Violet hat sich Zeit ihres Lebens darauf vorbereitet, eine Schreiberin zu werden. Doch ihre Mutter, die höchste Generalin, hat andere Pläne und meldet sie statt dessen bei den Drachenreitern "freiwillig". Violet muss sich fortan die ganze Zeit über beweisen und ständig auf der Hut sein, denn die Geschwader sind der gefährlichste Ort auf dem ganzen Kampus. Wäre da nur nicht Xaden, der Sohn eines Verräters, der ihr direkter Vorgesetzter ist und einfach nur unglaublich gut aussieht ...
Zunächst, ich möchte keinen Ärger. Ich schreibe hier meine Meinung nieder. Ich bin weder Gott noch unfehlbar. Zudem sind Geschmäcker sehr verschieden. Ich möchte hier niemanden aufbringen, sondern schreibe das, was mir während der Lektüre aufgefallen ist. Ich weiß, dieser Roman und die ganze Reihe haben teils sehr wehrhafte Fans. Aber wir leben ebensogut noch in einem freien Land, in dem freie Meinungsäußerungen erlaubt sind.
So, was halte ich also von diesem Roman? Ich empfinde ihn als durchschnittlich. Es gab Stellen, an denen ich mich zu Tode gelangweilt habe, andere konnten mich zwar nicht mitreißen, waren aber unterhaltsam, wenn auch vielleicht nicht immer aus dem Grund, aus dem sie geschrieben wurden.
Violet als Hauptcharakter ging mir eigentlich die meiste Zeit gehörig auf die Nerven. Ja, sie ist irgendwie behindert, wenn auch nie genau eine Krankheit genannt wird, aber sie lamentiert und lamentiert und wenn sie damit nicht gerade beschäftigt ist, ist sie horny als hätte sie seit Jahrhunderten keinen Mann mehr gehabt. Zudem ihr Verhältnis zu Xaden, was ich einfach lächerlich fand anfangs. Er flirtet auf Teufel komm raus mit ihr und ihre Reaktion ist: "Wird er mich jetzt töten?" Jesses, Mädel, der Mann ist scharf auf dich!
Die anderen Charaktere bleiben blass bis bessere Namen auf dem Papier. Ja, mir ist klar, dass man nicht jeden gleich gut kennt, insofern sage ich jetzt mal zu den reinen Namen gar nichts. Dieses Wochenende sah ich einen interessanten Beitrag über Romantasy auf YouTube, und dem kann ich hier, was die Charakterisierung der Figuren angeht, nur zustimmen: Figuren in der Romantasy werden über ihr Aussehen charakterisiert. Und das stimmt ganz besonders hier. Es gibt den scheinbar Baumhohen Xaden mit seiner geheimnisvollen Narbe, es gibt die zarte kleine Violet, die sich scheints nur beim Anschauen eines Hindernisses gleich die Knochen bricht.
Das Worldbuilding ist bestenfalls rudimentär zu nennen. Ich konnte mir weder die Kasernen, noch die Welt vorstellen. Ein Grund für den Krieg, der immerhin 600 Jahre tobt, ließ mich ratlos zurück, vor allem, weil offensichtlich nie irgendwelche Gespräche der beiden Seiten geführt wurden, um den "Streit" beizulegen. Diplomatie ist in jedem Krieg ein wichtiges Mittel.
Die Tatsache, dass die Söhne und Töchter der Rebellen allesamt in eine Eliteeinheit gesteckt werden ist wirklich beyond me. Man züchtet sich dadurch doch nur einen besser ausgebildeten Widerstand heran! Das scheint den Politikern um den König aber komplett abzugehen.
Die Gefahr durch andere Schüler, Reiter. Ich kann noch akzeptieren, dass es vielleicht besonders viele Unfälle unter den Reitern gibt. Ich bin nicht ganz damit einverstanden, wie die Drachen hier dargestellt werden, aber das ist mein persönlicher Geschmack. Aber dass die Rekruten gegenseitig aufeinander losgehen und sich töten, der Sinn dahinter erschließt sich mir nicht, selbst wenn ich das Argument mit dem Binden der Drachen akzeptiere. Wir befinden uns in einem Land, in dem seit 600 Jahren Krieg herrscht - aktiver Krieg! Und da gibt es Elitekämpfer, auf deren Ausbildung besonderer Wert gelegt wird, und denen ist es erlaubt, einander ans Leben zu wollen? In einem aktiven Krieg würde ich eher erwarten, dass glücklose Rekruten vielleicht versetzt werden zu den Bodentruppen oder sonstwohin, oder gar eine eigene Einheit bilden können. Aber einander ans Leder wollen? In welcher Welt macht das Sinn? Ich kenne keine. Im Gegenteil wird in der Realität sogar Kindern Waffen in die Hand gedrückt, wenn sich keine Erwachsene mehr finden in einem aktiven Kriegsgebiet, das kommt nicht nur in Afrika vor, in den letzten Tagen des 2. Weltkrieges war das eine angewandte Strategie der Nazis! Und hier werden die Rekruten einfach nur ausgelöscht ohne wirklichen Grund. Ich glaube, darüber habe ich mich am meisten aufgeregt.
Das Magiesystem wirkt auf den ersten Blick relativ stabil, aber es ist ziemlich anfällig. Man beachte: der Rekrut verbindet sich mit seinem Drachen, erhält daraufhin die Möglichkeit Magie zu wirken und kann ab irgendeinem Zeitpunkt (hoffentlich) eine ganz bestimmte Macht kanalisieren. Das HOFFENTLICH sollte ich groß schreiben. Denn wenn es dem Rekruten nicht gelingt, dann endet sein Leben? Verliert er den Verstand? Was auch immer. Und nebenbei bemerkt ist Magie in diesem Reich verboten - ja, finde den Fehler.
Zum zweiten konnte ich einfach nur noch den Kopf schütteln, als es um diese Kanalisierungskräfte ging. Alles ist selten, oder es ist noch seltener. Bis Violet dann ihre Kräfte entfalten kann - und die sind natürlich seit X Jahren nicht mehr vorgekommen und natürlich super speziell. Ja ...
Letzter Punkt, die Smud-Szenen. Ich hatte viel darüber gelesen, gehört, wie toll diese doch sein sollten und wie erregend. Ähm, nein, ich fühlte mich weder erregt noch sonderlich begeistert. Wenn überhaupt, haben sie bei mir eher Lachkrämpfe ausgelöst, weil es sich anhört, als würden die beiden nebenbei eine Einkaufsliste schreiben, während sie miteinander schlafen. Zudem tat mir Xaden extrem leid, dass er derjenige war, der ALLES machen musste. Violet kennt es offensichtlich nicht oder fühlte sich nicht in der Lage, auch ihn ein bisschen in Stimmung zu bringen. Wie gesagt, armer Xaden!
Das sind ein Haufen negativer Punkte, zugegeben. Am Ende noch etwas positives: Die Sache mit dem Baby-, Kinderdrachen, der sich ebenfalls an Violet bindet und dessen Kraft, das hatte was. Daraus hätte man mehr machen können, mehr jedenfalls, als Yarros machte.
Alles in allem bleibt ein eher mittelmäßiges Buch bei mir zurück, das mich über Strecken massiv langweilte. Sorry, wenn ich hier jemandem auf den Fuß getreten bin, aber, wie gesagt, meines Wissens ist Deutschland noch immer ein freies Land mit freier Meinungsäußerung. Das hier ist meine, und ich bin schon sehr pfleglich mit diesem Roman umgegangen.