Eine fantasievolle und zauberhafte Geschichte, die aber meiner Meinung nach leider nicht ganz so mitreißend ist wie der Film von 1964.
Inhalt:Im Kirschbaumweg Nr. 17 geschieht etwas Unvorhergesehenes: Eines Tages kommt eine junge Frau mit einem Regenschirm angeflogen. Die geheimnisvolle Mary Poppins ist etwas ganz Besonderes und verfügt über magische Fähigkeiten. Als sie das neue Kindermädchen von Jane, Michael, John und Barbara wird ahnen die Kinder nicht welch außergewöhnliche Abenteuer sie mit Mary Poppins erleben werden..."Wie bist du hergekommen?", fragte Jane. "Es sah aus, als hätte dich der Wind hergeblasen." "So war's!", bestätigte Mary Poppins kurz. (S. 14)Meine Meinung:Wie wahrscheinlich die meisten Leute kannte ich bereits die Verfilmung von 1964 (mit Julie Andrews und Dick Van Dyke), die Mary Poppins berühmt gemacht hat. Umso gespannter war ich endlich auch die Buchvorlage kennenzulernen. Die Grundidee des Buches ist fantasievoll und besonders. Mary Poppins sorgt für Abwechslung und sie bringt mehr Freude und natürlich jede Menge Zauber in Janes und Michaels Leben. Mary Poppins ist ein interessanter Charakter und das liegt nicht nur an ihren Zauberkräften. Sie ist geheimnisvoll und schwer zu durchschauen. Nie weiß man was man mit ihr als nächstes erlebt. Es hat mich überrascht, dass Mary Poppins nicht perfekt ist, sondern auch ihre Schwächen hat. Manchmal ist sie nämlich schon ein wenig exzentrisch. Außerdem ist sie eitel, denn es kam vor, dass sie nicht an einem Schaufester vorbeigehen konnte ohne sich ausgiebig zu bewundern. Zudem gibt es Situationen in denen sie ungeduldig wird, genervt ist oder ein bisschen zu forsch reagiert. Das hat die Geschichte abwechslungsreicher und unterhaltsamer gemacht, aber Mary Poppins in meinen Augen auch zuweilen ein paar Sympathiepunkte gekostet. Dadurch, dass das Buch keine zusammenhängende Geschichte erzählt und stattdessen in jedem Kapitel ein einzelnes Erlebnis erzählt wird kann man es problemlos pausieren und immer mal wieder ein Kapitel lesen.Da die Verfilmung von 1964 erheblich von dem Buch abweicht hält das Buch auch für Kenner des Film Überraschungen parat. Es hat mir gefallen, dass ich dadurch nicht alles habe kommen sehen. Insbesondere die Reise um die Welt und den Geburtstag im Zoo fand ich sehr schön zu lesen.Übrigens haben mir auch die Illustrationen sehr gefallen.Unterschiede gegenüber dem Film"Mary Poppins"(1964) und die Gründe dafür, dass ich dem Buch keine 5 Bewertungssterne geben konnte:Ich finde, dass die Verfilmung von 1964 wirklich das Beste aus der Buchvorlage herausgeholt hat und dem Buch alle Ehre gemacht hat. Der Film hat die Seele des Buches in wunderbarer und großartiger Weise auf die große Leinwand gebracht. Die Abweichungen gegenüber der Buchvorlage stören mich überhaupt nicht. Im Gegenteil: Die Abweichungen haben ihren Teil dazu beigetragen, dass es für mich einer der ganz seltenen Fälle ist in denen ich eine Literaturverfilmung ehrlicherweise noch mitreißender und überzeugender finde als die Buchvorlage.Anders als im Film gibt es im Buch keinen besonderen Grund dafür, dass Mary Poppins bei der Familie Banks auftaucht. Sie kommt schlicht, weil ein Kindermädchen gesucht wird und für ihren späteren Abschied gibt es ebenfalls keinen besonderen Grund. Das fand ich ein bisschen schade. Mir hat es gefallen, dass es im Film so war, dass Mary Poppins gebraucht wurde um die Familie wieder mehr zusammenzubringen und v. a. das Verhältnis zwischen dem Vater und den Kindern zu verbessern. Das hat für ein bisschen Drama und für berührende Momente gesorgt und die Geschichte bereichert.Vor allem aber gibt es einen entscheidenden Grund, warum der Film mir etwas besser als das Buch gefallen hat: Im Film fand ich Mary Poppins sympathischer und liebenswerter als im Buch. Im Buch war sie mir manchmal etwas zu sehr streng, forsch, ungeduldig und eitel. Da fand ich sie im Film einfach herzlicher, freundlicher, charmanter und liebenswerter. Auch die Kinder fand ich im Film netter. Im Buch gibt es nämlich eine Szene in der der schlecht gelaunte Michael der Haushälterin ins Schienbein tritt, obwohl die überhaupt nichts gemacht hat. Außerdem stört sich Michael daran, dass die Haushälterin dick ist und das fand ich echt gemein von ihm. Hinzu kommt, dass Mary Poppins und der Straßenkünstler Bert im Film viel süßer zusammen sind und man merkt, dass die beiden richtig gute Freunde sind.Schade fand ich auch, dass man nichts über Mary Poppins Vergangenheit erfährt und nichts darüber woher sie kommt. Ich hatte darauf gehofft, dass das Buch hier die Lücken füllt, die der Film lässt, aber dem war leider nicht so. Da hat das Buch aus meiner Sicht Potenzial verschenkt, denn Mary Poppins Vergangenheit hätte bestimmt Stoff für so einige interessante Szenen abgegeben. Da ich nur diesen ersten Mary-Poppins-Band kenne weiß ich aber nicht, ob man in der Hinsicht in den späteren Bänden mehr erfährt.Fazit:Es handelt sich um einen schönen und fantasievollen Kinderbuchklassiker. Ehrlicherweise hat mich aber die tolle Verfilmung von 1964 noch mehr begeistert.