Den beiden Autoren ist ein äußerst spannender und zugleich anspruchsvoller (viele Hintergrundinformationen) Krimi gelungen ...
Der Folgeband von "Der freie Hund" des Autorengespanns Schorlau & Caiolo bietet noch einmal eine Steigerung, was Erzählkunst, Hintergrundinformationen und natürlich Spannung betrifft. Wobei das "operationale Feld" des Commissario Antonio Morello dieses Mal nicht auf Venedig beschränkt bleibt, sondern zum großen Finale auf seine Heimatinsel Sizilien wechselt. Erneut aber geht es, neben einem aufzuklärenden Selbstmordversuch eines Flüchtlings, um die kriminellen Machenschaften der sizilianischen Cosa Nostra. Dieses Mal allerdings erweitert um die inzwischen ebenfalls international operierende nigerianische Mafiaorganisation Black Axe. Untergeordnet, und ganz im Zeichen der Aktualität, geht es um Kleinbanden, die sich die "Corona-Lage" für ihre Raubzüge zunutze machen. Die Geschichte spielt also im vergangenen Jahr (2020), im Übergangszeitraum zwischen Lockdown und den ersten Öffnungen Mitte bis Ende Mai. Die Maske wird zum ständigen Begleiter, die Atmosphäre entsprechend dicht, mit außergewöhnlichen Einsichten, nicht nur in die Außen- sondern auch die Innenwelt. Das Zwischenmenschliche ist intensiver, spürbarer. Ein großes Lob an die beiden Erzähler, diese Stimmung gut eingefangen zu haben. Neapel und die Menschen erscheinen in einem anderen, einem emotionaleren (fast fürsorglichen) Licht.Dies liegt auch an den beiden sympathischen Hauptdarstellern, dem bereits erwähnten Commissario Morello und seiner "Ispettrice Sostituta Commissario" Anna Klotze, die, wie der Name nahelegt, deutschen Gefilden entstammt. Gut und Böse sind auch hier gut erkennbar - aber nicht überall und zu jedem Zeitpunkt. Dafür sorgt auch die große Bandbreite der Themen. Neben der Flüchtlings- und Coronakrise, den Machenschaften der verschiedenen Mafiaorganisationen, kommen auch die politischen Hintergründe u.a. für EU-Hilfen, sowie deren teils dunkle Kanäle zur Sprache. Alles so plausibel und mit realen Daten verwoben, dass man sich oft nur noch verwundert die Augen reibt und schreien möchte: Wann endlich wird hier durchgegriffen! Den beiden Autoren ist ein äußerst spannender und zugleich anspruchsvoller Krimi gelungen. Es bleibt zu hoffen, dass dies nicht ihr letztes gemeinsames Werk sein wird.(15.7.2021)