Die Kurzgeschichten-Sammlung "Nachtschicht" von Stephen King ist 1984 erstmals in Deutschland im Heyne-Verlag erschienen und umfasst 416 Seiten. Insgesamt 20 Kurzgeschichten beinhaltet der Roman, wobei er mit einem Vorwort von Stephen King erstmalig beginnt. "Nachtschicht" beinhaltet sowohl übernatürlichen als auch alltäglichen Horror. Briefe aus Jerusalem (5 von 5 Sterne)Briefe aus Jerusalem wird auch als Prolog von Salem's Lot bezeichnet. Es handelt sich um den Briefaustausch zwischen Charles Boones und seinem Freund Bones. Dieser erbt das Anwesen Chapelwaite, in dem er mit der Zeit immer mysteriösere Vorkommnisse erlebt. Die Stimmung ist herbstlich, düster und die Verzweiflung baut sich immer mehr auf. Sie enthält u.a. Anspielungen an H.P. Lovecraft und Bram Stoker. Der bildhafte Schreibstil und das furiose Finale haben mich mitgerissen.Spätschicht (5 von 5 Sterne)In dieser Kurzgeschichte müssen Arbeiter das Untergeschoss einer Spinnerei nachts reinigen und stoßen dabei auf ungebetene Gäste. Sie ist in Tage gegliedert, wobei sich die Spannung mit jedem Tag steigert. Die bildhaften Beschreibungen lassen einen sofort mit in dem Keller kriechen und man zuckt bei jedem Geräusch zusammen. Ich war sehr begeistert von der Idee!Nächtliche Brandung (3,5 von 5 Sterne)"Und dazu die Brandung, die nächtliche Brandung, die Schaumwolken vor sich hertrieb und, so weit unser Auge reichte, in endlosen Attacken gegen die Landzungen anrannte." (S. 83)In "Nächtliche Brandung" ("Night Surf") feiern Jugendliche eine letzte Strandparty, während ein Super-Virus rumgeht und die Menschheit auslöscht. Thematisch befasst sie sich mit dem Virus "Captain Trips" aus "The Stand - das letzte Gefecht". Man muss zwangsläufig bei der Grippe aus Süd-Ost Asien an Corona denken; die Stimmung der Kurzgeschichte ist nachdenklich und melancholisch. Es passiert nicht sonderlich viel, dennoch mochte ich den Endzeit-Charakter. Wie das Meer spült der Virus über die Menschen hinweg und hinterlässt die Erde sauber und gereinigt von der Menschheit. Ich bin das Tor (4 von 5 Sterne)Arthur kehrt von einem Raumfahrtprogramm heim, an dem er und sein Kollege Cory teilgenommen haben. Auf seiner Veranda erzählt er Richard von dem Flug zur Venus. Wenn ich die Kurzgeschichte mit drei Worten beschreiben würde, wären es merkwürdig, übernatürlich und Science-Fiction. Der Wäschemangler (3 von 5 Sterne)In "der Wäschemangler" geht es um einen Wäschemangler (wer hätte es gedacht), in dem es spuckt. Ein Dämon hat sich in seinem Inneren festgesetzt und terrorisiert nun alle Menschen, die seinen Weg kreuzen. Ich mochte die Aspekte des Exorzismus sowie die Brutalität der Maschine, ansonsten bin ich aber kein großer Fan davon, wenn King Alltagsgegenständen ein böses Leben einhaucht. Das Schreckgespenst (4 von 5 Sterne)Das Schreckgespenst kennt wohl jeder unter dem Namen "The Boogeyman". Lester Billings kommt zu dem Psychiater Dr. Harper, nachdem seine drei Kinder eines rätselhaften Todes gestorben sind. Dort trifft er auf etwas Böses. Ich mochte an der Geschichte, dass ich mir nie sicher war, ob ich mehr Angst vor Billings oder dem Boogeyman habe. Menschlicher Horror vom Feinsten. Graue Masse (5 von 5 Sterne) - mein heimliches HighlightEin Junge holt jeden Tag Bier für seinen alkoholkranken Vater. Bis sich dieser durch den Genuss eines schlechten Bieres in einen grauen Schleimklumpen verwandelt...Draußen tobt der Wintersturm, drinnen der monströse Vater. Body Horror, der alle Gerüche eindrücklich beschreibt und ein offenes Ende enthält. Ich habe jede Seite geliebt!Schlachtfeld (3 von 5 Sterne)John Renshaw erhält ein Paket, dessen Inhalt ihm das Fürchten lehrt! Ein kreativer Rachefeldzug. Insgesamt spannend, aber wenig Inhalt. Lastwagen (3 von 5 Sterne) In "Lastwagen" sind alle größeren Fahrzeuge verrückt geworden und unterwerfen die Menschheit. Die Kurzgeschichte konzentriert sich auf eine Gruppe von Menschen, die in einer Raststätte in der Falle sitzt. Das Kammerspiel enthält die moralische Frage, ob man sein Leben für einen Fremden