Ich muss sagen, dass dieses Stück mich wirklich umgehauen hat, auch als ich es jetzt zum dritten Mal gelesen habe. Es hat mich bewegt in den Teilen, wo es ins Empfinden ging, amüsiert, wenn die Figur herrlich schwadroniert und nachdenklich gestimmt, wo es leise und betrachtend wird.Ein Monolog hat eigentlich nicht viel mit Theater zu tun. Er ist kein Spiel, ist ehrlich, direkt und nah - vor allem bei Süskind, wo der Monolog nicht (wie bei Thomas Bernhard oder Shakespeare) in höhere Sphären, gegen Sinn und Verzweiflung anformulierend, zu sprechen strebt. Es ist ein ungemein ehrlicher und, ja, menschlicher Ausdruck, ein langsames sich herausstellen der Figur und ihrer Persönlichkeit, des inneren Zusammenhalts ihres Lebens.Und so viel wird darin aufgegriffen - von der Unmöglichkeit der Liebe, über das Leistungsverhältnis in der Gesellschaft, die Eintracht und die Zwietracht in der Musik, der Hype, Genie und Verkommenheit, Glück und Unglück und ihre schwer zu durchleuchtenden Umstände. Das alles wird nicht ausgewalzt und psychologisiert, sondern spiegelt sich, hier wiederum nach bester Theatermanier, in der Figur des monologisierenden Bassisten selbst, in seinen Erlebnisschilderungen und Erläuterungen, der ganz eigenen Kragenweite seiner Aussagen.Für mich ist der Kontrabass nach wie vor eines der besten Stücke modernen Theaters, als Aufführung, aber auch ohne Verlust zum selber lesen. Auf der Liste der Theaterstücke, die man im Leben einmal LESEN sollte, steht dieses Werk ganz oben. Süskind beweist in jedem seiner Bücher einen Sinn für Außenseiter, aber nie war uns das Außenseitertum so sympathisch und nah, wie im Monolog des Orchestermusikers mit dem sperrigen Instrument.