Braahak ist ein Ermittler. Er wird nach Dunthrak bestellt von einem der Stadträte, um das Verschwinden dreier Goblinerfinder aufzuklären. Braahak nimmt den Fall an, doch bald stellt sich heraus, dass hinter dem Verschwinden mehr steht als nur der Dampf von Dunthrak
Wenn man mich fragen würde, wo ich dieses Buch einordne, würde ich sagen eine Mischung aus Steampunk, Urban Fantasy und Thriller. Der Autor selbst bezeichnet es als Krimi, aber in meinen Augen geht es eben aufgrund der Spuren, die Braahak findet, eher in den Thriller als in den Krimi.
Braahak ist selbst für einen Zwerg einzigartig. Er sieht nicht nur, er erkennt Zusammenhänge und findet selbst die kleinsten Spuren. Das wird gleich im Prolog sichtbar. Mit einem Auge wie Sherlock Holmes kann er selbst Geschichten und Ereignisse aus der Betrachtung von Staub zusammenstellen und das ganz ohne Lupe. Die taucht tatsächlich nur einmal auf im Roman, und ich bin mir bis jetzt nicht sicher, ob er nicht einfach seinem jungen Begleiter eine kleine Show geben wollte.
Da kommen wir auch zu einem Problem des Romans. Als großer Sherlock-Holmes-Fan war ich natürlich sofort angetan von Braahak. Nach der Lektüre bin ich mir sicher, ich weiß, warum es im SH-Kanon nur eine einzige Kurzgeschichte gibt, die aus Sherlocks Sicht geschrieben wurde. Braahak wirkt unnahbar, und das könnte zu einem Problem werden für den Leser, der tiefer in ihn eindringen möchte. Ja, man erkennt schnell Braahaks Begabung, erkennt, dass er sich zurückhält. Aber ist da ein mechanisches oder zwergisches Herz, das in seiner Brust schlägt? Nach dem Lesen bin ich mir da immer noch nicht sicher.
Braahak zur Seite steht der Goblin-Junge Tikk, den er unter seine Fittiche nimmt. Tikk ist eine Waise, auf den Straßen und in den Gassen Dunthraks aufgewachsen, aber clever und intelligent. Irgendwie schlich sich bei mir der Eindruck ein, dass Braahak ein Stück seiner selbst in dem Jungen wiedererkennt.
Und dann ist da noch der Schattenrichter. Ein undurchsichtiger Charakter, über dessen Motive man lange Zeit im Buch rätselt, der aber ebenfalls wichtige Hinweise an Braahak weitergibt. Und das, obwohl diesem Mann der Ruf eines Mörders anhängt.
Ein weiterer, sehr wichtiger Charakter ist die Stadt Dunthrak selbst. Der Autor hat sich sehr große Mühe gegeben, diese bis ins Detail zu beschreiben, was an einigen Stellen ermüdend wirkt. Aber dadurch steigert sich auch die Atmosphäre. Dunthrak ist nich nur eine Stadt, sie ist wie ein übergroßes Lebewesen, das atmet und stöhnt und aus dessen Rhythmen Braahak liest wie ein Spurenleser. Eine interessante Mischung.
Zum Teil, gerade in der Mitte, werden die Beschreibungen Dunthraks geradezu surreal. Als Leser muss man sich an solchen Stellen besonders konzentrieren, was zugegeben nicht immer einfach ist. Das Buch will nicht nur gelesen werden, es sucht nach Bestätigung. Leider kann man auch über-beschreiben, und ich empfand Teile der Beschreibung wirklich als überflüssig. Ich hatte schon beim ersten Mal begriffen, was Braahak meinte, wenn er von dem Puls in den Leitungen sprach, ich brauchte keine Wiederholung, ebensowenig wie Tikk.
Der Fall an sich treibt die Handlung voran. Die Frage ist, wie weit ist Braahak bereit, in den Kaninchenbau vorzudringen? Er war schon ziemlich tief drin am Ende. Aber ich bezweifle, dass das schon die Spitze des Eisbergs war, da war noch Luft für mehr. Und gerade die Reaktion des Stadtrates scheint meinen Verdacht zu bestätigen.
Alles in allem bleibt ein gelungener Erstling, der aber keine leichte Kost ist. Ein spannender Fantasy-Thriller, der in tiefe Abgründe führt mit einem Ermittler, der selbst verschlossen wie eine Auster erscheint mit dem äußeren Mitgefühl eines Vorschlaghammers, aber innerlich weicher als Daunen, zumindest soweit man als Leser in ihn dringen kann. Kein Highlight, aber ein solider Roman mit einem gemeinen Cliffhanger am Ende.