Mademoiselle de Maupin ist ein Schlüsseltext des französischen Romantismus und zugleich ein programmatisches Manifest des Ästhetizismus. In der verschachtelten Form von Briefen, Reflexionen und dramatisch zugespitzten Szenen erzählt der Roman von d'Albert, seiner Geliebten Rosette und der als Mann verkleideten Madeleine de Maupin. Hinter der erotischen Verwechslungskomödie entfaltet Gautier eine gelehrte Untersuchung von Schönheit, Begehren, Geschlecht und Kunstautonomie; berühmt wurde besonders das Vorwort mit seiner Verteidigung der Kunst um der Kunst willen. Théophile Gautier, Dichter, Kritiker und Romancier, stand im Zentrum der Pariser Romantik, blieb jedoch gegenüber moralischen und utilitaristischen Literaturauffassungen entschieden skeptisch. Seine Nähe zu Theater, Malerei und journalistischer Kritik erklärt die sinnliche Präzision des Romans: Körper, Kostüme, Räume und Stimmungen werden wie Gemälde komponiert. Die Polemik gegen bürgerliche Nützlichkeitsethik spiegelt die literarischen Debatten der 1830er Jahre. Empfohlen sei dieses Buch Leserinnen und Lesern, die nicht bloß eine Liebesgeschichte, sondern ein kunsttheoretisches Experiment erwarten. Mademoiselle de Maupin provoziert noch heute, weil es Identität als Rolle, Schönheit als Erkenntnisform und Literatur als souveränen Raum der Freiheit begreift.