Würdiger, spannungsgeladener Abschluss der Reihe
Dieses Buch unterscheidet sich sehr von den ersten beiden Bänden. Zum ersten Mal gehen wir nicht in eine Arena, die Rebellion und der Kampf gegen das Kapitol stehen im Fokus.Distrikt 13 und die neuen Charaktere werden gut vorgestellt und sorgen für eine komplette Wendung der Geschichte. Somit ist direkt am Anfang des Buchs klar, dass man viel zu erwarten hat. Genauso kommt es dann auch. Weg von den Spielen, direkt rein in den Krieg. Dieser Teil ist deutlich strategischer, brutaler und blutiger. Das Leid der Menschen und die Skrupellosigkeit des Kapitols werden ungeschönt beschrieben, die Untergangsstimmung ist greifbar. Collins macht vor nichts Halt. Die Verluste sind grausamer und schockierender als jemals zuvor. Von jetzt auf gleich kann alles anders sein und trotzdem schafft es Collins, jeden Moment bedeutungsschwer und nachhallend zu schreiben.Katniss hat sich sehr verändert. Sie ist gebrochen, traumatisiert und agiert dementsprechend anders. Ihre Charakterentwicklung ist so realitätsnah geschrieben und gleichzeitig merkt man, wie ihre Stärke und ihr Wille durchscheinen, wie ihr Kampfgeist auflebt. Sie ist verletzlicher, doch in diesem Teil wird klar, dass das nichts Schlechtes ist.Peetas Schicksal ist so eindringlich, so verstörend und emotional. In diesem Teil der vermutliche facettenreichste Charakter. Es ist kaum vorstellbar, was das Kapitol ihm angetan hat. Ich mag es, dass die Beziehung zwischen Katniss und ihm nicht als kitschige Nebengeschichte in diesem Untergangsszenario eingebaut wird, das wäre unpassend. Stattdessen ist ihre Verbindung ganz natürlich, unschuldig, zerbrechlich und gleichzeitig so kraftvoll. Sie sind der Anker des jeweils anderen und ich hoffe, dass am Ende jedem klar ist, dass Gale niemals eine Option war.Neben Peeta gehört Finnick definitiv zu den Charakteren mit dem bewegensten Schicksal in diesem Buch. Nachdem man ihn als selbstüberzeugten Charmeur kennengelernt hat, gibt uns seine Geschichte einen ganz anderen Blickwinkel auf ihn und sein Innerstes. Ein so kurzer Abschnitt reicht, um seiner Figur eine unfassbare Tiefe zu geben.Collins wäre nicht Collins, wenn sie nach all dem nicht noch eine Überraschung bereithalten würde. Am Ende erhebt sich die "alte" Katniss, die auf ihr Herz und ihre Instinkte hört, ungeachtet der Konsequenzen.Das Ende ist rund und zufriedenstellend. Der Epilog mag einem kurz erscheinen und ich kann verstehen, dass man sich nach allem, was passiert ist, etwas mehr Positivität wünscht, aber ich finde es so genau richtig. Es gibt uns genügend Informationen auf das Leben nach den Spielen, nach dem Krieg und die Zukunft der Charaktere. Irgendwie muss man einen Punkt hinter diese Trilogie setzen und das Ende, gerade der letzte Satz, wird dieser Aufgabe gerecht.