Meine Rezension betrifft nur den ersten Band.Grandios, spannend, atmosphärisch dicht, aber ein philosophisches und kein Jugendbuch für mich.
Der goldene Kompass hat mich mit seiner Mischung aus Abenteuer, philosophischer Tiefe und moralischer Komplexität überrascht und begeistert. Es lag viel zu lange auf meinem SuB, weil ich dahinter eine eher kindliche Jugendbuch-Geschichte vermutet habe. Auch, dass es inzwischen zu den amerikanischen "banned books" gehört, wundert mich nun nicht mehr, auch wenn sich die Kirchenkritik im ersten Band wahrscheinlich sogar noch zurückhält.Besonders das Ende hat mich stark beschäftigt: Die Verbindung zwischen der zentralen Materie "Staub", Bewusstsein und der Idee der Erbsünde eröffnet eine faszinierende Art Gegenmythologie, die weit über klassische Fantasy hinausgeht. Gleichzeitig werfen die Entscheidungen der zentralen menschlichen Erwachsenen hier schwierige Fragen auf. Ich finde es beeindruckend, wie Pullman zeigt, dass auch der Kampf für Freiheit und Erkenntnis gefährlich werden kann, wenn er ohne Empathie geführt wird.Und die Protagonistin Lyra selbst ¿ mutig, impulsiv, moralisch beweglich ¿ bildet den Gegenpol zu den starren Weltbildern der Erwachsenen.Daneben gibt es im Buch viel Kinderwelt, originelle Wesen, verschiedene "Völker" und ihre Eigenheiten, Magie, eine Prophezeiung und Spannung pur. Figuren wie den Eisbären, die man nie mehr vergisst, aber auch interessante Nebenfiguren, wie den Ballonfahrer, die nur kurz erscheinen und sich dennoch einprägen. Die interessanteste Idee ist die der "Tierdaemonen", die eine weitreichende Bedeutung haben. Und ein besonderes Merkmal der Geschichte ist dabei sicher: Die Figuren sind nie schwarzweiß, sondern bis hin zur Protagonistin angenehm "grau", der Text wirft mehr Fragen auf als Antworten, und dabei kann man dem Autor trotzdem trauen, dass es Erklärungen gibt und einen interessanten Schluss.Gerade die genannten Ambivalenzen machen das Buch für mich so stark: Es ist nicht nur gut lesbar, unterhaltsam & spannend, sondern fordert ständig dazu auf, über Macht wie Moral, Freiheit und Verantwortung und das Erwachsenwerden nachzudenken. Für ein angebliches Jugendbuch ist das eine erstaunliche Tiefe, und genau das machtDer goldene Kompass für mich zu einem besonderen Leseerlebnis.Fazit: Absolut lesenswertes wie spannendes Buch, das ich persönlich allerdings nicht vor dem 15. Lebensjahr empfehlen würde, eher überhaupt für Erwachsene