Klischees aus der Welt der Privilegierten, aber gut verpackt
Nele Neuhaus habe ich als Krimi-Fan spät entdeckt, wohl auch, weil ich zum Taunus als Ort der Geschehnisse keine Verbindung habe. Angefangen habe ich mit ihrem letzten Buch, dann habe ich mich chronologisch zurückgelesen - ihr erstes Buch ist mein letztes Buch. Handlung unterm Summenstrich: Ein Oberstaatsanwalt mit Ambitionen erschießt sich, eine hübsche Frau mit zweifelhaftem Ruf stürzt von einem Aussichtsturm. Oder? Selbstmord - oder Mord? Die hübsche Isabel hinterlässt etliche Liebhaber, eine kleine Tochter und einen netten Mann. Gearbeitet hat sie für ein Gestüt, das quasi das Sylt unter den hessischen Gestüten ist. Hier geht es nicht um Pferdeliebe, sondern ums Sehen und Gesehen werden, und schon schnell wird das Gestüt der Dreh- und Angelpunkt des Romans.Wer Spaß an den "Desperate Housewifes" hatte, wird sich auch im Sumpf des Gestüts behaglich suhlen. Das klingt böse, aber es werfe diejenige den ersten Stein, die im Wartezimmer nicht nach der GALA greift, um sich mit Klatsch & Tratsch vorzüglich unterhalten zu lassen. Und genau das gelingt dem Roman: eine sehr gute Unterhaltung. Selbst ich, die weder mit dem Taunus noch mit Gestüten viel am Hut hat, habe das Buch locker weggelesen. Dabei war es mir weniger wichtig, wer Isabel und den Staatsanwalt auf dem Gewissen hat, und mehr, was mit der kleinen Tochter passiert, ist sie doch die so ziemlich einzig Unschuldige im Labyrinth der Eitelkeiten, Eifersüchteleien und Machtspielchen. Trotzdem gefallen mir die späteren Bücher besser. "Muttertag" ist ein Highlight, ebenso "Böser Wolf" und "Monster".