Pinsel aus der Hand rei'n und sie als Skulpturen in ihre Wohnzimmer stellen.
Ruben dachte an die Kollegen, die fast alle einen festen Job hatten, der ihnen die Malerei finanzierte. Die sich Blasen liefen, um eine Galerie zu finden, die ihre Bilder ausstellte. Die jahrelang an Kunsthochschulen studiert hatten.
Anders als sie war Ruben Autodidakt. Zwar hatte er bei Emil Grossack gelernt und bei Elisabeth Schwanau, aber die hatten ihn privat unterrichtet. Ruben konnte keine Urkunde, kein Zeugnis, kein Examen vorweisen. Er hatte nur seine Begabung.
Dar'ber hatte er sich jedoch noch nie den Kopf zerbrochen. Es war einfach so gekommen. Er war schon ein gefragter Maler gewesen, bevor sich die Frage nach einem Studium 'berhaupt gestellt hatte.
Die Malerei war alles f'r ihn. Oder doch beinahe alles. Was ihm feh
lte, um wirklich gl'cklich zu sein, war Ilka, das M'hen, das er liebte. Sein M'hen.


?


Mike sah, wie sie das Fahrrad abstellte, und sein Herzschlag spielte verr'ckt. Er war in Ilka verliebt, seit er ihr zum ersten Mal begegnet war. Damals war sie aus dem Zimmer der Schulleiterin gekommen und hatte sich bei ihm nach dem Weg in den Musiksaal erkundigt.
Ihre Stimme. Sie war wie ein Blitz in seinen Kopf gefahren und hatte sich dort eingenistet. Er war sie nicht mehr losgeworden. Er hatte es auch gar nicht gewollt.
Aber er liebte nicht nur ihre Stimme. Er liebte auch ihr L'eln, das immer noch sch'chtern war und so, dass er wer wei'was getan h'e, um es zu besch'tzen. Er liebte alles an ihr. Die Gr'bchen, die neben den Mundwinkeln sichtbar wurden, wenn sie lachte. Ihre Augen, die braun waren, mit bernsteinfarbenen Sprenkeln. Ihre schmalen H'e. Und nat'rlich ihr Haar. Noch nie hatte er so sch'nes Haar gesehen.
'Hi.' Ilka stellte sich auf die Zehenspitzen und gab ihm einen Kuss auf die Wange.
Mike h'e sie zu gern an sich gezogen, ihr die M'tze abgestreift und das Gesicht in ihrem Haar vergraben. Es war so weich. Und es duftete so gut. Stattdessen stupste er mit dem Zeigefinger ihre Nase an. 'Hi.'
'Wie ist es gelaufen?' Sie zog die M'tze ab und sch'ttelte ihr Haar aus.
'Ich hab heute Nachmittag einen Besichtigungstermin.'
'Prima!' Sie strahlte ihn an und dr'ckte seinen Arm.

Monika Feth - Der M'henmaler - cbt




4/5




Pressestimmen

"Jugendliche Krimileser mit einer Vorliebe für realistische Alltagsschilderungen und psychologischen Hintergrund, wie wir sie in den Krimis aus Skandinavien kennen, finden in diesem Roman alles, was auch in Krimis für Erwachsene fasziniert: Außergewöhnliche Charaktere und einen Spannungsbogen, der auch dann noch fesselt, als die Leser längst begriffen haben, wer der Mörder ist. Ein ungewöhnlich gelungener Kriminalroman mit drei jugendlichen Heldinnen im Mittelpunkt."


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