aufs Spiel setzen würde. Ich nehme sie außerdem als Kritik an der zunehmend betonierten Welt wahr. War ganz nett, aber nichts Außergewöhnliches. Manchmal kommen sie wieder (4 von 5 Sterne) Der Englischlehrer Jim Norman entdeckt einen neuen Schüler in der Klasse, der wie der Junge aussieht, der seinen Bruder als Kind erstochen hat. Die Kurzgeschichte enthält Anspielungen an "Herr der Fliegen" und "Von Mäusen und Menschen". Sie ist lang und in viele Absätze unterteilt. Das Ende hat mir gefallen, der Protagonist kam mir vor wie ein Jammerlappen. Erdbeerfrühling (4 von 5 Sterne) In der Kleinstadt New Sharon sterben 1968 mehrere Mädchen an einem College. Dies geschieht im Erdbeerfrühling, der sich alle 8 bis 10 Jahre wiederholt. Ich mochte die College-Geschichte und den Aspekt des Serienkillers. Die Geschichte har mich an die Morde von Jack the Ripper erinnert. Mir ist aufgefallen, dass in dieser Geschichte ebenfalls die Rede ist von einer asiatischen Grippe. Der Mauervorsprung (3,5 von 5 Sterne) Der Tennisprofi Stan Norris wird von Cressner aufgefordert, ein Gebäude im 43. Stock auf einem 25 cm breiten Mauervorsprung zu umrunden. Der Wetteinsatz ist hoch: das gesamte Geld und Cressners Frau stehen auf dem Spiel. Ich mochte die Prämisse der Geschichte und die Boshaftigkeit von Cressner, ansonsten blieb die Story nicht lange im Gedächtnis. Der Rasenmähermann (3,5 von 5 Sterne)Harold Parkette hat etwas gegen Rasenmäher, weshalb er den "Rasenmähermann" für den Job engagiert. Dieser jagt ihm jedoch einen gehörigen Schreck ein, als er von seinen Methoden zur Rasenkürzung Wind bekommt... Die Geschichte ist wirr und übernatürlich, aber auch kreativ und witzig. Ich war mir am Ende nicht sicher, ob ich sie wirklich verstanden habe. Quitters, Inc. (5 von 5 Sterne)Dick Morrison besucht die Nonfumos Ges., die ihm das Rauchen abgewöhnen soll. Er erhofft sich eine Wirkung wie bei seinem Bekannten Jimmy Mc Cann, der seit dem Entzug erfolgreicher denn je ist. Die Quitters Inc. arbeitet mit fragwürdigen, aber effektiven Methoden, die der Geschichte eine boshafte Freude geben. Ich mochte die geschichtlichen Aspekte und habe sie gerne gelesen. Ich weiß, was du brauchst (3 von 5 Sterne)Mit Elisabeth folgen wir endlich mal einer Protagonistin, die einen rätselhaften Verehrer hat. Sie verliert ihren Verlobten auf tragische Art, weshalb der Weg nun frei für Edward Jackson Hamner ist. Er scheint stets zu wissen, was Elisabeth braucht...Ich mochte die Idee, fand die Geschichte aber recht lang gezogen. Kinder des Mais (5 von 5 Sterne)"Children of the Corn" ist eine bekannte Kurzgeschichte Kings, in der eine Gruppe von Kindern rund um eine hinterwäldlerische Stadt ihr Unwesen treibt und arme verlorene Seelen an den Mais-Gott opfert. Ich mochte die Idee und die Kompromisslosigkeit der Kinder sehr. Ihr religiöser Wahn ist furchterregend und die trostlose, leere Gegend zusätzlich ein Gruselfaktor. Maisfelder waren mir schon immer suspekt. Die letzte Sprosse (4 von 5 Sterne)Bei dieser Kurzgeschichte handelt es sich weniger um Horror, eher um eine Erzählung einer tragischen Lebensgeschichte. Larry erhält einen Brief von seiner Tochter Katrina, die auf ihre Kindheit zurückblickt. Ich fand, das Ende passte nicht zur restlichen Geschichte, trotzdem hat mich die Lebensgeschichte berührt. Der Mann, der Blumen liebte (4,5 von 5) Im Frühjahr 1963 geht ein Mann Blumen einkaufen. Mehr möchte ich von der Kurzgeschichte gar nicht verraten, da sie einen Twist hat. Mich hat die Geschichte voll abgeholt, ich mochte die Stimmung, die Wendung und das Ende. Sehr empfehlenswert. Einen auf den Weg (keine Wertung)Diese Kurzgeschichte habe ich bisher nicht gelesen, da ich vorher Salem's Lot beenden möchte. Sie wird als Epilog gehandhabt. Die Frau im Zimmer (4,5 von 5) Eine krebskranke Frau in Zimmer 312 wird von ihrem Sohn besucht, der es nicht schafft, nüchtern zu bleiben. Die Geschichte handelt vom alltäglichen Horror, der mich regelmäßig das Fürchten lehrt und den King perfektioniert hat. Ein gelungener Abschluss.