Gerade habe ich ¿Darjeeling Pur` von Tami Weissenberg gelesen und ich fühle mich noch immer ganz unwohl. Das Buch erzählt die Geschichte vom Autor, wie er eine Frau kennenlernte, aber viel zu spät entdeckte, dass sie eigentlich gar nichts Gutes im Sinne hat. Ihre Beziehung wird für ihn die Hölle. Nach und nach verliert er seine Unabhängigkeit, bis er nicht mehr weiß, wie er sich noch aus dieser zerstörerischen Situation retten kann.
Bei dem Thema ¿häusliche Gewalt` denkt man sehr schnell an eine Frau, die von ihrem Mann misshandelt wird. In diesem Buch ist es aber andersrum. Tami Weissenberg schafft es auf eine klare Weise zu beschreiben, was alles mit ihm passiert es. Er tut dies auf eine nüchterne Weise, ohne die Begebenheiten auszuschmücken. Er erzählt einfach was passiert. Und genau das tut beim Lesen weh. Man ist erschüttert, wie weit Menschen gehen können.
Als Leser weiß man natürlich bevor man anfängt mit lesen, warum es im Buch gehen wird. Das wird im Klappentext ziemlich gut wiedergegeben. Deswegen ist man sofort auf der Hut, wenn man die Frau, die ihm noch so viele Schmerzen hinzufügen wird, kennenlernt. Man denkt sich ständig: ¿Siehst du das denn nicht?` oder ¿Warum verlässt du sie nicht einfach? Jetzt wäre doch passend. Man merkt doch, dass hier etwas falsch ist!`, aber der Protagonist in dem Buch läuft mit geöffneten Augen in der Falle. Das war für mich manchmal sehr schwierig zu verstehen und hat mich beim Lesen auch oft ziemlich aufgewühlt. Für den Protagonisten aber, ist das alles gar nicht so einfach. Er hat eine emotionale Beziehung zu dieser Frau aufgebaut, die ganz genau weiß, wie sie Menschen manipulieren kann, bis sie tun was sie will und sich so vollständig von ihr abhängig machen lassen, bis sie kennen Ausweg mehr sehen.
Das Buch kommt sehr hart an. Die Szenen, in denen beschrieben wird, wie sie ihn körperlich quält, fand ich schwierig zu lesen. Man weiß halt, dass das, was da steht, echt passiert ist und man weiß, dass so was leider viel zu oft geschieht. Ich wollte einfach den Kopf wegdrehen oder das Buch durch den Raum schleudern, um es danach nie wieder aufschlagen zu müssen, aber es ist wichtig, dass dieses Thema beschrieben wird, ohne es zu besänftigen und bestimmte Sachen wegzulassen, damit es besser erträglicher wird. Man darf seine Augen halt nicht für die Realität schließen. Und das hat der Schriftsteller hier ganz gut hingekriegt. Er hat die negativen Erfahrungen, die er erlebt hat, in einem Text gegossen. Es für alle zugänglich gemacht, damit man mit der Problematik konfrontiert wird und das Tabu gebrochen wird.
Nachdem man dieses Buch gelesen hat, kann man nur Respekt haben für den Autor, der es geschafft hat, seine zutiefst persönlichen, negativen Erlebnisse in so verständliche und treffende Worte darzustellen. Es ist grausam, was ihm widerfahren ist, aber bewundernswert, dass er den Mut dazu gefunden hat, das Ganze mit unbekannten Lesern zu teilen. So wird man darauf aufmerksam, dass es viel zu oft falsch geht und dieses Thema viel mehr Aufmerksamkeit verdient.