Eine Wendung jagt die nächste! Fitzek hat mich von der ersten Seite an gefesselt, auf falsche Fährten geführt und immer wieder überrascht.
Fitzek hat es mal wieder geschafft, mich von der ersten Seite an zu fesseln. ¿Passagier 23¿ war für mich ein richtiger Pageturner, bei dem ich ständig mitgerätselt habe und das Buch am liebsten gar nicht mehr aus der Hand legen wollte. Kaum dachte ich, ich hätte die Zusammenhänge einigermaßen durchschaut, kam die nächste Wendung und plötzlich sah wieder alles ganz anders aus. Besonders faszinierend fand ich das Setting auf einem Kreuzfahrtschiff. Ein riesiges Schiff mitten auf dem Meer, Tausende Menschen auf engstem Raum und gleichzeitig so viele Möglichkeiten, unbemerkt zu verschwinden. Allein diese Vorstellung fand ich schon ziemlich beklemmend. Interessant waren für mich auch die rechtlichen Rahmenbedingungen auf hoher See, die der Geschichte noch einmal eine ganz eigene Dimension geben. Fitzek hat hier meiner Meinung nach einen wirklich gelungenen Schauplatz gewählt, der nicht nur als Kulisse dient, sondern einen wesentlichen Teil der Spannung ausmacht.Auch Martin als Protagonist hat mir sehr gut gefallen. Seine tragische Vorgeschichte begleitet einen praktisch durch das gesamte Buch und ich hatte sie beim Lesen ständig im Hinterkopf. Umso interessanter fand ich es, nach und nach mehr über ihn und seine Vergangenheit zu erfahren. Er ist sicherlich kein einfacher Charakter, aber gerade seine Entschlossenheit und die Tatsache, dass er sich mit vollem Einsatz in die Ermittlungen stürzt, haben ihn mir sympathisch gemacht.Was die Spannung betrifft, kann ich mich eigentlich kaum beschweren. Fitzek versteht es einfach, einen immer wieder auf falsche Fährten zu führen. Manche Entwicklungen habe ich tatsächlich kommen sehen, andere haben mich dagegen völlig überrascht. Besonders gut gefallen hat mir, dass sich hinter dem eigentlichen Rätsel um das verschwundene Mädchen noch eine wesentlich tiefere und ziemlich erschütternde Thematik verbirgt. Aber genau das schätze ich an Fitzeks Büchern: Hinter den teilweise ziemlich abgedrehten Geschichten stecken häufig gesellschaftliche Themen und menschliche Abgründe, mit denen man sich sonst vielleicht gar nicht so intensiv beschäftigen würde.Allerdings kann ich durchaus verstehen, wenn andere Leser die Geschichte stellenweise als zu unrealistisch oder sogar absurd empfinden. Einige Wendungen sind schon ziemlich weit hergeholt und man muss definitiv bereit sein, sich darauf einzulassen. Auch die Menge an Überraschungen könnte für manche irgendwann etwas zu viel des Guten sein. Mich persönlich hat das aber nicht gestört. Im Gegenteil, ich hatte einfach unglaublich viel Spaß daran, immer wieder neue Vermutungen aufzustellen und kurz darauf festzustellen, dass ich doch wieder auf dem Holzweg war.Ein kleiner Kritikpunkt bleibt für mich allerdings das Ende. Nicht, weil es mir grundsätzlich nicht gefallen hätte, sondern weil ich das Gefühl hatte, dass noch einige Fragen offenbleiben. Tatsächlich hätte ich nach der letzten Seite am liebsten direkt einen zweiten Band angefangen, um zu erfahren, wie es weitergeht. Einerseits finde ich es schön, wenn eine Geschichte noch ein bisschen nachwirkt und nicht jede Kleinigkeit erklärt wird. Andererseits hätte ich mir bei manchen Punkten einfach noch etwas mehr Aufklärung gewünscht.Mein Fazit: ¿Passagier 23¿ ist für mich ein rundum gelungener Psychothriller, der vor allem durch sein ungewöhnliches Setting, den enormen Spannungsbogen und die zahlreichen Wendungen überzeugt. Ja, die Handlung ist teilweise ziemlich konstruiert und sicherlich nicht immer realistisch. Aber ganz ehrlich, solange mich ein Buch so sehr fesselt, dass ich kaum aufhören kann zu lesen, kann ich darüber hinwegsehen. Ich habe von Anfang bis Ende mitgerätselt, wurde mehrfach überrascht und hätte am liebsten noch weitergelesen. Von mir gibt es deshalb trotz kleiner Kritikpunkte volle fünf Sterne und eine klare Leseempfehlung!