Starker Romantasy-Auftakt mit einer Heldin, die ihre Geschichte selbst schreibt. Slow Burn, Hidden Powers und ein cleveres Magiesystem.
Eine junge Frau, die ihre verbotene Magie ein Leben lang versteckt hat. Ein brutaler Söldner, mit dem sie einen verzweifelten Pakt schließen muss. Und eine Welt, in der Götter, Fae und Menschen in fragilem Gleichgewicht stehen. Stacia Starks "Kingdom of Lies 1" ist Romantasy in Reinform, und mein Herz schlägt eindeutig für Prisca.In dieser Welt nehmen die Götter den Menschen die Magie kurz nach der Geburt und versprechen dafür Schutz vor den gnadenlosen Fae. Wer seine Magie behält, gilt als "Korrupter" und wird verbrannt. Prisca hat ihre Kraft ein Leben lang verborgen, doch als sie versehentlich sichtbar wird, muss sie fliehen. Um zu überleben, schließt sie einen Pakt mit Lorian, dem Söldner, der sie einst in ihrer schwächsten Stunde im Stich gelassen hat. Sie hilft ihm und seinen mysteriösen Freunden in die Stadt, im Gegenzug bringt er ihr bei, ihre Macht zu nutzen. Nur hat Lorian eigene Geheimnisse, die alles bedrohen, was Prisca liebt.Die meisten Rezensionen feiern Lorian und seine "Touch her and you die"-Energie, und ja, er ist ein wirklich gut konstruierter, morally grey Love Interest. Aber für mich ist Prisca der eigentliche Grund, warum dieser Auftakt so gut funktioniert. Sie ist genau die Heldin, die Romantasy noch viel zu oft fehlt: eine Frau, die nicht nur reagiert, sondern handelt. Wir lernen sie als ängstliche Dorfbewohnerin kennen und erleben, wie sie im Laufe der Geschichte wächst, Fehler macht, zweifelt und trotzdem zu jemandem wird, der sein Leben selbst in die Hand nimmt. Genau diese organische Entwicklung ist es, die mich mitgerissen hat.Starks Worldbuilding gefällt mir ebenfalls sehr gut. Die Idee der "Gifting-Zeremonie" ist wirklich originell und wird geschickt genutzt, um eine ganze Gesellschaft zu konstruieren, in der Magie über Leben und Tod entscheidet. Was besonders angenehm auffällt: Stark verzichtet auf Infodumps. Die Welt entfaltet sich Schicht für Schicht durch Priscas Wahrnehmung, wodurch das Buch zugänglich bleibt, ohne an Komplexität zu verlieren. Sprachlich schreibt Stark flüssig, atmosphärisch und mit gutem Gespür für Spannungsdramaturgie, kein Wunder bei ihrer Bestseller-Bilanz auf beiden Seiten des Atlantiks.Die Enemies-to-Lovers-Dynamik entwickelt sich in echtem Slow Burn. Kein Insta-Love, keine Abkürzungen, sondern eine Anziehung, die über hunderte Seiten wächst und dadurch umso intensiver wird. Das Spice-Level ist in Band eins noch moderat, laut Autorin steigert es sich mit jedem weiteren Band. Wer sofortige Explizitheit erwartet, ist hier falsch. Wer geduldigen Aufbau schätzt, wird belohnt. Dazu kommen echte Female Friendships und eine Found-Family-Dynamik, die den Nebenfiguren Raum gibt, statt sie zu Statisten zwischen Prisca und Lorian zu degradieren.Auch die deutsche Ausgabe mit Buchklappen und Farbschnitt ist eine Augenweide. Ich freue mich schon riesig auf Band 2.