Rebellion ¿ in diesem Buch kommen ihre Protagonisten zu Wort: von unten, von oben, zusammenfließend in einer Art Moderation durch: eine Frau
Die sogenannten geburtenstarken Jahrgänge, erst recht die "68-er" (ob passiv oder aktiv) dürften an diesem Buch ihre große Freude haben. Lässt es doch eine Zeit (und deren Folgen) aufleben, die längst vergessen geglaubte Erinnerungen triggert. Und das auf sehr vielfältige Art: als individuelle Auseinandersetzung, als politisch und gesellschaftlich motivierter Aufbruch oder als "kulturelles Aufbegehren" zum Beispiel in Form einer Musik, die eine Lebenshaltung unterstützte, die wohl unvergleichlich war und geblieben ist. Rebellion aller Orten - und in diesem Buch kommen ihre Protagonisten zu Wort: von unten, von oben, zusammenfließend in einer Art Moderation durch - eine Frau.Es ist ein Buch, das durch die Gegensätze lebt, daraus nicht nur Emotionen generiert, sondern auch das Leben in vielen unterschiedlichen Facetten aufblühen lässt. Zuvorderst ist es der Gegensatz zwischen arm und reich, zwischen oben und unten, zwischen Besitzenden, die über das Kapital verfügen, um es für sich arbeiten zu lassen und den Habenichtsen, die ihre Hände schmutzig machen und ihren Körper ruinieren müssen, um zumindest überleben zu können. Und dazwischen die Idee, der Funke, man könne, ja, man müsse dies ändern. Im Buch herausragend dargestellt durch die bindenden und trennenden Lebensläufe der beiden "Rebellen", in denen Freundschaft, Verrat und Tod genauso vorkommen wie die Liebe zu einer (!) Frau. Überhaupt ist diese Toni eine Frau, die nicht nur die beiden Freunde in ihren Bann schlägt, sondern auch eine Frau, die widersprüchliche Träume und Sehnsüchte tatsächlich lebt (Näheres im Buch ...). Und sich darüber hinaus für ein gesundes Frauenbild einsetzt: "... aber ich kann die Augen nicht verschließen vor der Dressur des weiblichen Körpers und dem Kontrollwahn, der ihm aus allen Medien ungedämpft entgegenschlägt."Größer könnten die Unterschiede nicht sein. Auf der einen Seite der durch die harte Schule des Lebens geprägte Waisenjunge, auf der anderen der "in guten Verhältnissen", behütet aufgewachsene, Fabrikantensohn. Die Lebensläufe sind also vorgezeichnet: "Das steif gebügelte Hemd, die Sonntagshose, die eleganten Schuhe, all das sagte ihm, dass Alexander aus einer Welt stammte, die ihn verstoßen hatte und die auch nicht daran dachte, ihn in absehbarer Zeit wieder aufzunehmen." Neben dem Trennenden gibt es etwas gemeinsames, etwas, das sie zueinander bringt, trotz allem: "Es standen sich zwei Jungs gegenüber, die unterschiedlicher nicht sein konnten, Klassenbester am Kepler-Gymnasium der eine, ein mittelmäßiger Schüler in der 7. Klasse der Hauptschule in der Karlstraße der andere, Denker und Träumer, reich und arm, sportlich und träge. Jeder von ihnen erkannte in diesen ersten Blicken die offensichtlichen Unterschiede, und doch ahnten sie bereits, dass etwas Gemeinsames in ihnen steckte, beide waren sie Suchende, und bereits bei dieser ersten Begegnung hegte jeder von ihnen den Verdacht, dass der andere im Überfluss besaß, was der eine schmerzhaft vermisste."Können Gegensätze, kann das Trennende überwunden werden? Und falls ja: Wie? Diese Fragen begleiten einen durch das ganze Buch. Es gibt vielfältige Versuche, Annäherungen ... Aber schauen/lesen Sie selbst ...(19.11.2018)