Es gibt einen riesigen Hipe um diese Bücher, der mich bisher abgehalten hatte, die Reihe zu lesen. Jetzt mit etwas Zeitabstand, wollte ich mal schauen, was da dran ist.Meine Meinung ist gemischt. Das Buch macht einiges gut, anders nicht.Zunächst erst einmal finde ich es gut, dass wir viele Elemente aus dem Fantasy-Genre geboten bekommen: wir haben eine von Krieg gebeutelte mittelalterlich angehauchte Welt, mit starken Fokus auf die Armee und dessen Hierarchien. Wir haben Drachen und Reiter und dessen Bindung, es gibt kleinere Magie und individuelle Fähigkeiten, wie bei Superhelden. Es gibt auch daraus folgende soziologische Elemente, wie Kriegspropaganda (der Gewinner schreibt die Geschichte), Machtstrukturen, Ausgrenzung und unterdrückte Klassen von Menschen, Rebellion, etc.Die unterschiedlichen Arten von Drachen, dessen noch recht verdeckte Politik, dessen Motivlagen und Bindungen und die Magie, die von ihnen ausgeht, das ist schon recht breit aufgestellt und macht Spaß zu verfolgen.Gleichzeitig musste man relativ lange warten, bis sie im Buch eine echte Rolle spielen (ca. ab der Hälfte des Buches). Ich war dann etwas überrascht, dass sie gerade auch im Sprachduktus wie ein klassischer Sidekick auftreten.Generell bleibt in diesem Band noch recht viel undurchsichtig was die Struktur/Regeln dieser Welt angeht - und wirkt gar nicht selten ziemlich plakativ. Das bietet Nährboden für Logiklücken - gerade auch im Mikrokosmus dieses Colleges. Vieles widerspricht sich auch schlicht, als Bsp.: "Drachen machen keine Fehler, sie werden nicht hinterfragt", sie erwählen sich ihre Reiter selbst, aber es ist Gang und Gäbe, dass Kandidaten, die nicht erwählt wurden, dann versuchen frische Reiter zu töten, um dann den Drachen zu übernehmen - das das toleriert wird widerspricht sich bereits. Nun hat unsere Prota auch noch einen gewissen Namen, plus ihr Drache ist bekannt für seine langen Bindungen, alt, ehrwürdig und stand vorher auch gar nicht zur Verfügung, weil er sich nicht binden wollte. All das spricht dafür, sich eben nicht die Prota als Hauptziel dieser Tötungen zu machen, dennoch wird das so im Buch gemacht, einfach damit die Autorin so dafür sorgen kann, dass sie eine Situation behaupten kann, die die Prota in permanenter Gefahr zu halten, der Spannung wegen. Widerspruch in der Logik hin oder her. Dieses Muster findet sich oft.Die Protagonistin ist clever positioniert, letztlich haben wir die klassische Underdog-Geschichte - und wer mag die nicht.Schon auf den ersten Seiten werden die Familienverhältnisse geklärt: die Beziehung zur Mutter schwankt von kalter Abgrenzung bis den Drang sie Stolz machen zu wollen, um sich so ihre Liebe zu erkaufen bzw. Aufmerksamkeit zu bekommen, was dann mit Liebe verwechselt wird. Ein einfaches, aber gelungenes Spannungsfeld. Die Beziehung zwischen den Schwestern gefiel mir besonders gut.Zu Beginn mochte ich die Prota sehr, wie gesagt, wir alle sind auf der Seite des Underdog. Jeder erwartet ihr Scheitern und sie kämpft sich dennoch irgendwie durch, was von Willen und Charakterstärke untermauert wird. Gleichzeitig ist sie faktisch unterlegen, hat Schwächen die andere nicht haben und die ausgeglichen werden wollen, was Kreativität und Gerissenheit verlangt. Alles gute Eigenschaften für dieses Setting einer starken weiblichen Hauptfigur.Dummerweise bröckelt das zwischendurch immer mal wieder. Gerade als die Drachen ins Spiel kommen, kippt die Rolle der Protagonistin. Vorher wie gesagt die Underdog-Geschichte, kippt dann in die etwas alberne des völligen Versagers.Sie wird als ausgesprochen clever positioniert, um sie dann emotional, dumm handeln zu lassen oder zu sagen, dass sie über diesen oder jenen Faktor nie nachgedacht hat, obwohl es sich hätte aufdrängen müssen. Das wird dann oftmals wieder eingefangen, wenn sie sich der neuen Lage dann doch anpasst oder umdenkt. Diese Entwicklung selbst ist dann wieder gut, aber ich hadere mit der Darstellung, mit Art/Stil wie das geschildert/aufgebaut ist.Kaum kommt der Love-Interest dazu, beginnt das Schmachten. Da haben wir aber noch genug Ambivalente Emotionen, dass es eigentlich ganz okay ist - auch wenn das Motiv der Verdrängung und "nicht wahrhaben wollen" das man selbst oder der andere Gefühle haben könnte etwas nervt.Insgesamt ist auch die Figur des Love-Interest solide und die Entwicklung, die er mitbringt. Das liegt vor allem daran, dass er im Detail viele Ambivalenzen mitbringt und durch ihn vor allem die Themen von Unterdrückung, Gerechtigkeit, Rebellion und Propaganda aufkommen. Auch viel Zwischentöne spielen dort eine Rolle, die selten konkret angesprochen werden, aber eben mitschwingen - das ist gut gemacht. Die Gesellschaft versuch aufgrund von Vorurteilen und Propaganda ihn und seines gleichen zu brechen, aber er besteht und erkämpft sich Erfolg in deren eigenen System, das ihn hätte brechen sollen. Das ist eine gute Geschichte und verleiht ihn Charakter, ohne wirklich viel von ihn preisgeben zu müssen.Ätzend wird es hingegen, wenn die halbherzige Dreieckserzählung hinzukommt bzw. die Beziehung zu ihrem "besten Freund" - diese Freundschaft ist reine Behauptung, während er ihr die ganze Zeit nur schadet, natürlich "nur zu ihrem besten", wovon sie sich einfangen lässt. Das ist so plakativ dargestellt, ohne echte Zwischentöne, dass es ärgerlich ist und lässt auch die Prota blöd dastehen. Im späteren Verlauf kommt in diesem Dreiecksfeld dann noch Verrat und Erkenntnis dazu, was wiederum gut gemacht ist.Generell spielt Verrat, Vertrauen und "auf Augenhöhe sein", sprich Macht eine große Rolle hintenraus. Die Verstrickungen und Hintergrundabläufe sind gut konzipiert. Kommen aber recht abrupt und spät dazu, was dafür sorgt, dass man das Gefühl bekommt, man liest plötzlich ein ganz anderes Buch. Das hätte man durch Anspielungen oder Momente des Zweifels abfedern können.Ich kann nur Hoffen, dass es sich letztlich als Wertvoll für die Gesamtgeschichte erweist und nicht nur zum reinen Drama verwendet wird.So oder so, lässt sich der Eindruck nicht vermeiden, dass handlungstechnisch viel sich so hingeschoben wird. Das sorgt durchaus für Spannung und Unterhaltung, aber hat auch einen gewissen Beigeschmack.Insgesamt bringt der Auftaktband genug mit sich, dass man die Reihe weiter verfolgen möchte. Die Frage wird sein, wohin sich der Fokus verlagert.