Starker Schluss, doch bis dahin zieht sich Haymitchs Geschichte leider viel zu lange. Schade!
Die 50. Hungerspiele stehen bevor und in Distrikt 12 bereitet sich alles auf die alljährliche Ernte vor. Auch Haymitch Abernathy hofft, diesen Tag unbeschadet zu überstehen. Doch ausgerechnet an seinem Geburtstag nimmt sein Leben eine dramatische Wendung: Durch einen unerwarteten Vorfall wird er zum zweiten männlichen Tribut der Jubiläumsspiele. Plötzlich muss er sich nicht nur den gefährlichen Hungerspielen stellen, sondern auch den Herausforderungen und Entscheidungen, die weit über die Arena hinausreichenMeine Meinung: Als großer Fan der Panem Reihe habe ich mich unglaublich auf Haymitchs Geschichte gefreut. Endlich sollte man erfahren, wie der spätere Mentor aus Distrikt 12 selbst als Tribut in die Hungerspiele gerät. Meine Erwartungen waren entsprechend hoch, denn ich wollte erleben, wie alles begann und welche Ereignisse ihn geprägt haben.Der Einstieg hat mir richtig gut gefallen. Die ersten Kapitel geben einen schönen Einblick in Haymitchs Leben, seine Familie und seinen Alltag in Distrikt 12. Dadurch wirkte er für mich sofort nahbar und ich konnte gut mit ihm mitfühlen. Auch die Ernte war spannend erzählt und hat mich direkt in die Geschichte gezogen.Danach verlor das Buch für mich allerdings deutlich an Tempo. Die Vorbereitung auf die Hungerspiele nimmt einen sehr großen Teil der Handlung ein. Viele Gespräche, politische Hintergründe, Veranstaltungen und Zeremonien zogen sich für mein Empfinden unnötig in die Länge. Während diese Elemente im ersten Panem Band noch faszinierend waren, weil die Welt völlig neu war, fehlte mir hier einfach der Überraschungseffekt. Ich habe mich oft dabei erwischt, dass ich nur darauf gewartet habe, endlich in die Arena zu kommen.Die Arena selbst bietet einige wirklich interessante Ideen. Das Setting unterscheidet sich von den bisherigen Spielen und hatte viel Potenzial. Einige Szenen waren spannend und haben gezeigt, wie gefährlich diese Hungerspiele sind. Insgesamt hätte ich mir jedoch deutlich mehr Dynamik gewünscht. Mir fehlte oft die ständige Anspannung und das Gefühl, mitten im Geschehen zu sein. In den früheren Panem Büchern hatte ich das Gefühl, die Arena gemeinsam mit den Figuren zu erleben. Hier blieb ich emotional häufiger auf Abstand.Haymitch hat mir als Hauptfigur dagegen sehr gut gefallen. Er wirkt menschlich, hilfsbereit und glaubwürdig. Im Laufe der Geschichte versteht man immer besser, warum er später zu dem Menschen wird, den wir aus der Originalreihe kennen. Gerade diese Entwicklung gehört für mich zu den größten Stärken des Buches.Auch der Schreibstil ließ sich angenehm lesen beziehungsweise hören. Die Hörbuchstimme passte grundsätzlich gut zu Haymitch und transportierte die wichtigen Momente überzeugend. Dennoch wirkte die Erzählweise über längere Strecken recht ruhig, wodurch sich einige Passagen für mich zusätzlich in die Länge gezogen haben.Trotz meiner Kritik bereue ich es nicht, das Buch gelesen zu haben. Es beantwortet viele Fragen rund um Haymitch und ergänzt seine Geschichte sinnvoll. Für mich hätte die Handlung allerdings deutlich straffer erzählt werden dürfen. Weniger Vorbereitung und etwas mehr Spannung in der Arena hätten das Leseerlebnis für mich deutlich verbessert.Insgesamt ist Panem L für mich eine solide Ergänzung der Reihe, die mich leider nicht so fesseln konnte wie die ursprünglichen Panem Bände. Wer vor allem wegen Haymitch zu diesem Buch greift, wird sicher einige interessante Einblicke bekommen. Wer dagegen eine durchgehend spannende Geschichte erwartet, sollte seine Erwartungen etwas anpassen.