Passend zur Übertötung bekommen wir auch die Übererklärung
Ein rätselhafter Blog, geheimnisvolle Zeichnungen und mehrere Todesfälle, die zunächst nichts miteinander zu tun zu haben scheinen. Nach und nach offenbaren die Bilder ihre Bedeutung und die einzelnen Geschichten fügen sich zu einem ziemlich düsteren Gesamtbild zusammen.Die Idee, Zeichnungen als wesentlichen Bestandteil eines Kriminalfalls einzusetzen, fand ich spannend und originell. Auch der Fall selbst konnte mich durchaus fesseln, wenngleich die Geschichte stellenweise ziemlich brutal wird.Auch mit dieser Art des japanischen Erzählstils musste ich mich erneut anfreunden. Die zahlreichen Wiederholungen und ausführlichen Erklärungen sind mir bereits aus anderen japanischen Werken bekannt, aber deswegen nicht unbedingt beliebter geworden. ;-) Mehrmals werden ganze Textpassagen identisch noch einmal eingefügt. Auch inhaltlich hatte ich das Gefühl, dass mir Zusammenhänge nochmals erläutert wurden, die ich längst verstanden hatte. Und damit auch wirklich gar nichts schiefgehen konnte, wurde das gerade Geschriebene stellenweise zusätzlich mit reichlich simplen Skizzen veranschaulicht.Passend zur Übertötung wird hier also auch ordentlich übererklärt. ;-)Auffällig fand ich zudem den eher nüchternen, beinahe protokollartigen Erzählton. Selbst bei den erschreckendsten Ereignissen bleiben die Figuren emotional erstaunlich distanziert. Das logische Zusammensetzen der einzelnen Puzzleteile steht deutlich stärker im Vordergrund als die Charakterzeichnung.Insgesamt ein ungewöhnlicher, durchaus spannender Krimi mit einer sehr(!) originellen und aussergewöhnlichen Grundidee. Die Auflösung fand ich raffiniert und die Konstruktion der Geschichte durchaus beeindruckend. Wer sich mit dieser speziellen Erzählweise anfreunden kann und Freude am akribischen Miträtseln hat, wird hier bestens unterhalten und erlebt eine innovative Krimigeschichte.