Mit Weinfluch, dem 8. Band dieser Reihe, liefert Uwe Ittensohn wieder einen außergewöhnlichen Fall, der das polizeilich/private Ermittler-Kleeblatt Frank, Verena, André und Irina nicht nur hinsichtlich der Lösung des Falles, sondern auch zwischenmenschlich fordert.
Als Fan dieser Reihe sind mir die Protagonisten sehr vertraut, aber auch als Quereinsteiger gewinnt man dank des Personenverzeichnisses rasch einen Überblick hinsichtlich der Haupt- und Nebenfiguren und kommt problemlos in die jeweilige Geschichte hinein. Das Cover unterstreicht die Thematik Wein. Das 2026 erschienene Buch ist sehr übersichtlich in angenehm kurze Kapitel unterteilt, jeweils mit Titel, Datums- und Zeitangaben versehen, was Orts- und Perspektivenwechsel übersichtlich macht. Die Handlung spielt im Sommer 2024, vorwiegend in Ludwigshafen, Speyer und Umgebung, mit kurzen Szenen in Wien.
Der Schreibstil ist flüssig, gut beschreibend. Immer wieder sind regionale Besonderheiten in die Handlung mit eingewoben sowie Wissenswertes über Wein. Das Lokalkolorit wird sprachlich durch Dialektfärbungen unterstrichen. Einen humorvollen Touch bringen die Dialoge zwischen André und seiner Mitbewohnerin, der jungen Studentin Irina, hinein.
Man ist sofort mitten im Geschehen. Ein Toter am Rheinufer, offensichtlich ertrunken. Unfall, Selbstmord oder Mord? Ziemlich rasch stellt sich der Fall wesentlich komplexer heraus, denn der Tote gehörte einer Werttransportfirma an und die wertvolle Fracht, eine Flasche Wein aus der Römerzeit, die als Leihgabe an das Wiener Kunsthistorische Museum ergehen sollte, kam dort nie an. Als die Diebe Lösegeldforderungen stellen, sieht sich Frank Achill als verantwortlicher Einsatzleiter einer extrem schwierigen Aufgabe gegenüber.
Mich faszinierte an diesem Fall, dass es weniger um einen großen Kreis von Verdächtigen ging, um Suche nach einem der üblichen Mordmotive, sondern um Polizeiarbeit in allen Facetten. Der Autor beschreibt nicht nur das Umfeld und die Schauplätze penibel, sondern auch die Strategie der Polizeieinheiten: die geplanten Abläufe, wie man die Diebe zu fassen und das Lösegeld zurück zu gewinnen gedenkt. Die Herausforderungen an den Polizeiapparat sind enorm, das bedeutet Stress für die verantwortlichen Kriminalbeamten, das Zusammenspiel von Kriminaltechnik, Scharfschützen u.v.a. wirkt authentisch und ist beeindruckend. Wirklich lebendig wird die Handlung vor allem durch die emotionale Seite, die psychische Belastung, den Druck durch Vorgesetzte und Missgunst von Konkurrenten, die Einmischung Außenstehender, diverse Befindlichkeiten einzelner, aber auch durch den Zusammenhalt innerhalb des Teams und Loyalität.
Die stetigen Perspektivenwechsel, die Kürze der Kapitel, immer wieder mit einem Cliffhanger endend, auch prekäre Situationen, sowie last but not least ein dramatisches Finale, erzeugen nicht nur eine temporeiche Handlung, sondern heizen die Spannung an und lassen einen das Buch kaum aus der Hand legen.
Im Mittelpunkt stehen wie stets Frank, Verena, André und Irina, Menschen mit Stärken und Schwächen, manchmal unvernünftig emotional und spontan. Insbesondere Frank ist dem Arbeitsdruck diesmal kaum gewachsen, dafür eröffnet sich für Verena eine große Chance, die sie bravourös meistert. André und Irina unterstützen die beiden in altbewährter Art und Weise und tragen letztlich maßgeblich zur Lösung des Falles und Festnahme der Täter bei.
Mit Weinfluch ist dem Autor wieder einmal ein nicht nur spannender, sondern auch unterhaltsamer Krimi gelungen. Das Buch bietet alles, was ein ausgezeichneter Regionalkrimi beinhalten sollte: sympathische Protagonisten, regionales Flair, einen Schuss Humor und natürlich Spannung und Action. Mit Vorfreude auf den nächsten Fall empfehle ich das Buch gerne weiter und vergebe 5 Sterne.