Teilweise fürchterlich langatmig, aber unfassbar phantasievoll und gefüllt mit schöner Sprache :>
Ich habe zuvor noch kein Buch von Walter Moers gelesen und wusste somit nicht was mich erwartet. Trotzdem ist mir bekannt, dass seine Bücher beinahe ausschließlich positive Rezensionen haben - also war ich gespannt!Zunächst lässt sich sagen, dass MoersSchreibstil ein wahrer Genuss ist! Unfassbar bildlich und detailreich, die Art wie die Sätze formuliert sind, können einen nur staunen lassen! Ich liebs! Trotzdem, es war nicht einfach in die Geschichte hereinzukommen. Der auktoriale Erzählstil mag anfangs gewöhnungsbedürftig sein. Ich finde jedoch, dass er gut zur Geschichte passt. Es verleiht dem Ganzen ein "Märchengefühl". Leider tut Moers aber etwas, dass ich als recht unprofessionell und unausgereift empfunden habe: er schweift sehr oft ab. Teilweise sind dieseAbschweifungen durchaus gerechtfertigt und angemessen, jedoch brauche ich nicht keinen 20-seitigen Exkurs darüber, was ein vollkommen willkürlicher Nebencharakter seit 300 Jahren jeden Tag zum Mittag isst und warum. Jedes Mal wenn eine besonders hartnäckige Wucht an unnötiger Information in mich reingedrückt wurde, musste ich das Buch erst einmal zur Seite legen. Es hat mich massiv aus dem Lesefluss gebracht. Somit kommen wir zu meinemgrößten Kritikpunkt, der sich aus dem vorherigen ergibt: ich finde, man hätte die ersten fast 300 Seiten komplett weglassen können. Die Geschichte fängt nämlich erst "wirklich" an, als Rumo in Wolperting eintrifft. Zwar ist seine Vorgeschichte durchaus relevant und es wird später darauf zurückgekommen, um den Kreis zu schließen, jedoch ist der rote Faden anfangs so schwer erkennbar dass ich mich sehr durch das Buch gequält habe. Ab 45% habe ich die Geschichte sehr genossen, alles davor war sehr viel blabla - jedenfalls hätte man es deutlich kürzen können. DerHumorin "Rumo" ist klasse. Vor Allem die Dialoge sind super unterhaltsam und ich musste beim Lesen oft Schmunzeln. Rumo selbst ist ein Charakter, den ich wirklich putzig fand. Wirklich nachvollziehbar fand ich seine Handlungen nicht unbedingt, aber das hat dem Ganzen keinen Abriss getan. Denke gerade darin liegt hier der Charme. Die"Liebesgeschichte" ist sehr unrealistisch und die Charaktere wechseln auch recht wenige Worte miteinander. Es ist irgendwie "instant love" aber auch wieder nicht.Ralaist ein Charakter, der nichts anderes als Rumos Geliebte ist. Das Ende war bezüglich der beiden sehr unbefriedigend für mich. Und wieso gibt es in diesem Buch eigentlich so gut wie keine weiblichen Charaktere?Laut dem, was ich gehört habe scheint das bei Moers generell so ein Ding zu sein (was vermutlich auch seinem Alter geschuldet ist), aber wenn einem das einmal auffällt, ist es schon sehr deutlich. Da hilft es nicht, dass Rala ein wandelnder Stereotyp ist. T_T Zumal die ganzen Kreaturen, die in "Rumo" vorkommen alle phantastische Wesen sind - trotzdem sind sie beinahe ausnahmslos männlich. Nur Männer kämpfen, weibliche Wolpertinger werden stereotypisch erwähnt, dann sind sie aber vor allem am Ende des Buches eigentlich gar nicht da??? Vermutlich bin ich "zu sensibel", aber das hat mich etwas vor den Kopf gestoßen - zumal es sinnlos ist. Finde es krass, dass dieser Punkt in keiner anderen Rezension erwähnt wird. Fazit: Okay, genug gemeckert. Hat mir das Buch im Großen und Ganzen gefallen. Yes. Fühlt es sich meiner Meinung nach trotzdem nach einer sehr männlich geprägten Abenteuerphantasie an? Auch yes. Und das ist auch okay. Denke das muss man einfach im Hinterkopf behalten. Denke vor Allem als Hörbuch muss dieses Werk sehr viel Spaß machen. :) 3,5 von 5 Sternen.