Leicht harziger Einstieg, am Ende ein neuer Liebling. Märchenhaft aber erwachsen, nicht unerträglich brutal
Handlung:Ein mächtiger Magier beschützt eine von Polen und der Renaissance inspirierte Fantasy-Welt vor einem bösartigen Wald. Aus unbekannten Gründen entführt der Magier, der Drache genannt, alle 10 Jahre ein siebzehnjähriges Mädchen in seinen Turm. Die Mädchen tauchen nach jeweils 10 Jahren zwar unbeschadet, gebildet und reich, aber komplett entfremdet wieder auf. Der englische Originaltitel "uprooted" (= entwurzelt) passt besser als der etwas vorgreifende deutsche Titel.Der Wildfang Agnieszka gehört einem dieser "verfluchten" Mädchen-Jahrgänge an, rechnet aber nicht damit, vom Magier ausgewählt zu werden. Wenig überraschend geschieht dann genau das, aber Agnieszka nimmt wider Erwarten eine wichtige Rolle im Kampf gegen den Wald ein.Meinung:Es hat ein paar duzend Seiten gebraucht, bevor ich mich begeistern konnte, dann aber so richtig.Die Antiheldin: "Ich bin nichts Besonderes und unwahrscheinlich tollpatschig, trotzdem bin ich die Auserwählte"Der Antiheld: "Ich bin düster und missmutig, aber eigentlich nur verletzt und tief im Innern Gut"Als ich mich tiefer in der Story befand und sich die beiden Hauptfiguren besser kannten, hat sich mein Frust über diese Klischees gelegt, und mir hat die Dynamik zwischen den beiden, aber auch zwischen anderen Charakteren, schliesslich sogar aussergewöhnlich gut gefallen.Die Anziehung zwischen den beiden Hauptfiguren, aber auch die Innige Beziehung zwischen Agnieszka und ihrer Kindheits-Freundin Kasia, hat mich richtig gerührt und mich mehr als alles andere zum Weiterlesen angespornt.Wie bei vielen Romanen fand ich es merkwürdig, dass die Protagonistin eine 17-Jährige darstellen soll, dann aber die emotionale Reife einer Frau mittleren Alters besitzt.Das ist aber leider gang und gäbe in der Fantasy-Welt. Dass der Magier über hundert Jahre alt ist, macht die romantische Entwicklung zwischen den beiden halt auch nicht besser - auch hier: leider nichts Neues in der Roman-Welt.Trotz des tiefen Alters der Protagonistin würde ich das Buch der Erwachsenenliteratur zuordnen. Es passieren teils sehr brutale Dinge (Kriegsgeschehen, Mordanschläge, versuchte Vergewaltigung), aber man hält eine gewisse Distanz oder es kommt dann doch nicht zum Schlimmsten.Es handelt sich nicht um voyeuristischen Splatter oder um "Smut". Es gibt aber zwei kurze, dafür sehr erotische Stellen im dicken Schunken.Ich war überrascht, dass die Handlung dann doch aktionsgeladener war, als es der Anfang hätte vermuten lassen, und die Hauptstadt des Landes eine ebenso grosse Rolle gespielt hat wie der Turm des Magiers und der Dunkle Wald.Trotz der Macken war ich beim Zuklappen dann doch sehr zufrieden.Ich habe mir vom Cover eine Art verspieltes aber düsteres Märchen erhofft, und diese Erwartung wurde erfüllt.Wer auf Waldhexen und Verwunschenes steht, kommt besonders auf seine Kosten.Ich finde es richtig schade, dass die Story abgeschlossen ist und wohl auch keine Fortsetzung zu erwarten ist, denn die Welt und ihre Bewohner sind mir ans Herz gewachsen.Für mich eine absolute Wiederentdeckung der Autorin, nachdem ich Jahre zuvor als Teenie die ersten Bände der Temeraire-Serie gelesen habe.