Hat mir gut gefallen, auch wenn ich manches nicht ganz nachvollziehen konnte
Auf dieses Buch war ich sehr gespannt, weil mich die Geschichte wirklich neugierig gemacht hat. Auch das etwas andere Cover fand ich interessant. Ich habe das Buch wirklich gern gelesen, aber es sind zwei Sachen, die mich irritiert haben. Zehn Jahre nach den Ereignissen wurde dieses Buch erst verfasst. Und da frage ich mich dann, was ist von den Gedanken damals übriggeblieben, bewertet man sie als Autorin dann mit der Erfahrung dieser zehn Jahre nochmal neu? ... zumal die Autorin ja erst Anfang 20 war, als das alles passiert ist, und da sind zehn Jahre dann schon eine enorme Zeitspanne. Was mich außerdem gestört hat, ist, dass sie den beiden Personen, mit denen sie hauptsächlich in der Wildnis Kanadas unterwegs war und offensichtlich auch so prägend, nicht dankt, während im Nachwort viele Leute erwähnt wurden. Auch wenn es vielleicht schwierig geendet hat, hätte ich das schon erwartet - zumal sie ja unbedingt mit auf diese spezielle Reise wollte. Ich möchte nicht bewerten, wie die Beziehung zwischen den beiden wirklich war, und ob er seine starke Position gegenüber einer so jungen Frau ausgenutzt hat - ja, vermutlich ist das so und vor allem in der Nachschau dann schwer zu ertragen -, aber sie ist freiwillig mit in die Wildnis gegangen, wollte das unbedingt, hat andere Pläne dafür sausen lassen und sagt, wie wichtig es für sie war ... Das hat mich etwas verwirrt zurückgelassen. Aber vielleicht war sie selbst damals nicht in der Lage, einen klaren Schlussstrich zu ziehen und einfach zu gehen - so wie sie es vorher durchaus gemacht hatte. Sara Püttners Verhalten, vor allem im Bezug auf Männer, konnte ich nicht immer nachvollziehen.So oder so fand ich das Buch gut zu lesen. Die Geschichte der Autorin ist interessant und sicherlich machen viele Menschen ähnliche Erfahrungen, zumindest was die Zerrissenheit und Unsicherheit beim Aufwachsen und Erwachsenwerden betrifft. Gut gefallen haben mir die Ehrlichkeit und die tiefen Einblicke, die sie zum Teil gewährt. Aber vor allem auch die Naturerlebnisse haben mich sehr berührt. Die Auseinandersetzung mit der eigenen Endlichkeit, Leben und Tod, Sterben, das Töten und Essen von Tieren und die Frage, warum man tut, was man tut, fand ich spannend und regen zum Nachdenken an. Die Schilderungen der Natur, der Landschaft, der Tierbeobachtungen und Wanderungen, des Lebens unterwegs und im Camp haben mir sehr gefallen. Besonders toll sind die Illustrationen, die die Autorin selbst gezeichnet hat. Davon hätte ich gerne noch viel mehr gesehen!